Vor gut zwei Wochen war ich in Benidorm, Spanien, in einem Waschsalon mit mehreren Waschmaschinen – und einem Geldautomaten der ungewöhnlichen Art. Das Gerät sah so gar nicht wie ein normaler Bankautomat aus. Es kam mir spanisch vor, wie man so sagt. Und in Spanien war ich ja auch.

Das Gerät war kein Geld-Wasch-Automat im Sinne von: Geldscheine, auf die Kaffee oder Ketchup gelaufen war, oben rein und unten gesäubert und getrocknet wieder raus. Nein, es war ein Bitcoin-Geldautomat mit dem man (angeblich) Bitcoins und Euros hin und her wechseln kann. Ach ja, USDT und USDC und ETH, alles kryptische Begriffe für mich, kann man angeblich auch tauschen.
Ich schreibe „angeblich“ weil ich einerseits niemanden gesehen habe, der das Gerät bedient hat, und es andererseits auch nicht selber ausprobieren wollte.

Ich habe keine Bitcoins und will auch keine. Mich interessiert das Thema jedoch grundsätzlich. Spätestens seit ich im Jahr 2009 den „Minuto“ erfunden habe, bin ich immer wieder im Gespräch mit Menschen, die eine Alternative – oder zumindest eine Ergänzung – zum üblichen Geldsystem für wichtig erachten. So ein Wechselgerät von Krypto zu Fiat (und andersherum) ist die Berührung zweier Welten. In der Permakultur nennt man dies die „Randzone“ zweier unterschiedlicher Ökosysteme. Und diese Randzonen sind bei Ökosystemen meistens besonders produktiv.
Die Perspektive dieses Bildes finde ich gar zu witzig: Bitcoinautomat vorne und Waschmaschine im Hintergrund:

Eine Websuche hat ergeben, dass Bitcoin-Automaten öfter in Waschsalons stehen. Warum das so ist, verstehe ich überhaupt nicht; ich sehe da keinen direkten Zusammenhang. Solche Geräte würde ich eher in Bahnhofshallen oder an Flughäfen vermuten – also an Knotenpunkten für international Reisende – aber doch nicht in Waschsalons.
Auffällig an dem Automaten sind mehrere Scanner und Kameras. Zwar spreche und lese ich kein Spanisch, aber meiner Vermutung nach muss man dort mindestens einen Personalausweis oder Reisepass scannen und ein Porträtfoto machen lassen. Im Bankjargon nennt man das „Know Your Customer“ (KYC). Diese Sicherheitsmaßnahmen sind verständlich, da Kryptowährungen nicht nur für rechtschaffene Menschen interessant geworden sind, sondern auch zwielichtige Gestalten angelockt hat.
Übrigens ist heute, am 22. Mai, ein besonderer Feiertag für Bitcoin-Fans: der „Pizza Day“.
Vor gerade mal 16 Jahren, am 22. Mai 2010, wurde zum ersten Mal ein physisch reales Gut – zwei Pizzen – mit der seinerzeit erst vor gut einem Jahr erfundenen virtuellen Kryptowährung Bitcoin bezahlt. Seinerzeit flossen 10.000 Bitcoin für diese zwei Pizzen… Eine erstaunliche Summe. Man könnte behaupten, wenn der Pizza-Käufer, diese Bitcoins aufgehoben statt ausgegeben hätte, wäre er heute Multimillionär. Aber das stimmt so nicht ganz. Denn nur, weil Bitcoin überhaupt in der realen Welt „angekommen“ ist und genutzt wurde, konnte der Kurs überhaupt so stark steigen.
Wer mehr zum Pizza Day lesen will findet hier eine ausführliche Geschichte mit Bildern der damaligen Pizzen:
https://www.house-of-satoshi.ch/bitcoin-pizza-day-22-mai/