Fragen an Konstantin

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Mittwoch 20. Januar 2016

Vergleich Xeoos Twinfire und Tigchel-Ofen

Von einem Freund habe ich per email diese Frage bekommen:

Kennst Du den Xeoos-Ofen? (www.xeoos.de)

meine Antwort:

Ja, die Twinfires von Xeoos kenne ich. Habe sie sogar früher kennen gelernt als die Tigchel.
Ist ja modern geworden, dass mit dem Zusatzfeuer nach unten. Es gibt auch andere Anbieter, die diese Feuertechnik anbieten.

Der messtechnische Wirkungsgrad mag knapp ähnlich sein zum Tigchel. Aber eins geht garantiert nicht:
12 kg Holz rein, anzünden, 15min später Anfeuerklappe umlegen und 14 Stunden gemütliche Wärme, ohne einmal nachlegen!

Ein Problem am Xeoos ist die relativ große Scheibe. Wirkt zwar nett das Feuer zu sehen (ist auch Mode geworden), aber darüber verliert es viel Wärme, die das Feuer eigentlich noch haben muss, um gut fertig zu brennen.

Laut dieser Seite: http://xeoos.de/fileadmin/dateien/Zusammenfassung_xeoos.pdf
hat der Xeoos eine Abgastemperatur von 210°C. ( = Verlustwärme im Schornstein)
Beim Tigchel liegt sie weit niedriger: 80 bis 120°C!
Die Wärmeabgabe beim Xeoos läuft über eine hohe Oberflächentemperatur.
Beim Tigchel ist es eine viel größere Abstrahl-Fläche in relativ niedriger Oberflächentemperatur, dadurch viel mehr Strahlungsanteil und weniger Lufterwärmung.

In der Bedienungsanleitung finde ich diesen Satz:
„Die Verwendung von Weichhölzern als Scheitholz sollte aufgrund des geringen Brennwertes und des hohen Ascheanfalls vermieden werden.“
Die Angabe zum Brennwert ist fachlich gesehen falsch, zumindest unvollständig: Weichholz hat oft einen höheren Brennwert als Hartholz, wenn man es pro Gewicht rechnet. Nur wenn man es pro Volumen rechnet ist der Brennwert kleiner! Und hoher Ascheanfall ist bei Weichholz auch nicht generell vorhanden.

Beim Tigchel ist gerade (billiges) Weichholz gut geeignet, weil es sehr stark, schnell und heiß brennt.
Trotzdem produziert auch Weichholz im Tigchel fast keine Asche!

Zum Thema Anheizen finde ich: Bis zum Erreichen der notwendigen Grundglut muss der TwinFire® Starter in Position „Anheizen“ stehen. Nach ca. 30-45 Minuten ist so viel Glut entstanden, dass auf Position TwinFire® gestellt werden kann (Indikator: X-Feuerrost glüht).
Das  bedeutet, man muss nach dem Anheizen mindestens 45 Minuten im Haus bleiben, oder dann wieder da sein, um zum rechten Zeitpunkt umzuschalten. Da aber die eingelegte Holzmenge nur für ca. 1,5 Stunden reicht, muss man praktisch dauernd zu hause sein…

Dann finde ich noch: „Wichtig: Holz ist kein Dauerbrand Brennstoff, das bedeutet: ein Durchheizen über  Nacht ist mit Holz nicht möglich. Zur Dauerglut  eignen  sich Braunkohlebriketts.“
Nun, da der Xeoos fast keine Speichermasse hat, muss man ihn nachts wohl mit Braunkohle betreiben… und die muss man kaufen, sind nicht regenerativ und die Asche sollte nicht in den Garten…

Und dann dies:
„Die Nennwärmeleistung von 5 kW wird mit ca. 1,2 kg  Holz […] pro Stunde erzielt. Legen Sie nie mehr als ein bis zwei Stücken auf einmal auf [2 kg bei 5kW]“
Das heißt konkret, wenn man den Xeoos 14 Stunden lang warm haben will muss man 10x Holz nachlegen. Alle 1,5 Stunden muss man beim Ofen sein. Das geht oft nicht bei aktuellem Lebensstil, z.B. mit Arbeitsplatz ausserhalb der eigenen Wohnung, etc.

Will man das Haus durchgehend heizen, reicht es beim Tigchel aus, einmal pro TAG! Feuer zu machen. Nur bei ganz kalten Tagen macht man zwei mal am Tag ein Feuer im Ofen.
Beim Xeoos darf man Tags UND NACHTS!! alle 1,5 Stunden Holz nachlegen….

Zum Thema Wartung finde ich noch dieses:
Rauchgaszüge reinigen
Die Grundreinigung, die je nach Intensität der Nutzung alle 2-3 Jahre durchgeführt werden sollte, darf nur durch einen autorisierten Fachhändler durchgeführt werden. Hierzu müssen die Isolier-Platten [ Vermiculite-Platte ] entfernt werden.
Beim Tigchel kann man selber putzen. Und zerlegen muss man den auch nicht zum Putzen…

Je nach Ausführung und Anbieter liegt ein großer Xeoos sogar höher im Preis als der kleine Tigchel…
Nun, der Tigchel ist noch recht unbekannt, aber das lässt sich ändern!

Mein früherer Blogeintrag zum Tigchel-Speicherofen:

http://www.konstantin-kirsch.de/2015/11/speicherofen-der-sonderklasse-tigchel.html

Im Februar machen wir zwei Seminare, in denen jeweils ein Tigchel Speicherofen aufgestellt wird!

19.-21.Febr.  Seminar: Flamme und Feuer in Herd und Heim

26.-28.Febr.  Seminar: Wohlige Wärme für Haus und Hof

*****

Nachtrag:
Ich hörte, dass der Erfinder des umgekehrten Feuers die Firma Wallnöfer in Südtirol sei. Also habe ich mich auf deren Webseite auch mal umgeschaut: http://www.wallnoefer.it/produkte/walltherm-kaminoefen.html

Dort finde ich: Die Asche vom oberen und unteren Brennraum wird täglich entnommen, […] Die Reinigung der Rauchzüge sollte alle 6-8 Wochen durchgeführt werden. […] Dichtungsbänder an Türen und Reinigungsöffnungen sind ca. alle 2-3 Jahre auszutauschen. Der Injektorblock aus Edelstahlfeinguss und die Gussroste im oberen Brennraum haben eine durchschnittliche Haltbarkeit von ca. 3 – 6 Jahren, je nach Benutzung des Ofens. Schamottesteine können mit der Zeit oberflächliche Risse zeigen, in der Regel sind sie dadurch aber noch stabil und erfüllen Ihren Zweck, erst wenn sie nach ca. 7-8 Jahren zerfallen, sollten sie getauscht werden. Die Glasscheibe des unteren Brennraums ist sehr hohen Temperaturen ausgesetzt, sie muss in Einzelfällen periodisch ausgetauscht werden, falls sie Ihre Transparenz verliert. 

Auf dieser Seite http://www.wallnoefer.it/produkte/walltherm-kaminoefen/kaminoefen-wallthermr-air.html
finde ich auch was interessanten: Zum einen heißt der Ofen „Strahlungsofen“ mit dem Begriff „Air“ davor. Dann steht dort: „Warmluftgebläse“ […] Die Zirkulation der Warmluft kann je nach Bedarf zugeschaltet und reguliert werden.

Da gibt es also viel Warmluft…. und viel Arbeit um laufen zu putzen und Teile zu tauschen…

3 comments to Vergleich Xeoos Twinfire und Tigchel-Ofen

  • Avatar Thomas

    Hallo Konstantin, ich denke der Ofen funktioniert sicher ganz toll. Was mir nicht gefällt ist die niedrige Abgastemperatur und zwar aus Sicht des Kamins. Dieser braucht ja eine gewisse Mindesttemperatur um nicht zu versotten. Hast du dazu eine Lösung gefunden?
    Gruß
    Thomas

  • Hallo Thomas,
    je niedriger die Abgastemperatur, um so mehr Wärme bleibt im Haus. Das ist die eine Sache. Das andere ist mögliches Kondensat im Schornstein. Dies entsteht wenn die Abgase unter 55°C gekühlt werden. Im Schornstein kommt es darauf an: Hat man einen Edelstahlkamin, kann es kondensieren, der hält das aus. Hat man einen aus Stein, muss er trocken bleiben. Es gibt sooo viele Unterschiede bei Kaminen, es gibt welche mit nur einer Feuerstelle, welche mit Mehrfachbelegung etc. Zu dem Tigchelofen gehört ein Abgasthermometer für die Montage im Rohr zwischen Ofen und Schornstein. Das ist wie ein Tacho beim Autofahren. Zusätzlich kann man noch ein Thermometer am Schornsteinkopf montieren mit Fernanzeige neben dem Ofen. Beim Anfeuern lässt man die heißen Gase mit Hilfe der Anfeuerklappe direkt in den Schornstein, bis dieser die nötige Temperatur hat. Dann erst legt man die Klappe um, so dass die Züge komplett in Betrieb sind.

    Dann gibt es noch den Unterschied ob der Schornstein in beheizten Räumen bis zum Dach geht oder über längere Wege durch ungeheizte, ungedämmte Räume bis zum Dach. Im zweiten Fall, kombiniert mit extrem kalter Witterung muss gegebenfalls die Anfeuerklappe etwas geöffnet bleiben, damit genügend Wärme im Schornstein ankommt. All diese Details muss man mit dem Schornsteinfeger besprechen und klären. Dieser Ofen ist kein Kinderspielzeug. Er muss sachgerecht bedient werden. Nur dann ist er super effektiv und der Schornstein bleibt trocken.
    Viele Grüße
    Konstantin

  • Avatar Kai Menk

    Ganz ehrlich, die Optik spielt auch eine Rolle, und da liegt der Twinfire ganz weit vorne. Ein Ofen muss auch etwas Begeisterung hervorrufen.

    *****
    Kommentar von Konstantin:
    Jeder wie er mag: Mich begeistert ein Ofen der vorrangig gut wärmt, der mit wenig Holz viel Wärme angibt, und diese noch gleichmäßig. Wenn die Optik die Hauptrolle spielt, dann kann man auch einen Fernseher mit Lagerfeuerbild laufen lassen und einen Mantel anziehen. Ich finde den Twinfire von der Optik her übrigens widerwärtig. Aber wie gesagt: jeder wie er mag.
    Gruß
    Konstantin

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