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Dienstag 23. Juni 2020

Corona: Der Weg der Schweden?

 

Frage: Hat nicht Schweden den besseren Weg gewählt, indem es auf den ‚Lockdown‘ verzichtet?

Also erstmal muss ich klarstellen, dass ich nie einer allgemeinen Quarantäne das Wort geredet habe, denn hätte man frühzeitig dazu geraten, Masken zu tragen (statt davon abzuraten, weil man versäumt hatte, vorzusorgen und den mickrigen Rest dann auch noch wegschenkte), die Grenzen kontrolliert, Temperaturen gemessen, Verdachtsfälle in Quarantäne gesteckt, getestet und nur bei Virenfreiheit weiterreisen lassen, hätte man ausreichend und an geeigneten Stellen stichprobenartig, aber flächendeckend, ge­testet, um Infektionsherde zu erkennen, Infektionsketten zu verfolgen und zu isolieren, und damit unschädlich zu machen, sowie sofort Grossveranstaltungen verboten, so wäre es u.U. gelungen, schon im Januar 2020 die Verbreitung des Virus so zu ver­langsamen, dass man es mittler­weile (2020-06-20) hätte stoppen und so auf härtere Massnahmen hätte verzichten können. Dass dies nicht geschah, war bestimmt nicht irgendeinem teuflischen Plan geschuldet, dem sich noch dazu alle bisherigen Erzfeinde (China gegen USA, Russland gegen USA, Iran und Venezuela gegen USA, USA gegen EU usw., und Demokraten und Republikaner, eben noch in einem Ringen auf Leben und Tod um die Absetzung ihres Präsidenten befangen, reichen sich nun die Hand und lassen das von Demokraten regierte New York oder Kalifornien ausbluten, ebenso wie republikanische Bundesstaaten?) willigst unterordnen, um sich dabei zu ruinieren, ohne etwas zu gewinnen – nein: Vermute nie eine Verschwörung, wenn Dummheit als Erklärung hinreicht!

Wer hier aufmerksam die erste Version vom 01./02. März 2020 gelesen hat, weiss, was ich empfohlen habe (Schutzmasken selbst herstellen und bakterizid und viruzid ausrüsten) und dass zu dem Zeitpunkt WHO und die Politiker aller OECD-Staaten, die ‚reichen‘ Industrienationen also, von Masken sogar abgeraten und ein paar Tage später behauptet (richtig: gelogen) haben, man habe das ja nicht kommen sehen – als ob es nicht spätestens seit dem WHO-Abschlussbericht 2006 zur Bewäl­tigung der SARS-Pandemie 2004 klare Hinweise und Vorschriften für entsprechende Pandemie­pläne gegeben hätte. Ich hoffe, dass diese Versäumnisse und Schutz­be­haupt­ungen, ja, die anfängliche Sabotage (!) seitens vieler von ihrem Ressort her ver­antwortlichen Politiker noch Auswirkungen haben werden (parlamentarische Unter­such­ungs­aus­schüsse und Strafverfahren). Demonstrationen, bei denen das Virus weiter verbreitet wird, beeindrucken weder die verantwortlichen Politiker noch ändern sie irgendetwas; anders als, vom Potential her, dieses Buch.

Fakten gefällig? Die wirtschaftlichen Aktivitäten in China haben sich, auch nachdem die Quarantänemassnahmen aufgehoben wurden, nicht wirklich erholt, sondern stagnieren bei gut gerade mal der Hälfte des Niveaus vor dem Ausbruch:

image

Abbildung 7: Wirtschaftlicher Einbruch in China auch nach den Lockerungen

Nun könnte man meinen, und das sagen viele, die aus ihrem Lehnstuhl besser wissen, was die Schweden alles ‚richtig‘ gemacht hätten, dass man harte Quaran­täne­mass­nahmen, Schulschliessungen usw. hätte vermeiden sollen.

Das ist aber insofern ein Trugschluss, als Schwedens Kultur und die Mentalität der Schweden anders sind, als in weniger nördlichen Ländern, es ist ein sog. ‚Ab­stands­land‘ und dort verhalten sich die Menschen schon von vornherein distan­zierter, genau­so, wie man in asiatischen Ländern gewohnt ist, in jeder Grippe‑ und Erkältungssaison Atemmasken zu tragen, das gehört dort ganzjährig zum Strassenbild, und daher dort der Ausbreitungsfaktor R0 (zum Glück! – sonst hätte der Rest der Welt noch schneller das Corona-Virus flächendeckend ‚geschenkt‘ bekom­men!) von vornherein niedriger war.

Die Schweden waren daher von vornherein (etwas) weniger gefährdet, als z.B. Spanier. Hat dagegen die schwedische Methode, mit Ausnahme von Warnungen an die Bevölkerung, alles weiterlaufen zu lassen, wie bisher (z.B. keine Schul­schliess­ungen, Restaurants und Cafés geöffnet u.a.m.) den Schweden einen wirtschaftlichen Vorteil und Vorsprung beschert?

Wohl eher nicht:

Auch in Schweden gingen die Umsätze in der Gastronomie um 70% zurück, mit der Folge, dass sich die wirtschaftlichen Folgen, zumindest für Gastronomen, in Schwe­den kaum von denen in Dänemark unterschieden:

Abbildung 8: Vergleich Umsatz Gastronomie Schweden vs. Dänemark

Es sind letztlich die individuellen Entscheidungen der Einwohner und weniger die Zwangsmassnahmen, die die Wirtschaftseinbrüche bedingen. Der Unterschied also? Im einen Land leben die Einsichtigen und verhalten sich genauso, wie dort, wo man sie zwingt, nur dort, wo man gezwungen wird, schreien ein paar ganz laut, dass man doch bitte es so machen solle, wie dort, wo die Menschen von sich aus … dasselbe tun.

Der zweite Unterschied: bei Grossveranstaltungen, wie Demonstrationen gegen die Zwangsmassnahmen, stecken sich mehr an und gefährden mehr Dritte, als in Ländern, in denen mehr Einsichtsfähigkeit herrscht. Na, einen Unterschied muss es ja aus­machen …

Die obigen Grafiken stammen aus dem Video „Covid-19: why the economy could fare worse than you think | The Economist“ – in dem es im Übrigen darum geht, dass, mit oder ohne Lockdown, die eigentlichen wirtschaftlichen Schwierigkeiten und Spät‑ und Langfristfolgen sich erst herauskristallisieren werden, nachdem die massiven Staatshilfen enden oder drastisch zurückgefahren werden (vgl. die dort geschilderten Kettenreaktionen). Zumal durch reines Geld­drucken keine Werte geschaffen oder auch nur erhalten werden können. Mehr dazu in den nächsten Versionen im Kapitel 7: „Politische und wirtschaftliche Aus­wirkungen“, in dem ich auch einen Ausblick über die nächsten ca. zwei Jahrzehnte geben werde.

Nehmen wir nun an, dass, nach den anfänglichen Scheinerfolgen, die schwedische Wirtschaft in genau denselben Abwärtsstrudel gezogen werden dürfte, weil global genauso vernetzt, wie der Rest der Weltwirtschaft, was wäre dort gewonnen? Wenig bis nichts: Stand heute (2020-06-20) sind in Schweden schon 500 Tote pro einer Million Einwohner zu beklagen, während Deutschland ein Fünftel (107), Österreich ein Sechstel (76), die Schweiz weniger als die Hälfte (226 – dort war aber das Tessin Einfallstor für die Infektionswelle aus Italien), China weniger als ein Hundertstel (3 – auch wenn China etwas Propaganda treibt – wären es relativ es soviele Tote wie in Schweden … das Verschwinden einer ganzen Grossstadt wäre bestimmt aufgefallen, oder?) und, was soll ich sagen, Schweden ist in einer Liga mit Italien (572) und Spanien (606), während seine von Mentalität her vergleichbaren skandinavischen Nachbarn Norwegen mit einem Zehntel (45) bzw. Dänemark einem Fünftel (104) Toten pro einer Million Einwohner aufwarten. Dabei muss man aber Dänemark wie Deutsch­land zugutehalten, dass sie bezüglich anderer der genannten Demographien Transit­länder darstellen und daher von Natur aus schon höhere Infektionszahlen erwarten dürfen – etwas, das Schweden nicht von sich behaupten darf.

Noch ist ja nicht aller Tage Abend, und die Bewertung solcher Abwägungen (Wirtschaft gegen Leben) muss immer subjektiv ausfallen, denn Menschenleben kann (oder sollte) man nicht in Tauscheinheiten bewerten, aber wenn, wie es für mich den Anschein hat, Schweden mit seiner Laissez-faire-Politik auf die nächsten zwei Jahre betrachtet prak­tisch nichts gewinnt, bis dahin aber ein Mehrfaches an Toten zu beklagen haben wird (die ja ihrerseits dem Wirtschaftskreislauf entzogen werden – mindestens als Kon­su­menten, die Älteren, aber zu bestimmt einem Drittel auch als Produzenten!), dann war das Ganze eine makabre Milchmädchenrechnung mit tödlichen Folgen.

 

Dies ist ein Auszug aus dem Buch

Das Corona-Virus SARS-CoV-2 und die Atemwegserkrankung CoVid-19:

Bedeutung, Auswirkungen, Vorsorgemöglichkeiten, Verhalten und Zukunftsaussichten

dessen jeweils neueste Version Sie immer auf dieser Webseite

https://www.waldgartendorf.de/wegweiser/

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