Fragen an Konstantin

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Von Russland in die Welt

Die Anastasia-Bücher stammen vom russischen Autor Waldimir Megre und wurden ursprünglich für seine Landsleute und deren Gegebenheiten geschrieben. Die Buchreihe wird auch ‚Klingende Zedern Russlands‘ genannt. Die meisten der enthaltenen Erzählungen ereigneten sich daher auch in Russland. Es gibt jedoch eine bemerkenswerte Kurzgeschichte, die in Mitteleuropa stattgefunden haben dürfte: die letzte Schlacht der Römer gegen die Kelten (Band 2: 74). An anderer Stelle wird auf Dolmen in verschiedenen Ländern inkl. Deutschland hingewiesen (Band 2: 225). Außerdem gibt es eine Geschichte, in der ein Deutscher eine Russin mit der wedischen Liebeserklärung anspricht: „Mit dir, die wünderschöne Göttin, dürfte ich den ewigen Raum der Liebe schaffen.“ Dieser Satz ist übrigens in den russischen Büchern exakt so in deutscher Sprache geschrieben. In der Übersetzung wurde der Satz leicht korrigiert (Band 8.2: 225).

Für das umfassende Verständnis der Anastasia-Bücher ist zu bedenken, dass die russische Sprache sehr bildhaft ist. Eine noch so genaue Übersetzung kann sich bezüglich der im Geist entstehenden Bilder vom Original sehr unterscheiden. Insbesondere bei Doppeldeutigkeit eines Wortes ist eine exakte Übersetzung oft unmöglich. Auch sind Begriffe wie ‚Heimat‘, ‚Familie‘, ‚Volk‘, ‚Ahnen‘, ‚Nation‘ in Russland gebräuchlich und in Deutschland vorbelastet oder mit anderen Assoziationen verknüpft.

Beispielsweise beinhaltet das Wort семья [semˈja], übersetzt: ‚Familie‘, im Russischen durch die zwei Wortbestandteile auch die Bedeutung: ’sieben Ich‘. In Kombination mit der Empfehlung von einem Hektar pro Familie kann man die Anregung herauslesen, dass eine durchschnittliche Bewohnerzahl von sieben Menschen pro Hektar anzustreben sei. Übrigens ist diese Bevölkerungsdichte geeignet für eine äußerst flächensparende Siedlungsform, wohl diejenige mit der Möglichkeit des geringsten ökologischen Fußabdrucks überhaupt. Eine Stadt beansprucht extrem viel Fläche außerhalb der Stadt, insgesamt weit mehr, als wenn die Menschen in dezentralen Familienlandsitz-Siedlungen leben würden (Band 5: 122).

Bei entsprechender Landgestaltung, Landschaftspflege und Lebensstil auf dem Hektar ist übrigens noch mehr möglich. Über die Reduzierung negativer Wirkungen hinaus kann eine positive Nachhaltigkeitswirkung auf Mensch, Natur und Umwelt erreicht werden. Das bedeutet: Der Mensch kann sich wandeln vom Umweltschädling zum Umweltnützling. Zur Unterscheidung vom ökologischen Fußabdruck wird eine positive Nachhaltigkeitswirkung ‚Handabdruck‘ genannt.

Das zweite Beispiel für eine Übersetzungsschwierigkeit ist der in der Buchserie häufig verwendete Begriff родовое поместье [rodoˈwoje poˈmestje], übersetzt: ‚Familienlandsitz‚. Diese Wortkombination trägt auch die Bedeutung der Abstammung der Familienmitglieder in sich, was der deutsche Begriff ‚Familienlandsitz‘ nicht gleichwertig wiedergibt (Band 10: 121f.). Begriffe wie ‚Familienstammlandsitz‘ oder ‚Ahnengrund‘ wurden von Lesern als womöglich bessere Übersetzung diskutiert, jedoch ist das Wort ‚Familienlandsitz‘ mittlerweile allgemein gebräuchlich.

Das Interesse an den Anastasia-Büchern steigt auch im deutschsprachigen Raum laufend. Viele Menschen sehnen sich hierzulande nach globalem Frieden, nach Änderungen in ihrem Leben, nach einer lebensfreundlichen Perspektive, nach einem Ausstieg aus dem ‚Hamsterrad‚ und einem Einstieg ins Leben mit der Schöpfung (Band 6: 234). Sie wollen mit Hand und Herz ein Stück Land hegen, pflegen und zum Erblühen bringen. Regionale, kulturelle und religiöse Herkunft ist dabei nebensächlich. Es geht vielmehr um das gemeinsame Ziel: die Entwicklung einer lebensfreundlichen Kultur auf dem gesamten Planeten durch Erschaffen individueller Lebensräume, die man mit Freude betrachten kann und die eines Tages guten Gewissens an die Nachwelt weitergegeben werden. alles ist so unglaublich einfach: Die Menschen müssen nur ihren Hektar Land bekommen.“ (Band 5: 19)

Mit dem größer gewordenen Bekanntheitsgrad ist auch Kritik aufgekommen. Insbesondere gilt dies für Medien und (kirchliche) Institutionen, denen die Inhalte der Anastasia-Bücher gelegentlich suspekt oder gar gefährlich (für ihr Weltbild?) erschienen. Auffallend ist, dass in den Büchern schon von diesem Widerstand geschrieben steht:

Gegen die Ideen, die in der Buchreihe ‚Klingende Zedern Russlands‘ dargelegt sind, läuft eine zielgerichtete, deutliche Kampagne mit dem Ziel, ihre Verbreitung in der Gesellschaft zu verhindern.“ (Band 6: 242)

Beschimpfungen, Diffamierungen und Schmutzkampagnen gehen oft einher mit Beleidigung, übler Nachrede oder Verleumdung. Statt reflexartig zurückzuschlagen, kann man solche Provokationen auch als Test betrachten, ob man selbst unter Stress in sich zentriert, souverän und selbstbewusst bleibt.

Für Herz und Seele, für die innere Gesundheit, ist es wohl das Wichtigste, auf das Angebot der Konfrontation nicht einzugehen, Aspekte des vermeintlichen Gegners auch im eigenen Inneren zu finden und diese Menschen liebevoll zu segnen. Danach hat man freie Wahl beim nach Außen sichtbaren Verhalten: Von Strafanzeige über Gedicht und Lieder (Band 6: 180) bis hin zum Ignorieren gibt es unzählige Möglichkeiten.

Auf jeden Fall hat es einen Wert, die eigenen Gefühle jederzeit wahrzunehmen:

Es hat sich jetzt eine Situation gebildet, in der Menschen verleumdet werden, die Gottes Schöpfung zu berühren wünschen. Solche Menschen gibt es heute in größerer Anzahl und sie können nachempfinden, wie einstmals ihre Urahnen verleumdet wurden. Denen, die heute verleumdet werden, flößen diese ihre Urahnen neue Kraft und frischen Mut ein. Wie Schutzengel behüten jene fernen Ahnen ihre heutigen Nachkommen.“ (Band 8.1: 177)

Die Kritiker verhalten sich genau so, wie in den Büchern beschrieben. Der Widerstand gegen die Bücher wird den Erfolg der Buchreihe eher unterstützen als behindern (Band 6: 244). Gleichzeitig kann Kritik die Qualität der Landsitzprojekte fördern, indem die Vorhaben gründlicher durchdacht werden (Band 7: 59).

Einmal andersherum gefragt: Was bieten denn die Kritiker als Lösungsidee für die globalen Herausforderungen? Sind sie realitätsfremd und sehen die Probleme gar nicht? Glauben die Kritiker womöglich, dass das ‚Weiter-wie-bisher‘ wirklich eine Besserung einläutet? Wo ist deren Konzept für kleinen ökologischen Fußabdruck, für positive Nachhaltigkeitswirkung, für Humusaufbau, für gesunde Luft, für sauberes Wasser, für glückliche Kinder? Haben sie einen realistischen Plan über einen Zeithorizont von mindestens sieben Generationen?

Interessant ist in diesem Zusammenhang auch der sogenannte Dunning-Kruger-Effekt: „Wenn jemand inkompetent ist, dann kann er nicht wissen, dass er inkompetent ist. Die Fähigkeiten, die man braucht, um eine richtige Lösung zu finden, sind genau jene Fähigkeiten, die man braucht, um eine Lösung als richtig zu erkennen.“ (Justin Kruger und David Dunning, Wikipedia)

Ist es daher erstaunlich, dass nicht jeder sofort erkennt, welch weitreichender Lösungsansatz die Schaffung von Familienlandsitzen ist?

In einer gehobenen Gesprächskultur ist es neben der Selbstverständlichkeit des Ausredenlassens auch üblich, dass Kritik nur geübt wird, wenn man selbst einen besseren Vorschlag einbringt. Wie würde eine Welt sich anfühlen, in der alle Volks- und Medienvertreter dies beherzigen würden?

Vermutlich wurden die Anastasia-Bücher von den Kritikern als politisch nicht gewünscht gewertet, weil sie weder anti-russisch noch anti-deutsch noch anti-irgendwas sind. Die Bücher sind nämlich überhaupt nicht ‚anti‘, sondern ‚pro‘: pro Leben, pro Liebe, pro Glück! Die Bücher zielen auf das liebevolle, schöpferische, kreative, gemeinsame Schaffen und nicht auf Zerstörung, Spaltung und Trennung. Die Antwort auf die Herausforderungen der Welt liegt in der Einung der Gegensätze (Band 2: 56; Band 3: 180; Band 6: 163; Band 7: 123; Band 10: 207). Können diese Bücher daher überhaupt als wertvoll wahrgenommen werden in den Augen derer, die dauernd nach Trennung suchen und Zerstörung anstiften (Band 4: 55-57)?

Kurzzitate der Buchreihe wurden sogar verwendet, um Mitteilungen der Buchserie ins Gegenteil zu verkehren. Beispielsweise wurden Textstellen zum Thema Juden missbraucht als vermeintlicher Beweis, dass in den Büchern Kritik an Juden geübt oder darin gar Antisemitisches stehen würde.

Die Buchzitate, im Kontext betrachtet, lassen die eigentliche Botschaft erkennen: Es geht um die Lösung der Konflikte und Aufarbeitung der Anfeindungen, denen Juden seit langen Zeiten ausgesetzt waren (Band 8.1: 138). Ein grundsätzlicher Lösungsansatz lautet: Gemeinsames oder nachbarschaftliches Gärtnern kann zum Verständnis von Menschen unterschiedlicher regionaler und religiöser Herkunft beitragen.

Neben Wortverdrehungen ist eine bekannte Diffamierungsmethode das Anprangern des Verhaltens einzelner Menschen, die eventuell nur am Rande mit der Familienlandsitz-Bewegung zu tun hatten, jedenfalls nie repräsentativ oder gar stellvertretend für Zehntausende von Buchlesern stehen können.

Was mit Rufschädigung beginnt – egal welcher Art und egal von wem und gegen wen – kann sich bis zum Fanatismus steigern. In einer solchen Lage mag es zum Wohle aller Beteiligten weise sein, wenn das alte Spiel des Teilens und Herrschens gewandelt wird in gegenseitiges Verständnis, Respekt und idealerweise in Kooperation.

Eine wichtige Aufgabe ist es, dass (religiösen) Fanatikern geholfen wird, eine natürliche Weltanschauung wiederzufinden (Band 7: 130).

Beispielsweise sollte die Vorstellung, durch Selbstmordattentate in ein jenseitiges Paradies zu gelangen, abgelöst werden durch diesen neuen Gedanken: „Unser Vater und unser Paradies sind nicht irgendwo, sondern hier bei uns auf Erden zu finden.“ (Band 7: 125ff.)

Auch Sehnsucht nach einem autoritären Führer, nach Elitebewusstsein, nach einer zentralen Organisation oder nach rigorosen Gruppenregeln hätte eher etwas mit Fanatismus und Sekten zu tun als mit dem Inhalt der Anastasia-Bücher. So bemerkt beispielsweise Anastasias Großvater: „Wenn wir nicht endlich selbst zu denken anfangen, werden wir weiterhin jeglichen Unsinn für Lebensweisheit halten.“ (Band 8.2: 28)

Interessanterweise unterscheiden sich die wahrgenommenen Inhalte der Anastasia-Bücher je nach Bewusstseinszustand des Lesers. Dies erinnert an die Erkenntnisse der Quantenphysik: Der Beobachter hat einen Einfluss auf das beobachtete Ergebnis. So kann es vorkommen, dass bei wiederholter Lektüre der Eindruck entsteht, dass man Sätze, Erkenntnisse oder gar ganze Kapitel liest, die einem völlig neu erscheinen.

Die Anastasia-Buchreihe ist im Lauf von mehreren Jahren entstanden und dokumentiert eine intensive persönliche Entwicklung des Autors. Die ersten Leser hatten die Situation, dass sie jeden Band einzeln lesen und ‚verdauen‘ konnten. Bis der nächste Band erschien, war Zeit über einen Band nachzudenken, herausgelesene Anregungen zu integrieren, sowie sich mit anderen Lesern auszutauschen. Wer jetzt die ganze Buchreihe neu kennenlernt und am Stück durchliest, kann das Gefühl bekommen, von einer Datenflut überwältigt zu werden. Dabei wird unweigerlich die Aufnahme der Worte unscharf, man überliest Details, man nimmt auf, was man zu lesen erwartet, man sucht nach Bestätigungen vorgefasster Ansichten. Dabei kann sogar der Eindruck entstehen, dass in den Büchern feststehende Lehrmeinungen stehen, die man exakt einzuhalten hätte.

Beispielsweise haben mehrere Menschen in den Büchern gelesen, dass Sex nur zur Zeugung von Kindern gut sei. Dieses Dogma stammt jedoch von der Kirche und nicht von den Anastasia-Büchern. Genau gelesen findet man dort die Empfehlung, dass eine liebevolle Vereinigung auf allen Ebenen Glück ergeben kann (Band 1: 74). Auch ein überhöhter Anspruch auf das Finden des perfekten Partners entspringt eher dem Leser, denn den Büchern. Dort steht beispielsweise: Einen seelisch nahen Menschen zu finden und mit ihm wahres Glück zu erleben ist eigentlich gar nicht so schwer.“ (Band 1: 136)

Besonders speziell wird es bei dem anzustrebenden ‚Hektar‘. Dieser Begriff steht so oft in den Büchern, dass die häufige Wiederholung den Eindruck erwecken kann, dass man exakt einen Hektar, nicht mehr und nicht weniger, zu finden hätte. Bei genauerer Betrachtung findet man jedoch auch hier kein Dogma. Es wird an mehreren Stellen von „mindestens einem Hektar“ geschrieben (Band 6: 119, Band 10: 24, 140). An anderer Stelle steht „zwei Hektar“ (Band 8.1: 89) und als Hinweis auf die unterste Grenze steht, dass ein viertel Hektar zu wenig sei (Band 6: 247). Rein logisch ist es abhängig von Region, Klima und Landschaft, wieviel Fläche passend für den Aufbau eines Familienlandsitzes ist. Insbesondere bedeutend bei der Auswahl ist das eigene Gefühl: Spürt man, dass man an diesem Ort leben möchte? Kann man sich vorstellen, dass auch die Urenkel noch dort leben wollen (Band 4: 168)? Der Raum der Liebe, der erschaffen werden will, wird individuell gestaltet sein und kann auch unterschiedlich groß ausfallen. Entsprechend den eigenen Bedürfnissen, Fähigkeiten, Plänen und dem Traum im Herzen möge man das passende Stück Land finden.

An einem weiteren Punkt kann man erkennen, daß die Anastasia-Bücher nicht dogmatisch gemeint sind: Der Leser soll die Aussagen mit eigenen Gefühlen, Gedanken und Erfahrungen überprüfen. Wenn Sie allerdings mit bestimmten Darstellungen nicht einverstanden sein sollten, dann bitte ich Sie, diese direkt in Ihrem Buch durchzustreichen oder mit Tipp-Ex zu überdecken und mit eigenen Bemerkungen zu überschreiben.(Band 8.2: 28)

Ein Bereich des Daseins, in dem Dogmen und Fanatismus leider weit verbreitet sind, ist die Ernährung.

Anastasia sagt dazu: „Man sollte es mit dem Essen halten wie mit dem Atmen …“ (Band 1: 45). Die Eichhörnchen helfen ihr, indem sie Nüsse und Pilze sammeln (Band 1: 51). Sie ernährt sich überwiegend saisonal-frisch-wild-roh-pflanzlich-regional (Band 1: 95). Gleichzeitig wird dieses Vorbild nicht zum Dogma erhoben. Es gibt beispielsweise eine Situation, in der Anastasia einen Gasherd bedient, um Wladimir mit einem Frühstück, wie er es gewohnt ist, zu erfreuen (Band 5: 226f.). Sie weicht hierbei interessanterweise nicht von ihren Prinzipien ab, wie es fälschlicherweise verstanden werden könnte, denn die Liebe ist die Grundlage von allem (Band 4: 181). Dazu gehört die liebevolle Wertschätzung von Gewohnheiten und Signalen des eigenen Körpers (Band 1: 94; Band 2: 148; Band 8.1: 23; Band 10: 50). Anastasia gibt auch eine genaue Anleitung für die Umstellung der eigenen Ernährung (Band 8.2: 55f.). Längerfristig wird den Lesern die Nahrung aus dem eigenen Garten empfohlen, aus dem selbstgeschaffenen Raum der Liebe (Band 6: 132).

Die Leser der Buchreihe kommen aus unterschiedlichsten Bevölkerungsgruppen: Vom Top-Manager bis zum Arbeitslosen, von jung bis alt ist alles dabei. Die Beobachtung zeigt, dass die Lektüre der Anastasia-Bücher eine harmonisierende Wirkung auf außergewöhnliche oder gar extreme Ansichten haben kann (Band 7: 131). Besonders intensiv wirkt die Vorbereitung auf das Landsitzleben mit Hilfe des Modellbaus (Band 10: 186-206). Die Leser interessieren sich mehr und mehr für Natur, Wald und Garten. Die eigenen Gedanken werden beobachtet und als kreative Schöpfungskraft wertgeschätzt (Band 8.2: 206). Die Leser beginnen zu handeln, streben nach gesundem und glücklichem Leben, sowie danach, mit sich selbst, ihren Verwandten und Nachbarn ins Reine zu kommen.

Insofern können die Anastasia-Bücher als förderlich für Genesung und Gesundheit angesehen werden (Band 1: 174). Jene, die extreme Ansichten in sich tragen, sind vielleicht genau diejenigen, denen diese Bücher besonders guttun.

Ist man konfrontiert mit negativ eingestellten Zeitgenossen, so kann eine erhöhte eigene Gedankengeschwindigkeit günstig sein (Band 7: 76). Wer gut und schnell denken kann, immunisiert sich von innen heraus gegen extreme Ansichten, Okkultismus und Dogmen.

Als tägliche Übung empfiehlt sich die Ausrichtung auf Dankbarkeit und Mitgefühl. Damit kann man positive Emotionen stärken und negative entkräften. Anastasia betet in diesem Sinne zu Gott. Statt mit dem bekannten Vaterunser Gott um etwas zu bitten, ist ihr Gebet insbesondere getragen von Dankbarkeit (Band 4: 64f.).

Statt andere überzeugen zu wollen, einer Wir-müssen-aufs-Land-Ideologie zu folgen, ist es passender, bei sich selbst zu beginnen. Anastasia bemerkt diesbezüglich: „Wer um sich herum Schmutz geschaffen hat, wird auch Schmutz an einen anderen Ort tragen. Er sollte zuerst den Ort säubern, den er verunreinigt hat; dadurch wird er selbst rein werden“ (Band 3: 182f.). Darunter kann auch verstanden werden, sich verdrängter Gefühle, Emotionen, Verletzungen oder Traumata anzunehmen. Diese in der Psychologie als ‚Schatten‘ bezeichneten Anteile des Ichs können sehr belastend wirken. Hat man den Mut zu sogenannter Schattenarbeit, also das Verdrängte anzuschauen, zu spüren und zu integrieren, ist man auf dem Weg intensiver Persönlichkeitsentwicklung.

Als Anastasia zum ersten Mal anspricht, Wladimir möge sein Herz öffnen, versteht er gar nicht, was sie damit meint (Band 3: 126). So kann es auch Lesern gehen, dass sie durch die Lektüre angeregt werden, den Weg des Herzens zu gehen, ohne diesbezüglich Erfahrung zu haben. Beim Betreten dieses inneren Neulands weiß man vorher nicht, was aus dem Unterbewusstsein alles an die Oberfläche kommen wird. Neben Schmerz, Angst und Wut können beispielsweise auch Größenwahn und Narzissmus auftauchen. Indem man verdrängte Gefühle spürt und integriert, nährt man die eigene innere Harmonie. Das Gleichgewicht der Gefühle ist sehr wichtig, es zeugt von der Ausgeglichenheit des Menschen (Band 6: 138).

Einhergehend mit der inneren Entwicklung kann der Einzelne einen passenden Weg zum eigenen Landsitz finden. Im Innen wie im Aussen ist Geduld eine nötige Tugend. Während man leicht überschätzt, was man kurzfristig erreichen kann, so unterschätzt man auch leicht, was man langfristig erreichen kann.

Dies ist auch zu beachten, wenn die Inhalte der Buchreihe einerseits so wunderbar klingen, das eigene Leben davon aber als unendlich weit entfernt empfunden wird. Aus dieser Diskrepanz können sogar schwere Depressionen und Gefühle der Verzweiflung entstehen. Anastasia beschreibt diesen Umstand als Geschichte, die in der Zukunft stattfinden wird: Touristen, die nach Russland zur Kur fahren und zu Gast in den Wohnstätten der neuen Russen sind (Band 5: 83):
Psychologen berichteten den Gastgebern ständig von Fällen starker Depression bei Touristen, die wieder in ihre Heimat zurückgekehrt waren, besonders wenn sie aus Ländern kamen, die früher als fortschrittlich gegolten hatten. […]
Wieso denn das, Anastasia? Du hast doch gesagt, in diesen Landkommunen sei alles bestens – eine schöne Landschaft, gesunde Nahrung und ein gegenseitiges Einvernehmen unter den Familienangehörigen …“
„J
a, aber gerade das war für viele ausländische Gäste ein Problem: Es war zu schön.

Neben der grundlegenden Vision gibt es in den Büchern auch Kritik bezüglich politischer Entscheidungen (Band 7: 54f.; Band 8.2: 92; Band 10: 215) sowie konkrete Empfehlungen: Alle Politiker sollten in Familienlandsitz-Siedlungen leben (Band 7: 246). So können sie frische und gesunde Lebensmittel erhalten, ihre Gedankengeschwindigkeit erhöhen, sowie einen persönlichen Bezug zu Land und Volk erleben. Darauf basierend werden weisere Gesetze erlassen, die den Menschen und dem Leben allgemein besser dienen. Familienlandsitze sowie die darauf erzeugten Produkte sollen laut mehreren Angaben in der Buchreihe übrigens von der Steuer befreit sein (Band 5: 43, 47, 50f.; Band 8.1: 145). Darüberhinaus soll nach Aussage der Bücher das Land für Familienlandsitze kostenlos vergeben werden. Es sei die Pflicht der Gesellschaft, jenen, die für Landkauf schon Geld ausgegeben haben, ihr Geld zurückzugeben (Band 8.1: 155).

Das Streben der Menschheit nach glücklichem und gesundem Leben entspringt dem Sehnen nach paradiesischen Gefühlen (Band 4: 78). Es wäre wohl eine sehr beschränkte Sicht, wenn dieses tief im Inneren liegende Bedürfnis nur bei Anastasia-Lesern wahrgenommen würde. Manch einer hat noch nie etwas von den Büchern gehört und strebt gleichwohl aus eigenem Antrieb nach den darin beschriebenen Idealen. Die große Vielfalt der Menschen, die gemeinsam mit der Schöpfung schaffen wollen, vereint sich in einer gemeinsamen Richtung: Es geht um nichts Geringeres als um die Liebe, um die Bestimmung der Menschheit (Band 3: 55; Band 4: 66; Band 10: 129f.).

 

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