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Freitag 4. September 2020

Resilienz (Widerstandfähigkeit) am Beispiel der russischen Ökonomie

Heute Vormittag erschien ein Artikel in der Onlineausgabe der WELT mit dem Titel:

Putins Resilienz macht Russland immun gegen die Strafen des Westens

Interessanterweise steht diese Überschrift inkl. dem Begriff „Resilienz“ in dem Weblink sowie im html-Titel aber nicht (mehr?) als sichtbare Überschrift des Artikels. Dort steht aktuell:

Putins Schatz macht Russland immun gegen die Strafen des Westens

Vielleicht hat irgendeiner in der Redaktion gemeint, das Wort „Resilienz“ verstehen zu wenige Leser und das Wort „Schatz“, klingt in diesem Zusammenhang schon fast nach Gollums Spruch „Mein Schatz …“ im Roman Herr der Ringe.

Resilienz bedeutet je nach Zusammenhang: Widerstandsfähigkeit, Ausfallsicherheit, Nachhaltigkeit, Fähigkeit Störungen zu verkraften.
Resilienz ist eine zentrale Eigenschaft von Permakultursystemen.

siehe auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Resilienz

Wenngleich die Zeitung WELT zur Hofberichterstattung (wie alle anderen unseriösen Massenmedien auch) gehört, so ist der Artikel trotzdem interessant. Denn der Artikel war zuerst frei zu lesen und dann verschwand er plötzlich hinter einer Bezahlschranke. Gut dass es Google-Cache sowie Internetarchive gibt.

So ist der Artikel weiterhin für jeden kostenfrei zu lesen:

https://archive.is/aJzn0

In dem Text wird kleinlaut eingestanden, daß Russland (bzw. Putin) weitaus bessere ökonomische Entscheidungen getroffen hat und derzeit praktisch unangreifbar geworden ist. Da es aber zur derzeitigen Hofberichterstattung gehört gegen Russland zu sein windet sich der Schreiberling derart witzig um doch Russland schlecht da stehen zu lassen. Ich zitiere ein paar Passagen:

Der Auftakt:

Russland hat ausgerechnet in der Krise Devisenreserven in Rekordhöhe angehäuft. Dass Putin jahrelang gespart hat, zahlt sich nun aus und lässt westliche Apokalyptiker verstummen. Doch der restriktive Kurs hat einen hohen Preis.

Da fragt sich der Leser, welcher „hohe Preis“ denn gezahlt wird und vom wem.
In der Überlegung neuer Sanktionen gegen Russland wird geschrieben:

Sie [die Statistik] zeigt, dass Russlands Kriegskasse prall gefüllt ist und das Land finanziell nicht so leicht in die Knie gezwungen werden kann.

Die Wortwahl „Kriegskasse“ ist typische Anti-Russland-Hetze der Hofberichterstattung. Wem es noch nicht aufgefallen ist: Die Nato wandert immer mehr gen Osten und zeigt sich aggressiv gegen Russland. Russland selbst ist überwiegend passiv, in sich ruhend. Wenn, dann wäre das Wort „Verteidigungskasse“ passend gewesen.

Der russische Präsident Wladimir Putin hat es offensichtlich geschafft, sich zumindest finanziell gegen den Westen zu wappnen.

Diese Formulierung entlarvt das Interesse des Westens Russland anzugreifen bzw. in die Knie zwingen zu wollen. Wieso sollte sich Russland sonst „gegen den Westen wappnen“?

„Als Anfang 2015 der Wert der Reserven auf einen Tiefststand von 350 Milliarden Dollar sank, wurde vorhergesagt, dass das Land bis Ende des Jahres finanziell ruiniert sein würde“, erinnert Weafer. Doch es sei anders gekommen.
Die russische Resilienz ist maßgeblich das Ergebnis der Wirtschaftspolitik von Putin. In den vergangenen zwei Jahrzehnten hat er gezeigt, dass er einige sehr grundlegende Prinzipien oder Überzeugungen vertritt, wenn es um Ökonomie geht.

Nun, ein wahrer Staatsmann ist jener, der gerade in einer schwierigen bis ausweglosen Lage Wege findet, so das es wieder gut wird. Putin hat dies anscheinend geschafft.

Direkt der folgende Satz lässt aufhorchen:

Eine davon ist, dass er hohe Schulden ablehnt und es vorzieht, über finanzielle Reserven zu verfügen.

Tja, was sagt man dazu: Putin lehnt hohe Schulden ab und zieht es darüber hinaus noch vor über Reserven zu verfügen?? Ja, das geht aber gaaar nicht, man muss doch Schulden, Schulden, Schulden machen….. zumindest machen die hiesigen Politiker diesen Eindruck und wohl auch dieses Verhalten.

Und dann geht es in dem Artikel schwer gegen Gold:

Gleichzeitig ordnete er [Putin] eine Umschichtung der Devisenreserven an, raus aus dem Dollar und rein in Gold, um sich unabhängiger vom Westen zu machen.

Oh je, der arme Dollar, die armen Amis. Jetzt mag der pöse Putin einfach keine (praktisch wertlosen) US-Dollars mehr… bäh bäh… und dann will der reales Gold, physisches Gold!!!??? Was will der denn mit Realität? Die Zukunft liegt doch angeblich (laut dem Westen) in künstlicher Intelligenz und virtueller Realität!

Wir neigen uns dem Ende des Artikels und fragen uns immer noch nach dem „hohen Preis“ und wer diesen zahlen solle. Dies sind die letzten Zeilen:

Ein hoher Anteil an Gold ist nicht ohne Risiko. So lässt sich das Edelmetall im Notfall nicht so schnell in Liquidität umwandeln.

Oh wie schlimm! Vielleicht ist es sogar ein Vorteil. Denn im Notfall macht man leicht Flüchtigkeitsfehler und wenn man dann virtuelles Geld rausgeworfen hat und es bereut ist es weg. Physisches Gold im Tresor hat eine gewisse Massenträgheit. Die kommen nicht schnell weg. Gut so.

Schauen wir weiter welcher ‚Preis‘ gezahlt werden muss:

Und Putins Wirtschaftspolitik hat noch einen weiteren Haken. Die solide Finanzpolitik musste teilweise die heimische Bevölkerung ausbaden. Westliche Importe wurden einfach durch heimische Produkte ersetzt.

Oh wie schlimm! Da werden durch Konsum regionaler Produkte die regionalen Betriebe unterstützt. Die armen Russen können keine Äpfel aus Neuseeland essen und kein Mineralwasser aus Italien. Selbst deutsche Kartoffeln sind nicht drin. Mist, die bauen einfach alles selber an auf ihren Datschen und ihren Familienlandsitzen. Und über das Essen hinaus haben die Russen wohl noch Arbeitsplätze, weil die heimische Bevölkerung auch zu Hause einkauft.

Somit kommen wir zum letzten, meiner Ansicht nach vollkommen peinlichen „Preis“, der zu zahlen ist:

Das Wirtschaftswachstum ließ nur wenig Wohlstandszuwachs zu. Und so kann der Westen in den Verhandlungen als einziges Druckmittel auf Unzufriedenheit der heimischen Bevölkerung setzen.

Wer bitte hat schon mal erlebt das durch Wirtschaftswachstum der Wohlstand zu nimmt? Wenn man immer öfter einen Autounfall hat fördert dies das Wirtschaftswachstum, aber nicht den Wohlstand! Und auf Unzufriedenheit der Russen zu setzen ist sowas von abgrundtief dumm, das kann nur westlichen Politberatern einfallen die noch nicht verstanden haben, daß Hightech nicht glücklich macht.

Gärtnern macht glücklich! Putin weiß das. Russen wissen das.

Es gibt ein weiteres grundlegendes Prinzip, wenn es um Ökonomie geht: Man solle von den Erfolgreichen lernen.
Konkret wäre es gut von Russland zu lernen: Möglichst keine Schulden haben sondern finanzielle Reserven und noch dazu Familienlandsitzsiedlungen damit gesunde und glückliche Menschen auch in Deutschland leben werden.

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