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Sonntag 19. April 2020

Corona: altersgerechtes Sterben?

 

Frage: Aber … die Sterberaten der CoViD-19-Toten sind doch ‚altersgerecht‘?

Ich weiss ja nicht, ob es ‚gerecht‘ ist wenn jemand ‚am Alter‘ stirbt, denn das muss ja nicht sein.

Dieses Argument war von Anfang an in verschiedenen Verkleidungen Diskussionsstoff in der Corona-Debatte: ‚es sterben ja nur die Alten und Kranken‘ hiess es da immer wieder. Ja, Hand aufs Herz: was denn sonst? Seit wann sterben denn ‚nur die jungen und gesunden‘? Das hatten wir tatsächlich schon mal, nämlich bei der sog. ‚Spani­schen Grippe‘, bei der vorwiegend jüngere blau anliefen, Atemnot bekamen und schliesslich oft qualvoll erstickten, so, wie jetzt viele Ältere an SARS‑2, weshalb dieses ja, wie SARS‑1, ‚Atemwegserkrankung‘ heisst. Und ohne Atem kein Leben. Und daher die verzweifelten Versuche, diese Menschen ‚invasiv‘ zu beatmen (6.1.1.1.1).

Und, auch das wird immer wieder genüsslich ausgewalzt: ‚an‘ der Beatmung sterben auch welche. Natürlich ist das bis auf ein paar seltene Pannen Quatsch, sie sterben unter der Beatmung, d.h. trotz Beatmung. Es gehört schon eine gehörige Unverfroren­heit dazu, zu unterstellen, ohne Beatmung sei es ihnen besser gegangen und sie lebten dann noch, also letztlich habe der Medizinbetrieb sie umgebracht. Ja letzteres gibt es auch, aber, bei der heutigen Rechtslage, was Schadenersatzklagen und Straf­verfahren wegen Körperverletzung oder (fahrlässiger) Tötung anbetrifft, eher nicht gerade absichtlich. Siehe die dramatische Verknappung von Hebammen, die sich wegen der Schadenersatzgefahr nicht mehr adäquat versichern können.

Jetzt ist eine biostatistische Arbeit aus Wien aufgetaucht, die für alle, denen ver­stehendes Lesen nicht in die Wiege gelegt und später auch nicht beigebracht wurde, als ‚Beleg‘ herhalten muss, dass COVID-19-Patienten statistisch alters­gerecht stürben (Martin Posch, Peter Bauer, Alexander Posch, Franz König: Erste Analysen österreichischer Covid-19 Sterbezahlen nach Alter und Geschlecht | Institut für Medizinische Statistik, Zentrum für Medizinische Statistik, Informatik und Intelligente Systeme, Medizinische Universität Wien). Darin steht u.a.:

[p. 6] „Vergleichen wir das Sterberisiko für COVID-19 Infizierte mit den normalen jährlichen Sterberaten für Österreich, sehen wir auch hier eine Übereinstimmung – das geschätzte Sterbe­risiko mit COVID-19 entspricht in etwa dem normalen Risiko innerhalb eines Jahres zu ver­sterben … Allerdings ist das Risiko nicht auf ein Jahr verteilt, sondern auf einen viel kürzeren Zeitraum konzentriert. Eine Ausnahme sind Kleinkinder, die ein viel geringeres Risiko haben an COVID-19 zu versterben.“

Frage: Macht es einen Unterschied, ob Oma und Opa zusammen mit 40 Nachbarn aus dem Pflegeheim während einer Kaffeefahrt im Bus im Tauerntunnel unter Schmerzen auf einen Schlag verbrennen, oder diese alle langsam, einer nach dem andern, fried­lich etwa jeden zehnten (!) Tag über ein Jahr verteilt verstürben? Und ob dabei genü­gend Pfleger und Pfarrer anwesend wären, und Kinder und Enkel ihnen die Hand halten und am offenen Sarg Abschied nehmen dürften??? Sonst könnte man ja jedes Jahr am 1.Januar durch die Strassen ein Rollkommando schicken: ‚alle 81-jährigen rrraustreten zur Erschiessung‘ und dann wär’s das für dieses Jahr mit der Sterblichkeit der ‚Alten‘, nicht wahr? Den Rest des Jahres könnte man das Leben wieder geniessen und müsste nicht befürchten, überraschend mit einer Todesnachricht konfrontiert zu werden und den schwarzen Anzug in die Reinigung tragen zu müssen. Irgendwie doch praktisch, diese Idee der Verharmloser, oder?

[p. 6] „Eine Frage, die diese Statistiken nicht beantworten können, ist, ob das Risiko durch COVID-19 ein zusätzliches Risiko ist, oder ob zum Großteil jene Menschen sterben, die in diesem Lebensjahr ohnehin verstorben wären. Wie viele Lebensjahre man (im Mittel) durch eine COVID-19 Infektion verliert ist unbekannt. Da aber viele schwer Kranke mit bereits verkürzter Lebenserwartung betroffen sind, scheint es naheliegend, dass der zusätzliche Effekt auf die allgemeine Lebenserwartung geringer ausfallen wird, als es aus den Mortalitätsraten alleine ableitbar wäre. … Daher mag langfristig der Verlust an Lebensjahren vielleicht eine relevan­tere Zahl als die Sterberate an sich sein. Kurzfristig, insbesondere um die gesellschaft­lichen Auswirkungen abschätzen zu können, sind die Sterberaten jedoch von großer Bedeutung.“

Hier geht es um sog. ‚Sterbetafeln‘, die z.B. für die Kalkulation der sog. Todesfall­prämie von Lebensversicherungen relevant sind; dass mehr Menschen früher sterben als ohne CoViD‑19, davon steht in der gesamten Arbeit kein ‚Sterbens‘-Wörtchen!

[p. 7] „Diese Schätzungen der Mortalität berücksichtigen nicht die mögliche Überlastung des Gesundheitssystems und die damit verbundenen indirekten Auswirkungen auf die Sterb­lichkeit auch bei anderen Krankheiten, wie etwa Herzinfarkten, Schlaganfällen oder Krebs, die nicht mehr entsprechend behandelt werden können. …  Daher sind umfassende Maßnahmen, um die Ausbreitung der Epidemie unter Kontrolle zu bringen essentiell, damit der Zusam­menbruch des Gesundheitssystems verhindert wird. Es ist schwierig, dabei auch die gesell­schaft­lichen und wirtschaftlichen Konsequenzen der Maßnahmen mit einzubeziehen, die ebenso medizinische Konsequenzen haben können.“

Die Autoren befürworten also letztlich die harten Massnahmen wie Ausgehverbot usw.

[p. 7/8] „Außerdem ist die Analyse der österreichischen Todesfälle eine Momentaufnahme einer Epidemie, die sich noch in der Anfangsphase befindet. Wenn junge Patienten mit schweren Verläufen in den Intensivstationen länger am Leben erhalten werden können als ältere, so sind diese in diesen frühen Statistiken unterrepräsentiert. Dann ist zu erwarten, dass sich die Altersverteilung noch verschieben wird. Verlässlicher als die Zahl der an COVID- 19 Verstor­benen ist, die Gesamtzahl der Todesfälle zu erheben. Es gibt dazu zwar noch keine aktuellen publizierten Daten aus Österreich, aber Berichte aus anderen Ländern, wie Italien und auch der Schweiz weisen darauf hin, dass die Todeszahlen im vergangenen Monat zumindest lokal über dem langjährigen Durchschnitt liegen. Inwieweit die Todesfälle tat­säch­lich Personen betreffen, die auch ohne COVID-19 in diesem Jahr verstorben wären, wird sich wohl in der Jahresstatistik zeigen.“ (Hervorhebungen von mir) – siehe auch Frage 3: Aber es ist doch noch gar keine Übersterblichkeit gegenüber Grippejahren nachweisbar?.

Man kann also hier wieder ersehen, dass von irgend­einem ‚auf Krawall gebürsteten‘ Autor ein Zitat völlig aus dem Zusammenhang gerissen wird und dann dieser eine Satz ins Gegenteil verkehrt wird, wonach diese Autoren be­haupten, die Krankheit CoViD sei ungefährlich, jedenfalls nicht tödlicher, als wenn man sie nicht hätte. Dass das so oft und mit sovielen ansonsten doch scheinbar gescheiten Lesern immer wieder funktio­niert, fasziniert mich. Mit was rechnen die denn dann, diese Statistiker, wenn nicht mit Toten, die auf das Konto von CoViD-19 gehen???

Nun fragen wir uns, ob ‚statistisch altersgerechtes‘ Sterben nicht geradezu die Norm ist? Sterben Raucher stets nach der ersten Zigarette, oder sterben nicht vielmehr eher ältere Menschen, und um so öfter, je länger sie geraucht haben? Sterben Raucher etwa nicht altersgerecht? Sterben Diabetiker, die die Zuckerkrankheit während ihres Lebens erst erworben haben (also wir reden nicht von angeborenem Diabetes I) nach dem ersten Zuckerwürfel, den sie assen, oder erst in vorgerücktem Alter, und zwar je älter, desto mehr? Sterben also Diabetiker nicht eher altersgerecht?

Was ist mit Herzkranken? Alle Olympiateilnehmer kehren im Sarg zurück, weil sie bei der Medaillen-Verleihung tot umfallen? Oder sterben auch diese (woran wohl – am Ende an Altersschwäche! – 6.1.1.1.2) nicht etwa ‚altersgerecht‘?

Es geht darum, dass sich das Leben durch Infektion mit dem SARS‑Co-Virus‑2 sta­tistisch verkürzt, genau das bedeutet der Satz ‚altersgerecht‘ versterben. Und zum Glück: sonst würden, wie bei der Grippe-Pandemie 1918-1920, Väter mitten im Er­werbs­leben aus Familien gerissen, siehe die vielen AIDS-Waisen in Afrika, deren Eltern eben nicht ‚altersgerecht‘ gestorben sind, und die nun von Grosseltern aufge­zogen werden, weil … ältere Menschen eher keinen und wenn dann keinen un­ge­schützten promisken Sex haben, so dass die jüngeren mit dem riskanteren Sexual­verhalten eben eher sterben, als deren Eltern.

Das ist ein epidemiologischer Fall von ‚nicht altersgerechtem‘ Tod. Auch das gibt es (z.B. Häufung von Unfällen bei Führerscheinanfängern!) und diese biostatistische Arbeit hat genau die Aufgabe, und mehr nicht, festzustellen, ob die Pandemie über die Verkürzung der statistischen Lebenserwartung hinaus, um wieviel Monate oder Jahre auch immer, noch weitere, noch bedrohlichere demographische Gefahren birgt.

Warum ist das wichtig? Weil … die meisten Industriestaaten Rentensysteme haben, die darauf beruhen, dass die noch Erwerbstätigen unmittelbar die Renten der nicht mehr erwerbs­tätigen Älteren oder Berufsunfähigen erwirtschaften. Wehe, die Pan­demie raffte aus­ge­rechnet Jüngere dahin und liesse die Älteren eher ungeschoren – dann wären die Alters­sicherungssysteme, aber auch das Gesundheitswesen, das ebenso von den Erwerbstätigen und nicht aus Rücklagen finanziert wird, insolvent und das hiesse, die gerade nochmal davongekommenen Alten würden nun am Ende, weil eher die Jüngeren wegsterben, verhungern, Szenarien, die, wenn wir uns nicht für eine weitere mögliche Pandemie endlich wappnen, immer noch eintreten können, siehe Abschnitt 4.1.1.

 

Dies ist ein Auszug aus dem Buch

Das Corona-Virus SARS-CoV-2 und die Atemwegserkrankung CoVid-19:

Bedeutung, Auswirkungen, Vorsorgemöglichkeiten, Verhalten und Zukunftsaussichten

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