Selbstversorgung aus einem anderen Blickwinkel

Gestern habe ich einen Text gelesen in dem Kundenheft der Firma Alnatura. “Die Finanzkrise als Ausdruck der »Selbstversorgungsillusion«”
siehe: http://www.alnatura.de/h15000_4610.php

In diesem Text findet sich u.a. diese Zitate:

Diese »Selbstversorgungsmentalität« ist die Ursache der Krise.

Eine arbeitsteilig organisierte Weltwirtschaft wird umso besser funktionieren, je weniger der Einzelne aus der Selbstversorgungshaltung arbeitet. Je mehr es gelingt, für den Anderen tätig sein zu wollen, umso besser funktioniert der soziale Organismus. Dieses von Rudolf Steiner aufgestellte, so genannte »Soziale Hauptgesetz« leuchtet unmittelbar ein.

Dazu habe ich mal nachgeschlagen was denn die ursprüngliche Aussage von Rudolf Steiner war. Ich bin fündig und gleichzeitig sprachlos geworden:

Beispielsweise in dieser Datei: http://www.pro3-verlag.de/sgg.pdf

Rudolf Steiner: “Das Heil einer Gesamtheit von zusammenarbeitenden Menschen ist um so größer, je weniger der
einzelne die Erträgnisse seiner Leistungen für sich beansprucht, das heißt, je mehr er von diesen Erträgnissen an seine Mitarbeiter abgibt und je mehr seine eigenen Bedürfnisse nicht aus seinen Leistungen, sondern aus den Leistungen der anderen befriedigt werden.” So formulierte Rudolf Steiner etwa im Herbst 1906 in einem Aufsatz für seine Zeitschrift ‘Luzifer-Gnosis’ das “Soziale Hauptgesetz’, welches durch die Geisteswissenschaft aufgewiesen wird.
Er fährt dabei fort (nachzulesen in GA 34, Seite 213ff.):”Alle Einrichtungen innerhalb einer Gesamtheit von Menschen, welche diesem Gesetz widersprechen, müssen bei längerer Dauer irgendwo Elend und Not erzeugen. – Dieses Hauptgesetz gilt für das soziale Leben mit einer solchen Ausschließlichkeit und Notwendigkeit, wie nur irgendein Naturgesetz in Bezug auf irgendein gewisses Gebiet von Naturwirkungen gilt. Man darf aber nicht denken, daß es genüge, wenn man dieses Gesetz als ein allgemeines moralisches gelten läßt oder es etwa in Gesinnung umsetzen wollte, daß ein jeder im Dienste seiner Mitmenschen arbeite. Nein, in der Wirklichkeit lebt das Gesetz nur so, wie es leben soll, wenn es einer Gesamtheit von Menschen gelingt, solche Einrichtungen zu schaffen, daß niemals jemand die Früchte seiner eigenen Arbeit für sich selber in Anspruch nehmen kann, sondern daß diese möglichst ohne Rest der Gesamtheit zugutekommen. Er selbst muß dafür wiederum durch die Arbeit seiner Mitmenschen erhalten werden.

oder hier:
http://www.goetheanum.org/uploads/media/Schmundt_Wilhelm_Zum_Sozialen_Hauptgesetz_1978_01.pdf

Das bisher Geschilderte zusammenfassend: Drei Quellen sind für das Erfüllen des sozialen Hauptgesetzes notwendig: Erstens die durchgehende Arbeitsteilung; sie bewirkt, dass im Hauptsächlichen niemand das, was er braucht, selbst erstellt, sondern dass die anderen es ihm erarbeiten. Die historische Entwicklung hat solchen Zustand bei den Kulturvölkern bereits herbeigeführt; sie ist dabei, die ganze Erdenmenschheit in ihn einzubeziehen. Zweitens: das Gewinnen des Antriebes zur Arbeit aus dem inneren Interesse für die anderen und das Wissen um die Menschheitsmission.

Ich war ja schon immer zurückhaltend bei der Wahrnehmung der Antroposophen. Aber diese Ausführungen lassen in mir nur die Nackenhaare zu Berge stehen. Kann ich jetzt noch die GLS-Bank oder Waldorfschulen als “besser” empfinden als die anderen Firmen?

Die Worte widersprechen aufs Tiefste meinen Visionen einer nachhaltig lebensfähigen Zukunft. Soll ich zum A…. abwischen einen Diener anstellen und ich such einen Job als Zähneputzer für jemand anderen??

Gelte ich laut Antro’s als asozial nur weil ich mich aktiv mit Selbstversorgung beschäftige? Bezahle ich beim Kauf von Demeter Produkten diese “geisteswissenschaftliche Menschheitsmission” gleich mit?? Mir wird fast schlecht bei dem Gedanken…

Egal was diese Schlauschwätzer meinen. Ich bleibe aktiv dabei die Selbstversorgung auszubauen weil ich in meinem Herz fühle, dass dies ein sehr wertvoller Beitrag für das Wohl der ganzen Erde ist. Und wenn mir jemand Egoismus vorwirft, dann ist das sein Problem. Für mich ist das Nicht-Selbst-Versorgen unterlassene Hilfeleistung in kosmischer Dimension.

2 Gedanken zu „Selbstversorgung aus einem anderen Blickwinkel“

  1. Nun – da bin ich aber auch Deiner Meinung -bin beim Suchen eines geeigneten Häckslers (Jean Pain) auf Euren Blog gestossen.
    Die Thesen von Steiner erinnern mich entfernt an die Thesen von Marx.

    DAss wir uns selbst manchmal zu wichtig nehmen, um unsere Wahrnehmung offen zu halten ist ein Problem unserer Ego-Tripp – GEsellschaft.

    Kapitalismus und Egomanismus sind auf DAuer auch nicht die Lösung, da zu viele Resurcen ungenutzt bleiben.

    Ich bin gegen alle Lehren, die die Allheil- ansicht vertreten, ob nun Religion oder WEltanschauung.

    Letztlich wird alles zur Ideologie und dann ist nur noch das gut. DAs ist nicht m ein Ding.
    Ich denke, wir steuern in eine Zeit, in der es sich lohnt , mehr Selbstverantwortung zu übernehmen.

    Uns wird mehr zugemutet,das beinhaltet auch aus einem Standart- System auszusteigen und eigene Wege zu gehen. In diesem Sinne wünsche ich allen Querdenkern und Freunden der Selbstverwirklichung ein frohes neues Jahr.

    Vielleicht gelingt ja nur das Gute Ganze, wenn es jeder für sich selbst denkt, sucht und verwirklicht. Dann kann sich auf Dauer die Welt vielleicht zum Besseren ändern.
    In diesem Sinne Alexander

  2. Na, was von den Steiner-Aussagen zu halten ist, die Du da zitierst, wird ja schon klar, wenn man die Quelle sieht: Luzifer-Gnosis 😉

    Spaß beiseite: Wem nutzt die Arbeitsteilung? Doch vor allem den Unternehmern, die andere – arbeitsteilig – für sich arbeiten lassen und den Händlern.

    Will man möglichst viel für sich selbst aus dem eigenen Arbeitsaufwand herausholen, muss man möglichst viele der Zwischenstationen ausschalten. Und das bedeutet nichts anderes als: Selbermachen!

    Herzliche Grüße

    Fokko

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