Fragen an Konstantin

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Sonntag 4. August 2019

körperliche Liebe nur zum Kinder zeugen?

Vor einigen Tagen wurde ich darauf angesprochen, daß in den Anastasia-Büchern stehen würde, daß Sex nur zum Zeugen von Kindern erlaubt sei. Ich spürte sofort, daß dies nicht stimmen kann. Es geht in den Anastasia-Büchern um Liebe, um gemeinsames Schaffen. Doch ich hatte die passenden Textstellen nicht griffbereit um meine Überzeugung nachzuweisen. Die Leser, die mit mir sprachen, waren sehr überzeugt von dem, was sie gelesen hatten. Es stehe irgendwo in Band 4, sagten sie. So machte ich mich auf die Suche in den Texten um genau zu ermitteln was darin steht. Es hätte ja auch sein können, daß mich meine Erinnerung täuscht.

Wenngleich es jedem Leser bekannt sein dürfte, daß die Anastasia-Bücher aus Russland stammen und die deutsche Ausgabe eine Übersetzung darstellt, ist wohl nicht jedem klar, daß beim Vorgang des Übersetzens, der Inhalt sich verändern kann. Dies kann liegen an zu wenig Zeit für den Übersetzer, an persönlichen Interpretationen, an Vorurteilen etc.

Für hochpräzise Übersetzungen bräuchte es kongeniale Übersetzer, die quasi in beiden Sprachen „Muttersprachler“ sind. Das ist jedoch äußerst selten. Die Definition eines kongenialen Übersetzers lautet: „Ein kongenialer Übersetzer schafft das Werk des Autors in der Zielsprache so nach, wie derselbe Autor es geschrieben hätte, hätte er die Zielsprache ebenso beherrscht, wie sein kongenialer Übersetzer.“

Als ein Beispiel, welche Folgen ein einziges unscharf, oder falsch übersetztes Wort haben kann, zitiere ich aus dem Jungbrunnen-Handbuch, Seite 624, mit freundlicher Genehmigung des Verjüngungstrainers Frank McCormack:

Nächste Frage: warum haben wir in Deutschland eine soziale Marktwirtschaft (jedenfalls heisst sie so) und hatten ein sog. Wirtschaftswunder? Hauptsächlich, weil Prof. Ludwig Erhard erster Wirtschaftsminister der neugegründeten Bundesrepublik unter Adenauer wurde (und nicht irgendein anderer). Warum wurde Erhard erster Wirtschaftsminister? Weil er vorher schon Direktor des „Vereinigten Wirtschaftsgebietes“ war. Warum aber wurde er Direktor des „Vereinigten Wirtschafts-gebietes“??? Weil der vorherige Direktor des „Vereinigten Wirtschaftsgebietes“ von den Amerikanern abgesetzt wurde. Ja aber warum wurde der vorige Direktor des „Vereinigten Wirtschaftsgebietes“ abgesetzt und überhaupt, was hat das alles mit dem Übersetzen zu tun? Der vorherige Direktor des „Vereinigten Wirtschaftsgebietes“ musste seinen Hut nehmen, weil er die legendäre „Hühnerfutter-Rede“ gehalten hatte. Darin warf er den Amerikanern vor, sie schickten den Deutschen ‚Hühnerfutter statt Brotgetreide‘, denn es waren Unmengen Mais aus den Vereinigten Staaten als Hilfslieferungen angekommen, weil ein deutscher Übersetzer „Korn“ (Getreide) mit „corn“, und das heisst nun mal „Mais“, übersetzt hatte, und die Amerikaner treu und brav auch Mais geschickt hatten. Diese empfanden die Kritik des Wirtschafts-Direktors daher nur als ungerecht und feuerten diesen wohlmeinenden Mann. Wäre dieser Fehler nicht passiert, hätte es damals wahrscheinlich keine so frühe Währungsreform gegeben, es wäre der unpolitische Erhard nicht Minister, und die Bundesrepublik wäre vielleicht nicht NATO-Mitglied geworden, die Wirtschaftsverfassung sähe anders aus, die DDR wäre nie gegründet worden, da man Stalins Angebot für ein freies, neutrales Gesamt-Deutschland, analog Österreich, willkommen geheissen und nicht, wie Adenauer, Blockpolitik betrieben hätte und so weiter und so fort. – Das Ganze wegen eines einzigen Wortes …

 

Zurück zu den Anastasia-Büchern und der deutschen Übersetzung der fraglichen Stelle zum Thema körperliche Liebe

deutsche Übersetzung, Anastasia Band 4, Seite 69/70

Es ist schon sehr lange her, aber doch kommt es mir vor, als wäre es gestern. Besser, ich drücke mich anders aus: Es kam die Zeit, da die Menschen nicht mehr gemeinsam erschufen und stattdessen begannen, die Geschöpfe Gottes zu erlegen und zu untersuchen. Mit Hilfe des Speeres töteten sie Tiere, die ihnen damals noch vertrauten, und trugen stolz deren Felle am Leibe. Das Bewusstsein aller Menschen änderte sich, und sie wandelten auf Pfaden, die sie bis in die heutige Zeit gebracht haben. Sie gebrauchten ihren Verstand fortan nicht mehr auf schöpferische Weise, sondern suchten nach Erkenntnis. So wollten sie zum Beispiel wissen, wie man sich im Zusammenleben von Mann und Frau die größte Befriedigung verschaffen kann. Die Männer begannen, Frauen zu verführen, und auch die Frauen gaben sich den Männern nicht mehr hin, um Kinder zu zeugen, sondern um des Lustgewinnes willen. Sie dachten, genau wie die heutigen Menschen, die Befriedigung stelle sich durch die Vereinigung des männlichen und weiblichen Leibes ein. In Wirklichkeit jedoch sind solche körperlichen Freuden nur flüchtig und sehr unbedeutend, und sie lassen die anderen Ebenen des menschlichen Selbst außen vor. Um möglichst viel zu genießen, begannen die Menschen also, ihre sexuellen Partner zu wechseln und immer neue Arten des Intimverkehrs zu ersinnen. Bis heute jedoch ist es ihnen nicht gelungen, auf diese Weise echte Befriedigung zu finden.

Dieser Text steht so seit der ersten Auflage 2005 und wurde auch in der überarbeiteten Version 2013 so übernommen.

Ich wiederhole einen Satzteil: … und auch die Frauen gaben sich den Männern nicht mehr hin, um Kinder zu zeugen …

Nun, dies kann tatsächlich so gelesen werden, als ob Anastasia meint, Sex sei nur zum Zeugen von Kindern gut.

Schauen wir einmal in das russische Original. Ich zitiere den gleichen Abschnitt:

Ещё в далёкие те времена… В далёкие сказала, а было всё как будто бы вчера. Я лучше так скажу: когда настали времена, и человечество не сотворять совместное, а разбирать творенья Бога устремилось, когда копье уже летело и шкуры преданных зверей на теле людей достоинством считаться стали, когда сознанье всех менялось, и устремлялось по пути, ведущему к сегодняшнему дню, когда не к сотворенью, а к познанью устремилась мысль людская, вдруг стали люди разбирать, как, вследствие чего, мужчина, с женщиной сливаясь, великое удовлетворенье способны испытать. Тогда впервые мужчины женщин стали брать, а женщины себя мужчинам отдавать не ради сотворенья, а для того, чтоб получить приятное двоим удовлетворенье. Казалось им, как и сейчас живущим людям кажется, оно приходит каждый раз, когда слиянье происходит мужского, женского начал, их плоти, видимых их тел. На самом деле удовлетворения от слиянья только плотских тел неполны, скоротечны. В деяниях лишь утешных другие планы человеческого “я” участия не принимают. А человек стремился к ощущенью полноты, тела и способы соединения меняя, но до сих пор сполна его не получая.

Nun, ich kann bisher leider die russische Sprache weder lesen noch übersetzen. Es hilft jedoch das Internet.
Hier eine Google-Übersetzung:

Sogar in diesen fernen Zeiten … In den fernen sagte, aber es war alles wie gestern. Mir geht es besser so Ich werde sagen: Wenn die Zeiten kommen und die Menschheit kein Gelenk schafft, sondern die Schöpfungen Gottes zerlegt eilte, als der Speer schon flog und die Häute der treuen Tiere den Körper der Menschenwürde berührten begann in Betracht gezogen zu werden, als sich das Bewusstsein aller veränderte, und eilte den Weg entlang, der zum heutigen führte. An dem Tag, an dem nicht die Schöpfung, sondern das Wissen über das menschliche Denken in Eile ging, begannen die Menschen plötzlich, sich auseinander zu bauen. Wie ein Mann, der mit einer Frau verschmilzt, in der Lage ist, große Befriedigung zu erfahren. Dann begannen Männer zum ersten Mal, die Männer von Frauen zu nehmen, und Frauen gaben sich Männern nicht aus Gründen von Schöpfung, aber um eine angenehme Befriedigung für zwei zu bekommen. Es kam ihnen vor, als lebten jetzt Menschen, wie es scheint, jedes Mal wenn die Fusion kommt. Es gibt ein Männliches, Weibliches, ihr Fleisch, ihre sichtbaren Körper. Tatsächlich ist die Befriedigung der Verschmelzung nur fleischlicher Körper unvollständig und vergänglich. In Taten Nur tröstende andere Pläne des menschlichen „Ich“ nehmen nicht teil. Und der Mann suchte nach Gefühl der Fülle, des Körpers und der Art und Weise, sich zu verändern, aber es immer noch nicht vollständig zu empfangen.

Ich nehme nun nur den einen Satz heraus:

Тогда впервые мужчины женщин стали брать, а женщины себя мужчинам отдавать не ради сотворенья, а для того, чтоб получить приятное двоим удовлетворенье.

Google-Übersetzung:

Dann begannen Männer zum ersten Mal, die Männer von Frauen zu nehmen, und Frauen gaben sich Männern nicht aus Gründen von Schöpfung, aber um eine angenehme Befriedigung für zwei zu bekommen.

Es geht um das Wort сотворенья mit der Bedeutung: Schöpfung

Schauen wir zum Vergleich in die englische Übersetzung. Da fällt zuerst auf, das der Band 4 im deutschen den Titel trägt:
Schöpfung und im englischen heißt der Titel Co-creation, also Mitschöpfung.

Hier das Zitat aus der englischen Übersetzung von John Woodsworth, Ringing Cedars, Band 4, Seite 68/69:

It happened in times long ago. I know I said long ago, but it seems as though it happened only yesterday. Perhaps I can best put it this way: a time came when mankind aspired not to co-creation but to analysing God’s creation, back when spears were already flying and hides of faithful creatures were already considered worthy features on people’s bodies, when everyone’s consciousness was being altered and being directed along the path leading to today, when human thought faltered, aspiring not to creation but to the accumulation of knowledge — all at once people began analysing the process by which men and women were able to experience tremendous satisfaction by merging their bodies together. Then for the first time men began possessing the women, and women submitted to the men not for the sake of co-creation, but so that both of them could experience a satisfying sensation. It seemed to them, as it seems to people living today, that such a sensation comes afresh each time there is a merging of the male and female elements, their visible bodies, their flesh. In fact the satisfaction from the merging of mere fleshly bodies is fleeting and incomplete. In the intercourse of carnal desire there is no participation by the higher planes of the human self. Man aspired to feel a sense of fulness by changing bodies and methods of coming together, but even today he has not achieved anything fully.

Und herausgeschnitten, der entsprechende Satz: … and women submitted to the men not for the sake of co-creation, …

Hier als Ergänzung noch die englische Übersetzung von Marian Schwartz, Band 4, Seite 63:

Back in those distant times . . . I said ‚distant,‘ but it all might as well have been yesterday. Instead, I should say: when the time came and humanity did not create together but strove to dismantle God’s creations, when the spear was already flying and the hides of betrayed beasts began to be considered a virtue on man’s body, when the consciousness of everyone changed and chose the path leading to the present day, when human thought strove not for creation but knowledge—people suddenly began trying to sort out how, as a result of what, man, merging with woman, was capable of experiencing great satisfaction. Then, for the first time, men began taking women and women began giving themselves to men, not for the sake of creation, but for mutual satisfaction. They thought, as do people now, that such satisfaction comes every time there is a merging of the male and female principles, their flesh, their visible bodies. In fact, the satisfaction from the merging of only flesh is incomplete and fleeting. The other levels of the human ‚I‘ do not take part in merely comforting actions. But man strove for a sense of fullness, changing bodies and ways of unifying, but to this day never achieving that.

Und der Satz alleine: … men began taking women and women began giving themselves to men, not for the sake of creation, …

Nun, Kinder zu zeugen ist wahrhaft ein schöpferischer Akt, eine Mit-Schöpfung zusammen mit dem Schöpfer. Keine Frage.
Allerdings umfasst Schöpfung bzw. Mit-Schöpfung weit mehr als nur das Zeugen von Kindern. Es umfasst jegliches schöpferische Wirken. Auch der Begriff Kinder umfasst weit mehr als den eigenen Nachwuchs, bzw. umfasst der Begriff Nachwuchs weit mehr als eigene Kinder.

Was die Anastasia-Bücher eigentlich aussagen und was wirklich nicht so schwer zu erkennen ist: Menschen sind weit mehr als Tiere. Auch wenn wir Körper aus Fleisch haben (ähnlich wie Tiere) mit denen wir körperliche Liebe leben und genießen können, so sind wir doch auch geistige Wesen, die mit dem uns inneliegenden Bewusstsein kreativ gestalten und erschaffen können. Und insbesondere bei der körperlichen Liebe können wir zwei grundlegend verschiedene Wege gehen: Der Weg des Konsums oder der Weg des Produzenten.

Wir können schöpfen und erschaffen, wir können Träume wahr werden lassen, wir können kreative Ideen materialisieren. Und dabei kann uns die körperliche Liebe unterstützen wenn die Begegnung getragen ist von der inneren geistig-seelischen Ausrichtung auf das was wir erschaffen wollen. Diesbezüglich gibt es auch Bücher und Kurse unter dem Begriff Tantra oder Slow-Sex. Und selbstverständlich dürfen auch Kinder, eigener Nachwuchs, erträumt, erschaffen und gezeugt werden. In Mitschöpfung mit der Liebe und dem Leben ist sehr vieles möglich.

Auf das Bewusstsein kommt es an.

2 comments to körperliche Liebe nur zum Kinder zeugen?

  • Avatar Patrick

    Hallo Konstantin,
    dies ist nicht die einzige Stelle wo es um das Thema geht.
    Ich kann mich erinnern das sie an anderer Stelle beschreibt wie „merkwürdig“ die von uns erschaffenen Energien sind, die zb bei der Selbstbefriedigung erzeugt werden und das sie ein gewisses Eigenleben mitbringen.
    Und weiter meine ich mich zu erinnern das sie sagte, das über diese Weise eine Unmenge an Energie verloren geht und dies sehr, sehr schlecht sei.
    An wiederum anderer Stelle erwähnt sie zudem das man vor der Zeugung über längere Zeit hinweg (ich meine es war mindestens 1 Monat) keinen Geschlechtsverkehr haben sollte, um bei der Zeugung auf ein hohes Maß an Energie zurückgreifen zu können.

    All das zusammen ergibt dann schon ein gewisses Bild.

    *****
    Kommentar von Konstantin:

    Hallo Patrick,
    sicher ist mir bekannt, daß es diverse Stellen gibt, die die körperliche Liebe in allen möglichen Variationen thematisieren. Mir geht es in diesem Blogeintrag nicht wirklich um die Frage was denn Anastasia nun empfiehlt. Es geht mir hauptsächlich darum, daß jeder Leser immer gewahr sein sollte, daß es sich um Übersetzungen handelt und das selbst das russische Original nicht das ist was Anastasia selbst gesagt hat, sondern nur das was Wladimir verstanden und aufgeschrieben hat.
    Wer psychisch so konstruiert ist, daß man eine Sekte will und braucht, wird irgendwo fündig, so auch in den Anastasia-Büchern. Nur ist es möglich bis wahrscheinlich, daß die eigentliche Aussage der Bücher anders ist als diejenigen, die sektenartige Vorschriften suchen sowie auch jene, die die Bücher bekämpfen wollen. Ich gehe davon aus, daß beide falsch liegen. Es gibt in den Anastasia-Büchern einige Beispiele in denen sich Aussagen widersprechen und es gibt einige Aussagen, die definitiv falsch sind, vermutlich weil sie Wladimir falsch verstanden hat (z.B. manche Aussagen zu Herbalife). Es wird aufgefordert selber zu spüren und selber zu denken.
    Gruß
    Konstantin

  • Avatar Felix

    Lieber Konstantin,

    Ich schätze die Anastasia-Bücher sehr, bin nicht auf der Suche nach einer entstehenden Sekte oder dergleichen. Dennoch lässt auch mich diesen Thema nicht los.

    Nach allem, was wir aus den Anastasia-Büchern erfahren, liebt Anastasia Wladimir und bleibt ihm treu.
    Es wird so dargestellt, als wenn sie nur zwei Mal in ihrem Leben mit einem Mann intim wird, nämlich mit Wladimir und jedes Mal wird dabei ein Kind gezeugt.
    Anastasia kennt den Wechsel der Liebespartner nicht aus eigener Erfahrung, weder Verhütung noch die Suche nach sich selbst und dem anderen durch die körperliche Liebe.

    Ihre folgenden Aussagen im ersten Band passen auch gut zu diesem vermittelten Bild ihres Liebeslebens.
    In der überarbeiteten Auflage von 2013 des ersten Buches steht auf Seite 73 bis 74:

    «Also, einfach nur so Sex zu haben ist deiner Ansicht nach schlecht?»
    «Sehr schlecht. Es führt die Menschen von der Wahrheit weg und zerstört die Familie. Eine Unmenge an Energie wird auf diese Weise verschwendet.»

    «Was hast du getan, Anastasia? Bin ich jetzt … bin ich etwa impotent?»
    «Im Gegenteil. Erst jetzt bist du ein richtiger Mann geworden. Nur wird der gewöhnliche Sex dich jetzt abstoßen. Er wird dir nicht das geben können, was du jetzt erlebt hast. Eine solche Erfahrung ist nur dann möglich, wenn du dir von der Frau ein Kind wünschst und wenn die Frau den gleichen Wunsch hat – mit anderen Worten, wenn sie dich liebt.»
    «… sie dich liebt? Unter solchen Bedingungen kann es nur ein paar Mal im Leben vorkommen.»
    «Das ist aber ausreichend, um ein ganzes Leben glücklich zu sein. Glaube mir, Wladimir, eines Tages wirst du das verstehen. Die Men­schen gehen die Verbindung mit dem anderen Geschlecht nur auf der körperlichen Ebene ein, und das immer wieder. Sie wissen nicht, dass man auf diese Weise keine wahre Befriedigung finden kann. Andererseits können ein Mann und eine Frau, die auf allen Ebenen des Lebens vereint sind, wie auf einer Welle lichter Verzückung die große Befriedigung erfahren, vorausgesetzt, sie sind vom Wunsch nach gemeinsamem Erschaffen getrieben. Der Schöpfer hat dieses Erleben allein dem Menschen vorbehalten. Solche Zufriedenheit, solches Glück ist nicht von kurzer Dauer und mit den flüchtigen leiblichen Freuden nicht zu vergleichen. Alle Ebenen des Daseins werden diese Empfindungen aufnehmen und bewahren und dich und die Frau glücklich machen, und sie wird in der Lage sein, ein Kind zu gebären, das dem Schöpfer ebenbürtig ist.»

    Hier geht es nicht um eine mangelhafte Übersetzung und auch nicht darum, dass Wladimir das nicht so gut verstehen kann.

    Diese Aussagen sind ziemlich eindeutig und da sind ein paar Details in der Übersetzung nicht maßgeblich. Mir und ich denke auch dir sind schon einige Menschen begegnet, die das sehr ernst genommen haben, was wir hier von Anastasia erfahren. (Ich habe es ja selbst eine Weile lang sehr ernst genommen).

    Doch diese Vorstellung, sich praktisch nur für den Akt der Schöpfung eines Kindes mit dem anderen Geschlecht zu verbinden, halte ich für problematisch oder zumindest in absehbarer Zeit für irreführend. Zum Glück hat mich die Natur meines Körpers schließlich mit einem unwiderstehlichen Sog zu meiner Freundin gezogen und vieles konnte erkannt und geheilt werden, ohne dass dafür ein Kind gezeugt werden musste. Zum Glück habe ich diese Vorstellung, die durch die Anastasia-Bücher erzeugt wurde, nicht mehr so ernst genommen.
    Ich muss aber auch sagen, dass der Wunsch, bis zur Hochzeit und Zeugung zu warten, auch sehr gut war. Viele alte Anhänglichkeiten, ein Teil der körperlichen Süchte, Ängste und Schwächen konnten so überwunden werden. Ich bin Anastasia also auch wiederum dankbar für ihre Aussagen über die körperliche Liebe.

    Vielleicht wird es eines fernen Tages tatsächlich so sein, dass sich Mann und Frau so sehr auf feinstoffliche Weise nähren und bereichern können, ohne die vollständige körperliche Vereinigung. Diese wäre dann tatsächlich als absoluter Höhepunkt der Harmonie zwischen den beiden Polen nur für den Akt der Zeugung vorbehalten. Das wäre vorstellbar, aber ob die Entwicklung des Menschen wirklich an diesen Punkt führt?

    *****
    Kommentar von Konstantin:

    Hallo Felix,

    es ist für mich immer wieder interessant, wie unterschiedlich Menschen ein und die selbe Information wahrnehmen und verstehen können. Ich habe nirgends aus den Anastasia-Büchern herausgelesen, das Sex nur dem Kinder zeugen vorbehalten sei. Ich habe vielmehr sehr große Schwierigkeiten damit andere Menschen zu verstehen, die es so lesen. Und ob Anastasia selber es bei sich so handhabt ist mir diesbezüglich egal. Sie ist für mich kein Vorbild sondern vielmehr eine Quelle an Inspirationen. Außerdem lese ich in den Büchern, daß sie gerne eine nähere Liebesbeziehung mit Vladimir hätte und es leider nicht bekommt, weil der Lebensstil der beiden zu unterschiedlich ist.

    Die von Dir wiedergegebenen Zitate stelle ich mal so zusammen und markiere einzelne Worte in fett:
    „Also, einfach nur so Sex zu haben ist deiner Ansicht nach schlecht?“
    „Die Men­schen gehen die Verbindung mit dem anderen Geschlecht nur auf der körperlichen Ebene ein, und das immer wieder.“

    Ich lese daraus, daß es wohl Menschen gibt, die ihr Herz und ihre Seele verschlossen halten während sie ihre Körper ineinander stecken, sie aneinander reiben, und angebliche „Höhepunkte“ erleben. So ein Verhalten kann ich mir fast nicht vorstellen. Ich war vor einiger Zeit sehr verwundert als ich den Fachbegriff ‚Demisexualität‘ kennenlernte. Hier die Definition: „Demisexualität ist eine sexuelle Orientierung, bei der nur dann eine sexuelle Anziehung empfunden werden kann, wenn vorher eine tiefe emotionale Bindung zu jemandem aufgebaut wurde.“ (weitere Infos dazu hier: https://www.bedeutungonline.de/demisexualitaet/ )

    Ich finde es als gesund und natürlich zuerst eine innere Beziehung aufzubauen bevor man sexuelle Attraktivität wahrnimmt, geschweige denn, daß man Sex miteinander hat, gehe aber dabei von mir aus. Anscheinend sind viele Menschen anders geprägt.

    Ich bin so frei ganz offen zu schreiben: Ein mal in meinem Leben war ich bei einer Prostituierten. Es ist grob 20 Jahre her. Ich wollte wissen, wie das ist. Und da mein Herz keine Liebe zu ihr fühlte (woher auch, ich kannte sie ja gar nicht), wurde mein Glied nicht steif. Körperliche Vereinigung, bzw. Sex, war schlicht nicht möglich. Sie war verwirrt. Ich fand das völlig normal und wunderte mich andererseits, daß sie nicht zuerst versucht hatte mit meinem Herz und meiner Seele Kontakt aufzunehmen. So ging einfach nichts. Trotzdem war diese Begegnung mir das Geld wert, weil ich die feste Verdrahtung von Herz und Seele mit meinem Körper deutlich erleben durfte.
    Von daher vermute ich, daß der Begriff ‚Demisexualität‘ gut zu mir passen dürfte. Herzloser Sex ist mir schlichtweg nicht vorstellbar. Und aus meiner subjektiven Situation heraus lese ich die Anastasiabücher eben mit meinem Wahrnehmungsfilter.

    Viele Grüße
    Konstantin

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