Konstantin Kirsch

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Freitag 1. Dezember 2017

Professur für lebende Architektur

Wir leben in einer sehr bewegenden Zeit. Jahrtausende lang wurden Häuser und Tragwerke fast nur aus toten Materialien gebaut. Früher wurden Tiere getötet um aus Fellen Zelte zu bauen. Dann wurden Bäume gefällt um Häuser zu bauen. Schließlich wurde in Mutter Erde gegraben um dann aus Metall Strukturen zu bauen.

Doch seit einigen Jahrzehnten ändert sich das Bewusstsein. Der Weg den Planeten auszubeuten und zu zerstören geht seinem Ende entgegen. Neue Bauweisen wachsen zuerst im Geist, dann in Experimenten, und schliesslich landen sie im Bereich der Forschung und Lehre.

Nun ist das Thema lebende Architektur diesen Weg gegangen. Gerne stelle ich einige Wegbereiter dieser Entwicklung vor und damit auch diejenigen, mit denen ich Ideen und Gedanken teile, beziehungsweise auch, auf was ich aufbaue und in wessen Tradition ich mich wahrnehme. Und ganz besonders freue ich mich den neuen Professor vorzustellen, der nun an der Uni München lebende Konstruktionen weiter entwickelt.

Buckminster Fuller

auch Bucky genannt
*1885 †1983 war ein US-amerikanischer Architekt, Konstrukteur, Visionär, Designer, Philosoph und Schriftsteller.

Richard Buckminster Fuller (1970er)

1927, im Alter von 32 Jahren, war er bankrott und ohne Anstellung, und nach dem Tode seines ersten Kindes nahe daran, Selbstmord zu begehen. Er beschloss, sein weiteres Leben als Experiment zu verstehen: Er wollte feststellen, was eine einzelne Person dazu beitragen kann, die Welt zum Nutzen der Menschheit zu verändern.

Er begann sein Leben peinlich genau in einem Tagebuch zu dokumentieren, das er das nächste halbe Jahrhundert lang führte und „Dymaxion Chronofile“ nannte.

In ihm zeichnete er seinen Tagesablauf von 1915 bis 1983 alle 15 Minuten auf. Die Notizen enthalten seine vollständige Korrespondenz, Rechnungen, Notizen, Skizzen und Zeitungsausschnitte. Die gesamte Sammlung wird auf 80 Regalmeter Papier geschätzt und ist seit 1999 im Besitz der Bibliothek der Stanford University.
Zitat von: https://de.wikipedia.org/wiki/Dymaxion#Dymaxion_Chronofile

Buckys Wirken ist insbesondere bekannt geworden durch seine Forschungen für geodätische Kuppeln:

Geodätische Kuppel von Richard Buckminster Fuller aus dem Jahre 1978, Detroit, aufgestellt 2000 auf dem Vitra-Campus in Weil am Rhein

Alle modernen Kuppelzelte basieren auf den Forschungen von Bucky.

Buckminster Fuller entwickelte einen Wach-Schlaf-Rhythmus, der ihm erlauben sollte, die maximale Zeit wach bleiben zu können. Dieser sollte aus 30 Minuten Schlaf je 6 Stunden (also 2 Stunden von 24 Stunden) bestehen. Er soll diesen Rhythmus über 2 Jahre beibehalten haben. https://de.wikipedia.org/wiki/Polyphasischer_Schlaf

Bucky war einerseits sehr technisch orientiert und doch ist er ein zentraler Wegbereiter der Nachhaltigkeit.
Artikel der Zeitschrift WELT: Er sah ins All und entdeckte die Nachhaltigkeit

Kommen wir nun zu einem Schüler, Assistent und Projektpartner von Buckminster Fuller:

Rudolf Doernach

*1929

Rudolf Doernach (links) neben meinem Vater. Fotografiert von mir am 1. Mai 1988 im Rahmen einer gemeinsamen Wanderung.

„In Deutschland war es vor allem die Hochschule für Gestaltung in Ulm, die direkt (durch Rudolf Doernach) oder indirekt (durch Wachsmann) von Fullers Ideen beeinflusst wurde. Die Hochschule war Anfang der 50er Jahre als Nachfolgeinstitution des Bauhaus‘ ins Leben gerufen worden. Rudolf Doernach spielte dabei als Vorsitzender des Rektoriatskollegiums und „Fuller-Anhänger“ die Vermittlerrolle. Doernach hatte mit einem Stipendium in „Fullers amerikanischem Forschungslabor direkt mit ihm zusammengearbeitet“. Mit Studenten der HFG entwickelte er auf der Grundlage von Fullers geodätischen Prinzipien eine aneinanderreihbare Stabwerkskuppel auf quadratischen Grundriss. “ Zitat von http://literaturkritik.de/id/8220

Die Beeinflussung von Fuller in Bezug auf technische Strukturen, Schaumkunststoffen für Hausbauten sowie geodätische Kuppeln wandelte sich immer mehr in Richtung lebender Häuser. Dafür prägte Rudolf Doernach den Fachbegriff „Biotektur“. Rudolf schrieb viele Bücher und gab sehr viele Anregungen für die deutsche Ökologiebewegung.

Besonders hervorheben will ich dieses Buchpaar:

Handbuch für bessere Zeiten. Klett Verlag, Stuttgart 1983.

  • Bauen + Wohnen, Kleidung, Heimwerk, Wasser. ISBN 3-608-93048-5.
  • Nahrung, Tiere, Energie, Bio-Mobile. ISBN 3-608-93047-7.

sowie das Buch Pflanzenhäuser:

Rudolf Doernach gab den Impuls die Permakultur in Europa bekannt zu machen an Declan Kennedy:

 

Declan Kennedy

*1934

Einen der bedeutendsten Ansätze zur Vernetzung ökologischer Maßnahmen – der vom einzelnen Haus oder kleineren Siedlungen bis zur Planung ganzer Regionen reicht – lernten wir – meine Frau Margrit Kennedy und ich – 1981 kennen und brachten ihn bereits ein Jahr später von Australien nach Europa. Dieser Ansatz nennt sich „Permakultur“ (etwa „Dauer-Kultur“, aus der Zusammenfügung der englischen Worte permanent agriculture) und überträgt die Prinzipien geschlossener ökologischer Kreisläufe in der Natur auf die Planung menschlicher Siedlungen. Die Initialzündung dazu kam für uns durch Bill Mollison, den wir 1981, auf Anregung von Rudolf Doernach, nach Berlin eingeladen hatten.
Zitat von: http://declan.de/bill-mollison-mein-freund-und-lehrer/

Im Jahr 1986 las ich zuerst über Permakultur in einem Artikel von Declan und Margrit Kennedy. Daraufhin las ich die Bücher Permakultur 1 und 2 von Bill Mollison. Dorf fand ich einen einen Hinweis auf lebende Architektur und Rudolf Doernach:

So entschied ich mich 1986, im Alter von 20 Jahren, mein Leben der Erforschung von lebensfreundlicher Architektur, konkret: lebenden Häusern zu widmen. In den Jahren 1991 bis 1993 studierte ich Architekur und Stadtplanung an der Universität Stuttgart. Ich lernte auch das Institut für leichte Flächentragwerke von Frey Otto kennen, dort wo Rudolf Doernach auch gewirkt hatte. Da meine Entscheidung für lebende Architektur schon vor Studienbeginn getroffen war, fühlte ich mich oft in völlig fremder Umgebung. Laufend hörte ich von Stahl, Beton, Glas etc. und ich übersetzte in mir: Eiche, Buche, Hasel etc. Bei den Vorlesungen und Übungen überlegte ich laufend wie man die Konstruktionen in lebender Bauweise ausführen könnte. Selbstverständlich habe ich damals auch viel mit Kommilitonen gesprochen. Auch habe ich die Vision wachsender Häuser den Assistenten und Professoren kund getan, wenngleich dieses Ansinnen praktisch nie auf Interesse gestossen ist. Ein Assistent jedoch überraschte mich mit einer Kopie des Buches von Arthur Wiechula. So konnte ich erstmalig die Texte dieses Altmeisters studieren.

Fünf Jahre später lernte ich die Region Osthessen rund um Nentershausen kennen und lieben. Dort fand ich im darauffolgenden Jahr die passende Landfläche und begann 1993 mit der Anpflanzung mehrerer Prototypen. Für die Öffentlichkeit schrieb ich das Buch Naturbauten und Artikel in Zeitschriften. Später kam die Webseite dazu: www.naturbauten.org

Mein rebellisches Sein an der Uni in Stuttgart hat womöglich mitgewirkt, dass Jahre später dort in der Uni Stuttgart, im Institut Grundlagen moderner Architektur und Entwerfen IGMA, der Forschungsbereich Baubotanik entwickelt wurde.

Im Oktober 2007 kamen drei Studenten der Uni Stuttgart in meinen Garten zu Besuch:

Von links nach rechts: Oliver Storz, Ferdinand Ludwig, Hannes Schwertfeger

Seit 2010 sind  Hannes Schwertfeger und Oliver Storz aktiv im Bureau Baubotanik.

 

Ferdinand Ludwig

hat nach seiner Doktorarbeit den Weg zum Professor gewählt. Die genaue Bezeichnung lautet:

Professur für Green Technologies in Landscape Architecture
Fakultät für Architektur
Technische Universität München

http://www.ar.tum.de/de/gtla/professur/

Hier zwei Bilder seiner vielen Projekte:

Die geistige Verwandtschaft von Buckminster Fuller über Rudolf Doernach, Frei Otto, mir selbst bis hin zu Ferdinand Ludwig ist auch auf dieser Webseite dargestellt: http://www.gruenes-bauen.de/?p=262

So wünsche ich nun dem frischen Professor allzeit gutes Wachstum der lebenden Projekte. Mögen seine Studenten den Gedanken lebender Strukturen aufgreifen, umsetzen und weiter entwickeln hin zu einer immer lebendigeren Bauweisen.

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