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Freitag 9. September 2022

minimale Gruppengröße für autarkes Leben

Seit Jahrzehnten beschäftige ich mich mit den Themen Autarkie und Selbstversorgung. Ganz kurz formuliert kann man dies bezeichnen als: „Versorgung aus eigenen Ressourcen“. Etwas ausführlicher bezeichnet: „Autarkie ist die wirtschaftliche Unabhängigkeit eines Privathaushalts, einer Region oder eines Staates durch die vollständige oder teilweise Selbstversorgung mit Gütern und Dienstleistungen.“

Dieses Thema interessiert immer mehr Menschen, insbesondere sobald die Abhängigkeit von Lieferanten als nicht zufriedenstellend empfunden wird. Dies wird gefördert durch hohe Preise bei den Lieferanten (aktuell z.B.: Benzin, Diesel, Gas), durch mangelnde Qualität des Angebotes (z.B.: Gifte in Lebensmitteln) oder durch die Sorge, daß die Lieferung ausbleibt (z.B.: Strom-Blackout).

Die Anastasia-Bücher, in denen beschrieben ist, daß eine Familie einen Hektar Land brauche, um davon leben zu können, begünstigen die Sehnsucht nach autarkem Leben. Auch die Bücher mit dem Thema Permakultur fördern die Vorstellung von autarkem Leben.

Öfters bekomme ich Anfragen an Menschen, die gerne autark leben wollen – am besten in einer Selbstversorger-Gemeinschaft.

So sehr ich das Bestreben der Menschen wertschätze, so unrealistisch sind oft die Ansichten. Öfters wird mit ‚Selbstversorgung‘ nur die Nahrung gemeint. Sicher ist die Versorgung mit qualitativen, regionalen und frischen Lebensmitteln sehr wertvoll. Menschen brauchen jedoch weit weit weit weit weit mehr als nur etwas zu essen.

Wenn sich Einzelne oder kleine Grüppchen von ‚Aussteigern‘ irgendwo in die Pampa zurück ziehen um autark leben zu wollen entstehen quasi automatisch physische Schwierigkeiten und im geistigen Bereich extreme Ansichten.

Als Autarkie wird nämlich nicht nur verstanden, alles herstellen zu können was man braucht, sondern auch, mit dem zufrieden zu sein, was man herstellen kann. Wenn die Gruppengröße jedoch klein ist, dann kann man nur wenig herstellen, und muß extrem bescheiden leben. Eine Gruppe von ideologisch fest verankerten Erwachsenen kann dies eine Zeit lang umsetzen. Spätestens jedoch, wenn Nachwuchs gedeiht, ändert sich die Lage. Denn Kinder wollen die Welt auch kennenlernen und selber herausfinden, was ihnen gefällt.

Es ist mehr als üblich, das die Nachfahren von Öko-Landkommunen und anderen Aussteigerprojekten das nicht weiterführen was die Eltern aufgebaut haben. Damit ist offensichtlich, daß kleine Autarkie-Projekte nicht nachhaltig sind und es nicht einmal sein können.

Daher ist es auch verständlich, wenn in der Presse (Frankfurter Rundschau vor ein paar Tagen) gewarnt wird vor „Aussteiger-Projekten mit abgeschotteten sozialen Räumen, die Radikalisierungsprozesse befördern können.“ (Dies trifft meiner Ansicht nach mehr auf Ghettos in Städten zu als auf Land-Projekte) Allerdings kann ich bei Journalisten leider nicht erkennen, daß sie neutral und sachlich von sogenannten ‚Aussteigern‘ berichten wollen, es womöglich gar nicht können. Deshalb machen sie eher Stimmungsmache gegen das was ihnen fremd ist.

Wie groß muss nun eine Gruppe sein, die autark leben will OHNE ins Extreme, Ideologische, Radikale abzudriften?

Meine Antwort mag überraschen:
Ich schätze die minimale Gruppengröße auf 1 Million Menschen!

Sicher ist es anzustreben, daß der einzelne Mensch, die einzelne Familie, ein Dorf, bei einem Zusammenbruch der üblichen Versorgung einige Wochen oder Monate ‚durchkommt‘. Doch das reine Überleben sollte nicht die alleinige langfristige Ausrichtung sein.

Wenn man nur bedenkt, daß es zum Bau einer simplen Hütte viele Bretter und Schrauben braucht dann kann man schnell erkennen, daß es für den Einzelnen fast unmöglich ist Bretter und Schrauben einfach so im Garten herzustellen (oder gar zu ernten). Ein Sägewerk, das Bretter herstellen kann, braucht wiederum weitere Zulieferer, beispielsweise Sägebänder und Strom. Auch sind Waldarbeiter nötig, die die Baumstämme liefern. Die wiederum benutzen Motorsägen und Rückewerkzeuge, die wiederum brauchen… (Ja, man kann auch mit der Axt Bäume fällen, doch auch eine Axt wächst nicht als Frucht an einem Baum…).

Um Schrauben herzustellen braucht es Metallgewinnung und Verarbeitung – und im längeren Zeithorizont auch Ausbildungsstätten sowie Ausbilder für Metallurgie (Verfahren zur Gewinnung und Verarbeitung von Metallen).

usw. usw. usw.

Selbst in einem „Selbstversorgerdorf“ mit 300 Menschen ist eine komplette und dauerhafte Selbstversorgung alleine schon mit Brettern und Schrauben nicht möglich. Das ist insofern nicht schlimm – außer man hat sich mit extremen ideologischen Gedanken so ein Ziel vorgenommen.

Was wirklich sinnvoll ist, kann man leicht beschreiben:

1.) Die Güter, die viel Gewicht auf die Waage bringen und noch dazu häufig gebraucht werden, beispielsweise Wasser und Grundnahrungsmittel, sollten möglichst kurze Wege zurück legen weil der Transport gewichtiger Güter viel Aufwand erfordert.

2.) Bei den häufig gebrauchten Gütern ist eine nah gelegene Selbstversorgung im Bereich von 80% vorteilhaft. So eine Quote hält den gesamten Transportaufwand gering und erlaubt gleichzeitig eine große Vielfalt im Angebot.

3.) Als Gruppengröße für eine 99%ige Autarkie möge man sich auf eine Region mit 1 Million Menschen ausrichten. Das bedeutet, man versucht nicht alles selber zu machen (was eh nicht geht), sondern man strebt danach ein wertvolles Mitglied der 1-Million-Mitmenschen-Region zu sein in der man lebt, ein Angebot für die 1-Million-Mitmenschen der Region zu bieten und mit dem zufrieden zu sein, was man in der 1-Million-Mitmenschen-Region bekommen kann.

***

Wer sich tiefer mit Gruppengrößen und insbesondere auch mit Architektur und Siedlungsplanung beschäftigen will, kann dieses Buch lesen:
„Eine Muster-Sprache“ von Hermann Czech, Christopher Alexander, Löcker Verlag (zuerst erschienen 1977)
Darin wird beispielsweise auf Seite 11 im Kapitel ‚Unabhängige Regionen‘ von 2 bis 10 Millionen Menschen geschrieben und empfohlen diese Größe nicht zu überschreiben damit die Menschen noch einen direkten Bezug zur Verwaltung und Regierung haben können.

5 comments to minimale Gruppengröße für autarkes Leben

  • Avatar Felix der Glückliche

    Vielen Dank für diesen wertvollen Denkanstoß, lieber Konstantin!!!
    Ich teile deine Ansichten, möchte allerdings folgendes präzisieren:
    Die Anzahl an Menschen, die es für eine vollständige Autarkie braucht, ist abhängig von den Bedürfnissen und dem Bewusstsein der Menschen, welche dieser Gruppe angehören.
    Wenn man gerne Computer, Autos, Flugzeuge und moderne Medizin in seinem Leben haben möchte, dann dürfte die Anzahl von einer Million Menschen nicht ausreichen. Wenn man so wenig braucht, wie Anastasia und auch ein solches Bewusstsein hat, dann kann man auch alleine vollkommen autark sein.

    Ich würde mal sagen, dass wir als „moderne Europäer“, selbst wenn wir vergleichsweise bewusst und bescheiden leben (also ohne Computer, Auto, Flugzeug und moderne Medizin), dann bräuchten wir tatsächlich dennoch eine Gesellschaft von Tausenden und Zehntausenden Menschen, um eine vollständige Autarkie zu erreichen und über Generationen aufrecht zu erhalten. Allerdings ist das im heutigen Europa nicht möglich.
    Den realistischsten Ansatz für den Aufbau einer solchen neuen autarken Gesellschaft sehe ich in Sibirien, östlich des Jenissei. Dort, in einem Gebiet von der Größe Österreichs lebt bereits ein Großteil der 50.000 Einwohner mehr oder weniger in Selbstversorgung mit Nahrung aus ihren Gärten und mit eigenen Brunnen. Dort siedelte sich mit der Gemeinschaft Vissarions die größte spirituelle Selbstversorgergemeinschaft der Welt an (etwa 3000 Mitglieder) und lädt nun alle friedliebenden schöpferischen Menschen ein, in dieses Gebiet zu ziehen, um eine neue internationale Gesellschaft aufzubauen. Sie nennen das den Weltfriedenspol. Millionen Menschen aus der ganzen Welt können dort hinziehen und unabhängig von ihrer geistigen Ausrichtung und gemeinsam im praktischen Tun eine neue Gesellschaft aufbauen. Dabei werden die Menschen lernen, trotz unterschiedlicher Vorstellungen miteinander in Frieden zu leben. Die Schule der Einigkeit der Menschheit durch das Leben selbst.

    *****
    Lieber Felix,
    selbst Anastasia lebt nicht völlig autark und könnte es auch nicht. Zum einen wurde sie begleitet von ihren Eltern (solange diese lebten), dann von ihrem Großvater sowie Urgroßvater (solange dieser lebte). Darüber hinaus brauchte sie die Begegnung mit Vladimir um schwanger zu werden und Nachwuchs zu bekommen. Auch benutzt sie (gelegentlich) übliche Kleider und auch Gummistiefel. Sicher könnte eine Gruppe mit einem Bewusstsein ähnlich dem von Anastasia sowie einer Lebensgewohnheit wie sie deutlich kleiner sein als eine Million Menschen um autark zu leben.
    Ich stimme zu, daß eine Million Menschen nicht ausreichen dürften für eine Gesellschaft wenn sie auch Flugzeuge und Computer haben will. Es ist jedoch die Frage ob man das Thema Autarkie so eng sieht, daß man nichts von dem hat was es außerhalb der Gruppe gibt oder ob man solches nicht braucht um zu leben.
    Auf jeden Fall sehe ich die Gruppengröße von 3000 (Gemeinschaft Vissarions) als deutlich zu klein an für eine dauerhafte autarke Gesellschaft. Womöglich kann so eine Gruppe viele Jahre autark (über)leben, aber eben nicht ewig.

    Dazu führe ich eine simple Berechnung bei: Angenommen jeder Mensch der Gemeinschaft wird 100 Jahre alt und jedes Alter ist gleichmäßig verteilt vorhanden. Dann gibt es bei einer Gruppengröße von 3000 Menschen jährlich 30 Geburten und 30 Todesfälle.
    Und, viel bedeutender für die Autarkie, man hat pro Jahrgang 30 Menschen. Bei gleichmäßiger Verteilung männlich/weiblich hat es daher pro Jahrgang 15 Menschen des anderen Geschlechts für die Partnerwahl. Wenn man akzeptiert, daß der Partner ein wenig anders im Alter sein kann als man selbst, dann sind es bei einer Bandbreite von 10 Jahren immerhin 150 Menschen, die zur Auswahl stehen.

    Ich finde 15 bis 150 Menschen als potentielle Partner als deutlich zu wenig. Bei einer Gruppengröße von 1 Million Menschen hat es immerhin 10.000 Menschen pro Jahrgang und 5.000 Menschen im gleichen Jahrgang und dem anderen Geschlecht. Bei einer Bandbreite von 10 Jahren sind das 50.000 Menschen innerhalb der man (hoffentlich) jemand passendes findet.

    So weit ich gehört habe von kleineren Sippen der Ureinwohner, beispielsweise im Regenwald, war das alltägliche Leben zwar „autark“, aber zur Partnersuche ging es raus aus der Sippe in andere Gefilde. Und das ist gut so. Nur sollte man diese Basis der Ewigkeit berücksichtigen wenn man an Autarkie denkt.

    Viele Grüße
    Konstantin

  • Avatar Felix

    Lieber Konstantin,

    Danke für deine kluge Antwort. Ich stimme dir zu, dass 3000 Menschen zu wenig sind auf Dauer. Einerseits kann man mit 3000 Menschen nicht ein solches kulturelles und vielseitiges Leben aufbauen, wie wir uns das heute wünschen würden und tatsächlich wären 3000 Menschen auch genetisch auf Dauer sehr wenig.

    Aber es bleibt ja nicht bei 3000 und die Gemeinschaft schottet sich keineswegs ab. In der ganzen Region leben zehntausende Menschen und es gibt Platz für Millionen. Einerseits ziehen immer mehr Menschen in die Region und andererseits ist die Geburtenrate vor allem in der Gemeinschaft selbst deutlich über 2 Kinder pro Frau. Hinzu kommt, das viele junge Paare und Familien in die Region ziehen. Im Moment werden 60 bis 100 Kinder pro Jahr in der Gemeinschaft geboren.

    Im Übrigen ist die wachsende Auswahl an möglichen Partnern heutzutage nicht zu einer höheren Quote an stabilen Partnerschaften geführt, womöglich ist diese schier „unbegrenzte Auswahl“ einer stabilen Partnerschaften sogar hinderlich.

    Viele Grüße
    Felix

    *****
    Lieber Felix,

    es kann gut sein, daß die Gemeinschaft rund um Vissarion mit ihren ca. 3000 Menschen und weiteren vielen tausenden Menschen rund herum in der Region ein Keim ist für eine autarke Region. Mir geht es nicht darum diese Gemeinschaft schlecht zu reden. Ich kenne sie ja gar nicht. Mir geht es darum darzulegen, daß es passend ist größer, richtig viel größer zu denken als zur zum Kartoffelacker hinterm Haus, wenn wir von Autarkie reden.

    Zum Thema Partnerwahl und zur Verfügung stehende Auswahl habe ich mich in meiner letzten Antwort nicht passend ausgedrückt. Ich schrieb im Beispiel von 30 Menschen pro Jahrgang und: „Bei gleichmäßiger Verteilung männlich/weiblich hat es daher pro Jahrgang 15 Menschen des anderen Geschlechts für die Partnerwahl.“

    Da muss ich ergänzen, daß ja nicht nur ein einzelner Mensch einen passenden Partner sucht sondern womöglich alle 30 anderen auch. Selbst wenn, wie genannt, 150 zur Auswahl stehen, so sind für diejenigen, die es etwas gemächlicher angehen, schnell schon 90% davon in anderweitigen Bindungen vergeben und man hat dann doch nur eine Handvoll möglicher Partner…

    Von daher habe ich weiterhin die Überzeugung, daß für eine nachhaltige Autarkie die Anzahl der Menschen eine deutliche Größe haben sollte, beispielsweise eine Million.

    Viele Grüße
    Konstantin

  • Avatar Felix

    Lieber Konstantin,

    Dein Argument der ausreichenden Gruppengröße für die Partnerwahl finde ich nicht stichhaltig.
    Und es braucht auch nicht 1 Millionen Menschen für eine vollkommene Autarkie.

    Als die Europäer Australien erreichten, lebten dort etwa 300.000 Aborigines, allerdings in etwa 250 „Nationen“ mit oft vollkommen unterschiedlichen Sprachen. Viele von diesen „Nationen“ hatten sich also Jahrhunderte bis Jahrtausende lang mehr oder weniger separat voneinander entwickelt. Die Aborigenes haben 40.000 Jahre autark in Australien gelebt. Das nenne ich „nachhaltig autark.“

    Wenn man mal von der genetischen Durchmischung absieht, konnte vor ein paar Jahrtausenden noch überall auf der Erde eine Gruppe von etwa 30 Menschen vollkommen autark leben.
    Und für eine ausreichende genetische Durchmischung (also „nachhaltig autark“) war auch eine „Nation“ von 100.000 Menschen oft für sehr lange Zeit ein mehr als ausreichend großer „Gen-Pool“.

    Dein Argument, dass die Gruppe möglichst groß sein sollte, damit auch jene, „die es etwas gemächlicher angehen“, noch eine größere Auswahl haben, ist aus meiner Sicht sentimental und hat für die Entwicklung der Menschheit oder die Autarkie einer bestimmten Gruppe keinerlei Bedeutung.

    Und nochmal:
    Hat die enorme Gruppengröße für die heutige Partnerwahl dazu geführt, dass heute ein höherer Anteil an Menschen lange stabile Partnerschaften hat?

    Könnten diese schier unendlichen Auswahlmöglichkeiten ein Faktor sein, der stabile Partnerschaften sogar erschwert?

    Liebe Grüße
    Felix

    *****
    Lieber Felix,

    mir scheint, Du hast meinen Artikel nicht gelesen oder nicht verstanden. Ich zitiere und hebe damit hervor:
    > Wie groß muss nun eine Gruppe sein, die autark leben will OHNE ins Extreme, Ideologische, Radikale abzudriften?

    Eine Gruppe von 30 Menschen soll autark leben können? Das ist nicht nur extrem, das ist ideologisch radikaler Irrsinn. Auch ein Vergleich mit Aborigines taugt nichts. Mir geht es um die Menschen von heute. Die wollen beispielsweise einen Kugelschreiber. Und wenn auch viele (sehr viele) Billigst-Werbe-Kugelschreiber seit Jahren aus China stammen, so waren die Chinesen bis vor kurzem darauf angewiesen die Kugeln (in der Spitze eines Kugelschreibers) zuzukaufen weil ganz China es nicht vermochte solche Präzisionsteile herzustellen. Nie und nimmer wird eine Gruppe von 30 Menschen qualitativ hochwertige Schreibgeräte jeglicher Art selber herstellen können. Sicher, es gibt den Gänsekiel und es gibt vielleicht auch Rezepte für Tinte. Aber dann wird es eng beim Herstellen von Papier… Und Tesafilm wär auch nicht schlecht… Und Gummistiefel… und einen Zahnarzt, … und Glasscheiben, … und und.

    Eine Gruppe von 30 Menschen mag einigermaßen autark im Punkt Ernährung sein. Aber Salz werden sie nicht gewinnen können, (außer an ganz wenigen Stellen der Erde). Mir ist ein Mann in Deutschland bekannt, der die Nahrungs-Selbstversorgung komplett extrem auf 100% getrieben hat – bis er wegen Natriummangel (hervorgerufen durch Salzmangel) praktisch bewegungsunfähig geworden ins Krankenhaus eingeliefert wurde!!

    Und die Versorgung mit Nahrung ist nur ein sehr kleiner Aspekt des menschlichen Seins. Kleidung ist schon weit schwieriger und Werkzeug erst recht… Wer macht schon Brennholz mit der Axt? Eine Säge wäre schon fein, gar eine Motorsäge? Das geht gar nicht bei 30 Leuten. Da geht auch keine Handsäge, so was wächst nicht als Frucht an einem Baum… Und selbst wenn bei den 30 Menschen ein Schmied dabei ist, mit den Feilen zum Schärfen des Blechs der Säge wird es eng. Und erst recht mit dem Eisenerz und der Verhüttung… ALL dies gehört zu einer Autarkie mit Werkzeug dazu! Bei 1 Million Menschen kann das funktionieren. Bei 30 Menschen nie und nimmer!

    Dein wiederholt angesprochenes Thema bzgl. dauerhaften Partnerschaften und „unendlichen Auswahlmöglichkeiten“ finde ich irreführend. Wer nach einer Entscheidung meint, jemand anderes könnte besser sein, versteht nicht den Sinn der Entscheidung bzw. hat sich gar nicht richtig entschieden. Sicher können auch ernsthaft getroffene Entscheidungen in Frage gestellt werden, doch das ist vielmehr die Frage der Ernsthaftigkeit des Menschen und nicht die Frage der Auswahlmenge.

    Viele Grüße
    Konstantin

  • Avatar Felix

    Lieber Konstantin,
    zugegeben, mit dem Beispiel der Aborigines habe ich die Sache etwas überspitzt. Aber ich wollte darstellen, dass es tatsächlich sehr stark davon abhängt, welchen Lebensstandard man mit der „Selbstversorgung“ erreichen will.
    Sicherlich wäre es schön, viele der Annehmlichkeiten der modernen Welt weiterhin nutzen zu können. Aber inwiefern wird das möglich sein? Wir kennen noch keine Gesellschaft auf Erden, die nachhaltig autark existiert hat UND Kugelschreiber, Salz und Tesafilm hatte. Das könnten 100.000 sein, 1 Mio oder 10 Millionen, die man dafür braucht. Schwer zu sagen.

    Vielleicht ist diese Frage auch gar nicht so wichtig. Ich bin sogar fest davon überzeugt, dass wir eines Tages eines friedliche und nachhaltige Weltgemeinschaft mit Milliarden Menschen haben werden. Und womöglich wird es dann auch einige spezielle Dinge geben, die in einem Teil der Erde hergestellt und in einem anderen Teil der Erde genutzt werden. Dann gäbe es in der künftigen Menschheit gar keine 100% Selbstversorgung irgend einer separaten Gesellschaft. Dann braucht es keine Staatsgrenzen mehr und auch keine Abgrenzung irgendwelcher Gruppen vom Rest der Menschheit.
    Die Notwendigkeit „möglichst vollständiger Selbstversorgung“ separater Gruppen besteht nur für die Übergangszeit, in der viele destruktive Strukturen zerfallen und damit auch die Industrieproduktion der allermeisten Güter enden wird.
    Salzvorräte, Werkzeuge, Glas und Kleidung können Jahrzehnte lang gelagert und genutzt werden. Frische Nahrung nicht. Deswegen liegt der Fokus der meisten Selbstversorger zurecht auf Wasser und Nahrung, dicht gefolgt von Heizmitteln wie Holz.
    Es ist ausreichend, wenn sich dann im Laufe von Jahrzehnten neue Gemeinschaften mit Tausenden Mitgliedern bilden, die dann schon wieder mehr von den komplexeren Dingen produzieren können, die sie brauchen.
    Und natürlich wird das dort leichter sein, wo es schon stabile Selbstversorger Gemeinschaften gibt. Mal sehen, wie aus diesen Keimzellen der neuen Menschheit dann Millionen – Gesellschaften und schließlich die neue friedliche Menschheit entsteht.
    Ich freue mich schon drauf, diesen Prozess in diesem und im nächsten Leben begleiten zu dürfen.

    Ich stimme dir also zu, dass wir möglichst große nachhaltige Gesellschaften aufbauen sollten, ja sogar eine einige Menschheit, damit die „Selbstversorgung“ wirklich hochwertig gelingt.
    Aber ich sehe die Stufe von 1 Millionen Menschen erst an einem späteren Zeitpunkt erscheinen, nachdem wir die Aufgabe gemeistert haben, innerhalb einer Gemeinschaft von 30, 100 oder 1000 Menschen harmonisch leben zu lernen. Und das können wir vor allem von den bestehenden erfolgreichen Gemeinschaften lernen.

    *****
    Lieber Felix,

    wie ich schon im Artikel geschrieben habe:
    > Als Autarkie wird nämlich nicht nur verstanden, alles herstellen zu können was man braucht,
    > sondern auch, mit dem zufrieden zu sein, was man herstellen kann. Wenn die Gruppengröße
    > jedoch klein ist, dann kann man nur wenig herstellen, und muß extrem bescheiden leben.

    Ich verstehe unter „Selbstversorgung“ etwas komplett anderes als von Vorräten zu leben (wie in Deinem Text genannt mit Vorräten an Salz, Werkzeug, Glas, Kleidung). Selbstverständlich kann eine Kleingruppe, eine Familie, ja auch ein einzelner Mensch, bei entsprechender Vorratshaltung und ausgeprägten geistigen und handwerklichen Kenntnissen schwere Krisen über längere Zeit überstehen. Und das, was sich derzeit zusammenbraut wird eine schwere Krise werden. Und nur diejenigen, die diese Krise überstehen werden die danach folgende Zukunft mit aufbauen. All das ist sonnenklar. Mir geht es um die größere Vision und da taugt es nicht viel von „Selbstversorger-Gemeinschaften“ mit einer Handvoll Leuten zu träumen. Vielmehr geht es darum, daß die gesamte Menschheit auf unserem gemeinsam bewohnten Planeten eine nachhaltige Selbstversorgung erreicht. Und um dies zu erreichen finde ich die von mir genannten Zahlen durchaus passend (kleinräumige Selbstversorgung im Bereich von 80% bei den häufig gebrauchten Produkten und 99%ige Autarkie in einer Region mit 1 Million Menschen).

    Hier zu will ich kommentieren:
    > Deswegen liegt der Fokus der meisten Selbstversorger zurecht auf Wasser und Nahrung, dicht gefolgt von Heizmitteln wie Holz.

    Ich beobachte eine andere Priorität: Nahrung an erster Stelle, dann Wasser und Heizung.
    Die bessere Reihenfolge wäre: Heizung, Wasser, Nahrung
    Man kann locker einige Tage bis Wochen ohne Nahrung durchkommen. Ohne Heizung wird es im kalten Winter schon nach wenigen Stunden sehr grenzwertig.

    Im übrigen schreibt mir seit einiger Zeit jemand mit dem Bestreben eine größere Auswanderwelle von Deutschland nach Russland zu organisieren. Er selber ist aber nicht ausgewandert… Ich meine so jemand kann doch einfach seinen eigenen Weg gehen und für diejenigen ein Vorbild sein, die auch auswandern wollen. Aber hier zu bleiben und laufend zu schreiben, man solle doch auswandern, … (kopfschüttel)

    Ich kann jeden respektieren, der auswandert, aber auch jeden der zu Hause bleibt. Mein Bestreben ist ein gutes und glückliches Leben dort wo ich jetzt schon bin.

    Viele Grüße
    Konstantin

  • Avatar Felix

    Lieber Konstantin,

    Es tut gut zu sehen, dass wir uns doch sehr nahe liegen, auch wenn wir an einigen Stellen der Diskussion uns scheinbar gerieben haben.

    Diese Beschreibung von dir gefällt mir sehr gut:
    „kleinräumige Selbstversorgung im Bereich von 80% bei den häufig gebrauchten Produkten und 99%ige Autarkie in einer Region mit 1 Million Menschen.“
    Damit wird die Sache allmählich präziser. Ich möchte diesem Bild noch ein wenig nachgehen. Vielleicht wird das ganze dann noch klarer:

    Ich stelle mir vor, dass sich die meisten Familien in der künftigen Gesellschaft mit Wasser, dem meisten Gemüse und Obst selbst versorgen können. Für ausreichend Brennholz, Nüssen, anderem Gemüse, Kräuter, Pilzen und Getreide müssen sie ihren Landsitz teilweise verlassen und dies aus gemeinschaftlichen Flächen wie Allmende und Wald holen und dies mit den anderen im Dorf abstimmen und ggf. gemeinsam anbauen, pflegen, sammeln und ernten. Damit sollten die ersten grundlegenden Bedürfnisse innerhalb eines Dorfes gedeckt sein. Das würde also deinen 80% der Dinge entsprechen, die man braucht, und weit über 90% der Masse der Produkte (möglichst wenig Transport!) ausmachen.
    Aufwendigere (und langlebigere) Produkte wie Kleidung, Werkzeuge, Tongefäße, Fässer, Glas, Ziegel, Schuhe … können möglicherweise im Dorf oder eben in der Region hergestellt werden, in der „deine“ 1 Mio Menschen leben. Und nur wenige Dinge, die es nur in einigen Regionen der Erde gibt, oder bei denen sich Tausende zusammenschließen müssen, um sie herzustellen, werden von jenseits dieser 1 Mio Menschen geholt. Hochöfen zum Einschmelzen von Panzern, Seide, Indigo zum Färben.

    Die Grundlage dafür ist, dass eine neue Menschheit entsteht, dass Familien und Gemeinschaften die Krisenzeit durchstehen und sich dann soweit einigen, dass sie sich zu größeren Strukturen zusammenschließen können. Das ist keine Selbstverständlichkeit. Von einer Millionen Menschen, die einen solchen Zusammenhalt haben, sehe ich uns noch weit entfernt. Aber das wird schon! Ich freue mich drauf.

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