Konstantin Kirsch

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Freitag 1. Dezember 2017

Gewinnerzielungsabsicht in der Landwirtschaft?

Wer auf dem Land, für das Land und von dem Land leben will, beispielsweise auf grob einem Hektar als Selbstversorger oder als Gärtnerhof, kann leicht mit der Frage konfrontiert werden, ob der denn „Gewinnerzielungsabsicht“ hätte.

Grob gesagt wird unterschieden zwischen einem Unternehmen (mehr ernten als ausgeben) und einem Hobby, bzw. „Liebhaberei“, (mehr ausgeben als ernten).

Nun, interessant ist hierbei schon, dass diese Wortdefinitionen den Eindruck erwecken, als ob man ein Unternehmen nicht lieb haben darf, bzw. nicht liebevoll führen könne.

Ganz besonders interessant ist es zu fragen, welche Art an „Gewinn“ denn gemeint sein kann.

Ganz logisch denkt man bei Landwirtschaft an die Urproduktion: Saat ausbringen und Ernte einholen. Das dabei mehr Ertrag geerntet werden muss, als man als Saat ausgebracht hat ist zwingend nötig, wenn man den Überschuss (=Gewinn) essen will. Man darf ja nicht die gesamte Ernte essen, dann wäre ja die Saat fürs Folgejahr weg.

Bei der Landwirtschaftskammer habe ich eine Definition gefunden;

1.3 Was ist ein landwirtschaftlicher Betrieb?
Von einem landwirtschaftlichen Betrieb kann man erst dann ausgehen, wenn eine Abgrenzung von einer Freizeitbetätigung klar erkennbar ist. Die Betätigung muss eindeutig auf eine Gewinnerzielung ausgerichtet sein. Ein Gewinn muss nicht unbedingt mit der Betriebsgründung einhergehen, die zu treffenden Maßnahmen müssen sich jedoch mittelfristig amortisieren können.
https://www.landwirtschaftskammer.de/gartenbau/beratung/pdf/gruendunglandwirtschaft.pdf

Ein Gewinn muss „nicht unbedingt mit der Betriebsgründung einhergehen“, also da staune ich schon schwer:
Das klingt für mich komplett absurd, so wie: „Es kann vorkommen, dass am Tag der Saat noch nicht geerntet werden kann.“

Komischerweise hat sich wohl auch der Geldvirus ins Hirn geschlichen und (fast) alles wird in Geld gemessen:
https://www.haufe.de/personal/personal-office-premium/frotschergeurts-estg-13-einkuenfte-aus-land-und-fors-912-gewinnerzielungsabsicht_idesk_PI10413_HI4059283.html

Nun ist Geld jedoch keine stabile Einheit, mit der man in der 4. Dimension (Zeit) korrekt rechnen kann. Und da zwischen Saat und Ernte immer etwas Zeit vergeht, taugt Geld hier nicht zum Bewerten.

Ganz besonders passend ist es vielmehr den Aufwand und den Ertrag in Energie (kWh) zu messen und aus der Differenz den energetischen Gewinn zu berechnen. Dazu passt auch, dass heutzutage viele Landwirte Lieferanten von Energie, bzw. Energieträgern geworden sind (z.B. Rapsöl, Biogas).

Ich nehme das Ergebnis der folgenden Zitate vorweg:

Mit erdölbasierter, maschineller Großlandwirtschaft kann kein energetischer Gewinn erzielt werden.
Wer auf diesen Weg setzt und behauptet, er hätte Gewinnerzielungsabsicht, ist entweder realitätfremd oder er betrügt, denn auf diesem Weg ist ein Gewinn unmöglich!

NUR durch kleinbäuerlichen, ökologischen, permakulturellen, gärtnerischen Anbau ist ein Energie-Gewinn möglich!

Daher wäre es gerecht und angemessen, wenn nur Kleingärtner, Kleinbauern und Permakulturprojekte die Privilegierung der Landwirtschaft genießen (Bauen im sogenannten Aussenbereich).

Fördermittel sollten für „Landwirte“, die genau betrachtet, nur Energie vernichten, nicht gezahlt werden.
Ach – Fördermittel – ist auch so ein interessantes Thema: Wieviele landwirtschaftliche Betriebe florieren OHNE Fördermittel? Was – fast keiner – ? Warum dass denn? Ich dachte, dass sei Urproduktion?

Nun, ist es eben nicht:

Die derzeit übliche „Landwirtschaft“ ist Energieverschwenduing auf hohem Niveau.

Zumindest in Teilen wurde das Bevölkerungswachstum durch den fundamentalen Einfluss der fossilen Energieträger auf die Landwirtschaft ermöglicht, auch wenn dieser Aspekt der fossilen Revolution in der Energiedebatte oft unberücksichtigt bleibt. Die Landwirtschaft war während Jahrhunderten eine Wirtschaftsform zur Umwandlung von Sonnenenergie in Nahrungsmittel. Dies änderte sich im fossilen Zeitalter fundamental, da sich die Landwirtschaft vom Energielieferanten zum Energieverbraucher wandelte. Durch »die massenweise Verwendung fossiler Stoffe zum Antrieb von Agrarmaschinen wie für Düngung und zur Bekämpfung von Schädlingen wird mehr Energie verbraucht, als durch Photosynthese in den geernteten Pflanzen enthalten ist«‚ betont der Technikhistoriker Karl Metz richtig. Diese Zusammenhänge sind durch die Forschung klar belegt, aber kaum im öffentlichen Bewusstsein verankert.

Europa im Erdölrausch: Die Folgen einer gefährlichen Abhängigkeit
Buch von Daniele Ganser

Mit der Kohle begann die massenweise Nutzung »historischer«, fossiler Energien und also die Abkehr von einem Gefüge »aktueller«, solarer Energieversorgung im weiteren Sinn der photosynthetisch gebundenen Energie der Sonne in Pflanzen als Basis der Ernährung und also der Muskelkraft von Tier und Mensch, dieser Energie im Holz, aber ebenso der Energien von Wind und Wasser. Die von der Sonneneinstrahlung abhängigen Agrargesellschaften sind sozioökonomische Gefüge mit solarem Energiebezug. In ihnen ist die verfügbare Energie zwar zeitlich unbegrenzt, weil erneuerbar, jedoch im Umfang ihrer jeweils aktuellen Nutzung begrenzt und nicht willkürlich ausweitbar.
[…]
Der Gegensatz von Land und Stadt löste sich auf, nicht nur, weil sich die städtischen Siedlungen dezentralisierten, auch, weil die Landwirtschaft, früher eine Wirtschaftsform zur Umwandlung von Sonnenenergie in Nahrungsmittel, durch die massenweise Verwendung fossiler Stoffe zum Antrieb von Agrarmaschinen wie für Düngung und zur Bekämpfung von Schädlingen mehr an Energie verbraucht, als durch Photosynthese in den geernteten Pflanzen enthalten ist.
[…]
Mit der Aufsprengung solarenergetischer Energiesperren, der bedingungslosen Abhängigkeit von Sonneneinstrahlung und ihren Schwankungen, wird die in 200 bis 400 Millionen Jahren gespeicherte Sonnenenergie fossiler Brennstoffe in zwei bis drei Jahrhunderten aufgebraucht sein.

Metz, Karl Heinz:
Ursprünge der Zukunft die Geschichte der Technik in der westlichen Zivilisation
Seite 141 und 456, PDF -Download hier

Seit der Erdölkrise Mitte der 1970er-Jahre interessieren sich Wissenschaftler verstärkt für die Energiebilanzen landwirtschaftlicher Produktion. Fasst man die gewonnenen Erkenntnisse zusammen, wird schnell klar: Bei industriemäßiger Großflächenwirtschaft wird mehr (fossile) Energie verbraucht, als am Ende in der verzehrten Nahrung steckt (Pimentel, 1980). Außer jener Energie, die in der eigentlichen Produktion steckt, werden auch die für den Transport zu den Märkten und zur Herstellung von Verpackungsmaterial aufgewendete Energie und weitere Faktoren berücksichtigt. Daraus ergibt sich in der intensiven Landwirtschaft ein Aufwand von zehn Kilokalorien und mehr, um eine Kilokalorie Nahrung zu erzeugen. Im Gegensatz dazu verzichten in der kleinbäuerlichen Landwirtschaft die Bauern auf den Einsatz von Agrochemikalien und schwerer Technik und erzielen durch agrarökologische Methoden gute Erträge. So können aus einer Kilokalorie extern zugeführter Energie bis zu zehn Kilokalorien Nahrung entstehen (Vandermeer et al., 2009). Zwar ist dieser deutliche Effizienzunterschied zwischen den beiden Anbauformen ein Extremfall. Aber die Schlussfolgerung, dass kleinbäuerlich-ökologischer Anbau energieeffizienter ist als industriemäßige Produktion, ist allgemeingültig.
[…]
In jüngerer Zeit ist man zu sogenannten Life-Cycle-Analysen übergegangen. Hierbei fließen sämtliche Wirkungen (in diesem Fall der Energieverbrauch) während der Produktion, Nutzung und Entsorgung eines Produktes ein, mitsamt der vor- und nachgeschalteten Prozesse. Da der Energieaufwand auf die Energiemenge der verzehrten Nahrung bezogen wird, spielen nicht nur die Erträge eine Rolle, sondern auch die transport- und lagerungsbedingten Verluste. Hinzu kommt die Vergeudung oder Vernichtung von Lebensmitteln, die in den Industrieländern ein erschreckendes Ausmaß angenommen hat (Kreutzberger und Thurn, 2012).
[…]
Nationale Gesamtbilanzen helfen dabei festzustellen, ob die Ernährungsweise eines Landes energetisch betrachtet insgesamt nachhaltig ist oder nicht. Bei einer Komplettanalyse der dänischen Nahrungsmittelproduktion von 2004 bis 2007 stellte sich heraus, dass diese nur ein Viertel so viel Energie enthielt, wie zu ihrer Produktion verbraucht wurde (Markussen und Østergaard, 2013). Mit einem energetischen Effizienzgrad von 27 Prozent kam eine Life-Cycle-Analyse für die USA mit Daten von 1995 zu einem ähnlichen Resultat (Heller, 2003).
[…]
Aus dem bisher Gesagten lassen sich zwei generelle Schlussfolgerungen ableiten. Erstens ist die in hiesigen Breiten übliche Versorgung mit Nahrungsmitteln allein schon aus energetischer Sicht nicht nachhaltig.

https://www.welt-ernaehrung.de/2014/09/29/energieschleuder-agrarindustrie/

Die meisten alten landwirtschaftlichen Systeme sind imstande, mit Hilfe von Sonnenlicht und natürlichen biologischen Wachstumsprozessen aus 100 Einheiten eingesetzter Energie etwa 300 Energieeinheiten in Form von Nahrung zu erzeugen. Mit unseren heutigen „modernen“ landwirtschaftlichen Methoden, großflächigen Monokulturen, dem Einsatz von Maschinen, Kunstdünger und Pestiziden haben wir es insgesamt bestenfalls auf ein Verhältnis von 100:10 Energieeinheiten gebracht. Das heißt, wir verbrauchen ständig zehnmal mehr Energie, als wir produzieren, weil wir gegen die Natur arbeiten, nicht mit ihr.

Dazu kommen noch die enorm hohen Kosten für Lagerung, Verpackung und Transport, die sich aus dem zentralisierten Anbau und der Verteilung von Nahrungsmittel ergeben. Sie machen z.T. mehr als 95 Prozent der Energie aus, die wir benötigen, um Lebensmittel auf dem Tisch zu bringen. Damit gelangen wir zu einem Verhältnis von Gesamtenergieeinsatz zu Ertrag von 100:1. Ein solches System kann aufgrund unveränderlicher thermodynamischer Gesetze (Entropie) auf Dauer keinen Bestand haben.

http://declan.de/bill-mollison-mein-freund-und-lehrer/
und:
http://www.kennedy-bibliothek.info/cx-content/uploads/bibliothek/Konsum.pdf

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