Fragen an Konstantin

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Dienstag 3. August 2010

Recyclingpfosten – so ein Unsinn

Im landwirtschaftlichen Fachandel erkundige ich mich nach Hartholz-Pfosten an denen ich Weinreben hoch ranken lassen will. Geeignet ist dazu Lärche, Eiche, Esskastanie, Robinie.
Für mich eine ganz normale Frage, es gibt eine große Auswahl an passenden Holzarten, ich will nur keine Weichholzpfähle mit Imprägnierung.

Und was wird mir angeboten? Ich denk ich hör nicht richtig: Recycling Pfähle aus Kunststoff, hergestellt aus Müll vom GelbenSack. Im Telefonat mit der Herstellerfirma (www.recyclingpfaehle.eu) will man mir versichern, daß keine chemischen Schadstoffe abgegeben werden, das Material sei auch verrottungsfest, ökologisch, umweltfreundlich usw.

Was für ein Schwachsinn! Diese Plastikteile sind Sondermüll-Depots, die eines Tages durch die Kinder oder Enkel teuerst entsorgt werden müssen. Gerade weil sie NICHT verrotten sind sie KEINE Recycling Pfosten. Ein echter Hartholzpfahl, der nach 30 bis 60 Jahren seinen Dienst quittiert und dann langsam verrottet wandert in den natürlichen Kreislauf des LEBENS zurück. Das ist echtes NATUR-RECYCLING. Aber Plastik Müll ist und bleibt Plastik Müll.

Mir wurde im Fachhandel auch ein Plastik-Holzimitations-Brett gezeigt mit dem man verrottungsfeste Sitzgelegenheiten bauen könne. Ich habe mal daran gerochen und mir wurde fast schlecht. Und dies war im Laden, bei Raumtemperatur, … ich will mir nicht vorstellen wie sehr es stinkt, wenn man dieses Material im Garten verbaut und dann die Sonne darauf scheint. Und man kann diese Plastikpfosten auch leicht bearbeiten, Nägel einschlagen, Löcher bohren etc… Und was ist dann mit den Plastik-Spänen die runter fallen und nicht verrotten? Sollen die von Tieren verschluckt werden die dann daran verenden? Wie dumm muß man sein wenn man sich so einen Müll aufschwätzen läßt und dann noch dafür Geld bezahlt.

Es ist eine echte Schande, daß die Industrie mit Begriffen wie „Umwelt“ und „Ökologie“ versucht die Menschen zu verführen Sondermüll in den Garten zu bringen. Als letztes „schlagendes“ Argument ist mir dann noch der günstige Preis genannt worden. Hahaha. Soll ich lachen oder weinen? Ich zahle doch lieber 25 Euro oder mehr für einen echten Natur-Hartholzpfahl als 7 Euro für einen Müll-Pfahl für dessen Entsorgung eines Tages vielleicht das zehnfache oder mehr bezahlt werden muß!

Nach etwas Suche im Internet habe ich einen Anbieter gefunden für Hartholzpfähle:
www.lignumplus.de
Aktuell haben sie Urlaub, aber nächste Woche will ich Kontakt aufnehmen und mehr Details über die angebotenen Pfosten erfahren.

7 comments to Recyclingpfosten – so ein Unsinn

  • ben

    Vielen Dank für den Link! Mich hat es auch schon immer geärgert, dass einem (im Baumarkt sowieseo) selbst im Holzhandel für Gartenzwecke immer imprägniertes Holz angedreht wird.

    Liebe Grüße,
    Ben

  • …und Abends stellt man den Geben Sack an die Straße und ist froh das es abgeholt wird.
    …und wenn man schon übertreiben:
    Alternativ wird der Gelbe-Müll bis nach China verfrachtet und kommt als Bluse zurück.

    Also bleibt: Da ansetzen wo Müll erzeugt wird und wenn Müll dann intelligent in der Region einsetzen.

    Der Link Lignumplus.de ist Super, Danke!

  • Bär

    Moin Konstantin,

    wenn du diesen oder jenen Kilometer brauchst um Weiden ein zu frieden, macht es einen gewaltigen Unterschied ob du 10.000 lustig bedruckte Baumwollzettel hinlegen musst oder 2.800 davon um einen Kilometer zu wuppen. Und wenn ich die Holzpfähle nur einmal in meinem Leben noch erneuern müsste, wäre die Rechnung bei 2.800 zu 20.000 anzusetzen.

    Für mich wäre es schlicht der Unterschied zwischen einfrieden können oder nicht einfrieden können.

    Bärengruß aus dem dunklen Walde

  • Hallo Bär, Dein Gedanke ist nachvollziehbar, wenn man kurzfristig und mit Scheuklappen denkt: Wieviel mag die spätere Entsorgung der Müll-Pfosten durch die Nachfahren kosten? Man denke nur an Asbest und an Styropor. Demnächst werden womöglich ganze Häuser nach dem Abriss komplett durch die Sondermüllverbrennung gehen müssen – bei entsprechenden Kosten.

    Ich schrieb im Text von einzelnen Pfosten um Wein hochranken zu lassen. Nie käme ich auf die Idee zehntausende auszugeben für eine Einfriedung von Weiden. Der billigste und gleichzeitig stabile Weg ist möglicherweise: Weidenstecklinge. Die kann man kostenlos bekommen, einfach in die Erde stecken und nach ein paar Jahren sind sie so stabil, dass man Draht, Zaun, etc. daran befestigen kann. Die werden dann auch von Jahr zu Jahr dicker und stabiler.

    Grüße
    Konstantin

  • Johannes

    Guten Tag,

    ich finde Ihre Argumente auch etwas kurzfristig gedacht. Wir sind eine Naturschutzorganisation und viel in dritte Welt Länder aktiv. Waren Sie schon mal an einem Strand der voller Plaste lag? Da muss man ja irgendwas drauß machen. Natürlich ist der beste Schritt die Plaste gleich zu vermeiden aber in solchen Ländern sind diese ein riesiges Problem. Die Plaste ist schon da und muss verwendet werden… Ganz abgesehen das Millionen von Tiere daran sterben muss man den Leuten eine Alternative geben etwas mit der Plaste anzufangen. Und das hat 2 gigantische Vorteile. Erstens wird die Plaste verwendet und zweitens schützt man den angrenzenden Regenwald weil die Bauern anstatt Holz (Regenwald) Recyclingpfosten nehmen…

    MfG

  • Hallo Johannes,
    die Frage, was man mit all dem Plastik machen kann, das unterwegs ist, ist ein ganz anderes Thema. Man kann beispielsweise über den Weg der Pyrolyse aus dem Plastik flüssigen Brennstoff machen, ähnlich Diesel. Die wirkliche Lösung liegt jedoch viel einfacher: Man müsste die Haftung auf den Rohstoff-Hersteller legen. Dann alles Plastik zurück an den Hersteller und die müssten einen Weg finden, der ohne jegliche Schadstofffreisetzung das Zeug verschwindet lässt. Dazu bräuchte man jedoch eine Regierung, bzw. ein Volk, die die geistige Klarheit haben so zu handeln. Solange das nicht der Fall ist, sind alle Maßnahmen wohl nur Symtomkurierung.

  • Tom

    Hallo Konstantin,

    ich finde Ihre Argumente gut, tendiere aber auch dazu, Johannes zumindest teilweise zuzustimmen. Von einem Zaunpfosten erwarte ich eine lange, pflegeleichte Haltbarkeit, und die scheint ja auch bei den „Recycling-Pfosten“ gegeben zu sein. Holzpfosten unterliegen Verwitterungseinflüssen und müssen daher gepflegt werden, um einigermaßen haltbar zu sein, ansonsten verrotten sie nach wenigen Jahren. Allerdings habe ich noch nie darüber nachgedacht, was mit den Plastik-Spänen oder ähnlichen Erosions-Resten von Recycling-Pfählen passiert, und ich muss Ihnen zustimmen, dass diese vermutlich nur Schaden anrichten.

    Da sieht man mal wieder, wie komplex selbst ein scheinbar so einfaches Thema bei genauer Betrachtung sein kann…

    MfG,
    Tom

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