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Montag 1. Juni 2020

hoher Boden schräg für Dadant Beute

Im Gespräch mit meinem Freund Bernhard Heuvel haben wir gefachsimpelt welche Art an Flugloch, bzw. Boden einer Bienenbeute günstig oder gar optimal ist. Er selbst, als Erwerbsimker mit mehreren hundert Bienenvölkern, ist mit seinen Bienen immer mal wieder am wandern. Dabei ist die Gefahr durch Überhitzung bei Aufregung groß. Deshalb hat er offene Gitterböden. Ich mag lieber geschlossene Böden, was auch günstig ist, weil dann die Bienen das Klima des Hohlraumes besser regulieren können. Mich störte schon lange das Sichern gegen Mäuse im Herbst.

Interessant sind die Beobachtungen des Bienenforschers T.D. Seeley, Text von Bernhard Heuvel:

In der Natur besiedeln die Bienen vor allem Baumhöhlen, die von einem Pilz ausgeformt wurden, der den Baum anfällt. Die oft zitierten Spechthöhlen sind überhaupt nicht geeignet, wegen eines zu geringen Volumens, wegen der zu großen Öffnung, die auch noch im oberen Drittel des Nestes liegt.

Der Pilz frißt sich von einem abgestorbenen Ast aus über den Astknoten in den Baum – das ergibt die typischen „Augenlöcher“, also mehr oder weniger kreisrunde Löcher im Auge eines Astknotens. Der Pilz steigt dann im Stamm des Baumes mit dem Saftstrom des Baumes nach oben – weswegen das Flugloch auch meistens im unteren Drittel des Stammes liegt.

Augenfällig ist, daß es nur einen Eingang gibt. In der heutigen Architektur wird vor allem quergelüftet, es gibt meist eine Zuluft und eine Abluft­öffnung. Der Bien aber kommt mit einer Öffnung aus – so wie wir Menschen unsere eigenen Lungen auch nur über einen Mund mit frischer Luft füllen und CO2 und Atemfeuchte abführen.
[…]
Und so ist es auch beim Bien. Die Wandstärke des hohlen Baumstammes beträgt nach den Untersuchungen von Professor Seeley meist 10 cm – so lang ist auch der Tunnel, der das Flugloch bildet. Auf dieser Strecke begegnen sich kalte und warme Luft und tauschen die Wärme.
Dabei bewegt sich die kalte Luft, weil sie schwerer ist, am Boden des Tunnels in Richtung Hohlraum – dort fällt sie zunächst einmal nach unten in den Absatz. In einen Raum eintretende Luftströme schmiegen sich zunächst einmal an der Wand entlang (Der sogenannte Coandă­Effekt). Die kalte  Luft fällt nach unten in den hohen Boden, den der Grund der Baumhöhle bildet. Von dort wird sie nach oben mitgerissen, wenn die warme Luft aus dem Flugloch strömt, dabei erwärmt sie sich langsam, steigt in die Wabengassen, erreicht die Spitze der Baumhöhle – wo der Honig ist, der durch und durch erwärmt ist und steigt langsam wieder ab, um schließlich aus dem Flugloch zu entweichen.

Dieses Schwerkraftsystem ist mehr oder weniger selbstregulierend. Das Flugloch drosselt den Lüftungsstrom. Drosselt es zu stark, strömt weniger kalte Luft nach, das Innere der Baumhöhle erwärmt sich stärker, es kommt zu einem vermehrten Auftrieb und damit wieder zu einem erhöhten Tausch der Luft. Der Bien atmet!

Ich habe das bei isolierten und eingepackten Bienenbeuten mit nur einem Flugloch im Winter erlebt: Es gab einen warmen Ausatemstoß, darauf folgte kalte, nach innen strö­mende Luft. […]

Wichtig ist, daß die Abmessungen der Drosselung mehr oder weniger die Temperatur innen stark beeinflußt und eine entscheidende Rolle bei der „Atmung“ des Biens spielt.

Das ganze System funktioniert natürlich nur, weil die Baumhöhle stark isoliert ist, wobei es nicht die Wandstärke aus 10 cm soliden Holz entscheidend ist, sondern, daß der Baum meist noch lebendig und damit Saft führend ist! Der lebende Baum hat eine gewisse Eigenwärme und Frostschutzreaktion. […]

Der Tunnel hat noch eine andere Funktion: er fungiert wie eine Art Windfang.

Übertragung auf den Bienenstock:
Wie lassen sich nun diese Erkenntnisse auf den Bienenstock übertragen? Eine Wandstärke von 10 cm – zumal Saft führend – lassen sich nicht realisieren. […]

Zitat aus: http://www.immenfreunde.de/docs/Stockluft.pdf

Hier ein Diagramm einer idealisierten Baumhöhle mit Bienennest:

Bildquelle: https://slideplayer.com/slide/3460675/12/images/35/Diagram+of+a+Natural+Honey+Bee+Nest.jpg

Gut sichtbar ist die Position des Fluglochs: deutlich höher als der Boden der Höhle. Bei ca. 10 cm Länge des Flugloches entspricht die Tiefe der Kaltluftsenke ca. 10-12 cm (also der Abstand Unterkante Flugloch bis tiefste Stelle am Boden der Höhle).

Bernhard kam auf die Idee eines Hochbodens mit Windfang und leicht geneigtem Anflugbrett. Bienen landen gerne auf leicht geneigten Flächen und können sogar an Überhängen landen. Hier ist eine (englische) Webseite auf der es um das Landeverhalten der Honigbiene geht:
https://jeb.biologists.org/content/213/2/262

Bernhard hat Böden mit schrägen Anflugbrettern gebaut für vier Dadantbeuten, die gemeinsam auf einer Palette stehen.
Hier ein Film dazu:

Bei einem stationären Stand würde Bernhard keinen Gitterboden wählen. Das Lüften kann damit nicht von den Bienen gesteuert werden. Ein Gitterboden ist quasi eine Dauer-Zwangslüftung.

Der im Video vorgestellte Boden funktioniert, jedoch würde er das schräge Brett eher noch deutlich schräger montieren.

Derzeit käufliche Beutenböden haben fast immer eine sogenannte Varroaschublade oder einen Varroaschieber.
Damit kann man nach einer Behandlung gegen die Milben gut zählen wieviele Milben herunter gefallen sind.
Nun, sicher kann man das machen. Aber man kann nur die Milben zählen, die nicht mehr auf den Bienen sitzen. Und man sieht nicht die Milben, die in der Brut sitzen. Eine nur gelegentliche Kontrolle ist wenige aussagekräftig. Man müsste eigentlich täglich zählen wieviele Milben herunter gefallen sind und auch das ist nur ein Teil der Wahrheit. Und insgesamt erscheint es besser die Gesundheit zu stärken, gleich zu Beginn, als die Beobachtung einer Krankheit zu verbessern.

Aus all den Überlegungen ist nun folgende Konstruktion entstanden:

Die Seitenbretter fehlen noch:

Unten im 45° Winkel ist ein 3-Kantholz eingeklebt um eine Kältebrücke zu verhindern:

Der Eingang ist ein Schlitz von 7 mm Tiefe und 150 mm Breite. Er ist nur im waagerechten Brett herausgesägt. Dies schafft man durch eine Tischkreissäge bei der das Sägeblatt exakt 7 mm herausschaut und man die 45° Schräge auf dem Sägetisch langsam! hin und her bewegt bis der Flugschlitz fertig ist.

Das 45° schräg montierte Brett ist komplett plan.

In der Montagereihenfolge wird zuerst das waagerechte Brett mit dem Flugschlitz an das schräge Brett geleimt (wasserfest!) und verschraubt. Dann wird das schräge Brett an den Boden geleimt / geschraubt, dann die Rückwand und dann die Seitenwände:

Blick von außen in den Windfang mit Schlitz am oberen Ende:

Die Bretter sind aus 3-Schicht-Fichtenholz, 19 mm stark mit folgenden Maßen:

Bodenbrett: 45,4 x 46,2 cm (eine Kante 45° abgeschrägt)
hinteres Brett: 12 x 46,2 cm
Schräge: 17 x 46,2 cm (eine Kante 45° abgeschrägt)
flaches Brett: 12 x 46,2 cm (eine Kante 45° abgeschrägt plus Aussparung auf der Schräge mit 7 mm  x 15 cm)
2 Seitenbretter: 12 x 50 cm

So sieht das dann im praktischen Einsatz aus:

Ein Bienenschwarm läuft in die Beute ein. Die Hauptmasse der Bienen ist schnell im „Windfang“. Der komplette Einzug durch den schmalen Schlitz dauert etwas:

Auffälliges Verhalten: Anfliegende Bienen landen meist auf der Schräge im Windfang. Die ausfliegenden Bienen laufen überkopf vom Schlitz bis nach vorne zur Kante und starten dann den Flug:

Die aufgesetzte Brutraumzarge ist im Maß ‚Dadant nach Beer‘ der Firma Bienen-Ruck und hat ein Außenmaß von 51,5 x 51,5 cm. Der Boden ist etwas kleiner und hat 50 x 50 cm. Beides wird noch lackiert. Genau gesagt wird ein baugleicher Boden und eine weitere Brutraumzarge lackiert. Nach dem Aushärten der Farbe wird das Bienenvolk dann umgesetzt wobei der Standort gleich bleibt. Die nicht lackierte Version ist nur im Einsatz weil unerwartet ein Schwarm auftauchte, der umgehend eine Wohnung brauchte. Idealerweise baut man Bienenwohnungen im Winter und ist dann im Frühjahr fertig vorbereitet. Der schräge Windfang ist mit einem großen Anflugbrett erweitert wobei die im Bild sichtbare Konstruktion aus mehrerern Brettern mir nicht so gut gefällt wegen den doch eher großen Abständen zwischen den einzelnen Brettern. Ich habe jetzt ein größeres Sperrholzbrett im Einsatz (das bis auf den Boden geht).

Wichtig ist, daß zwischen dem waagerechten Brett und der Unterseite der Rähmchen der beespace eingehalten wird (8 mm +/- 2 mm). Bei der Brutraumzarge von Bienen-Ruck ist dies gegeben. Diese Zarge wird derart auf den Boden gestellt, das die Rähmchen 90° gedreht zum Flugschlitz stehen (sogenannter Kaltbau). Somit können die Bienen von dem Schlitz direkt auf alle zentralen Waben des Brutnestes klettern. Sofern im Winter einige Bienen sterben und von den Waben herunter fallen (sogenannter Totenfall) stellt dies kein Problem dar, weil der hohen Boden viel Platz bietet bevor der Flugschlitz verstopft sein könnte. Wenn das Flugloch bodeneben (also ohne hohen Boden) angelegt kann Totenfall den Ausgang verstopfen. Dabei kann das Volk sterben (siehe auch hier Absatz 6 und 7).

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