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Sonntag 19. April 2020

Das Versagen der alternativen Medien

Vor ein paar Tagen fand ich bei heise.de einen Kommentar mit diesem Titel: „Das Versagen der alternativen Medien“

Beim Lesen dieser Überschrift fühlte ich sofort Zustimmung. Ich bin regelrecht entsetzt, was viele der sogenannten „alternativen Medien“ oder auch „freien Medien“ in den vergangenen Wochen sich geleistet haben. Auf mich wirkt es bei vielen wie der Versuch schnellstmöglich die mühsam aufgebaute Glaubwürdigkeit zu verlieren.

Ich muss nun wirklich nicht mit allem übereinstimmen, was in dem oben verlinkten Kommentar steht. Ich habe ihn ja auch nicht geschrieben. Gerne zitiere ich jedoch ein paar Passagen daraus:

Für viele ist es unvorstellbar, dass die Regierung ausnahmsweise etwas richtig macht.

Stattdessen mehren sich die Stimmen, die sich über die angebliche Hysterie beklagen: Corona sei nicht so schlimm, aber die Maßnahmen dagegen schon. Viele Publizisten können offenbar eine einfache Rechnung wie die obige nicht in eigener Denksouveränität nachvollziehen. Stattdessen beruft man sich auf Autoritäten wie ehemalige Lungenärzte, Klinikdirektoren oder emeritierte Professoren der Mikrobiologie und Virologie.

Frage: Wie viele Menschen mit vergleichbaren Titeln und Berufswegen gibt es wohl in Deutschland? Tausend? Zehntausend? Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, darunter 2-3 zu finden, die sich gerne interviewen lassen, ohne die rechnerischen Grundlagen der Epidemiologie zu verstehen? Ziemlich groß. Aber diese Überlegung beruht ja auch auf Mathematik, der ungeliebten Wissenschaft der Zahlen.

So lauschen Hunderttausende auf YouTube den eindringlichen Worten von Sucharit Bhakdi samt seinen „fünf Fragen“ an die Bundeskanzlerin, und ich bin froh, wenn sie besseres zu tun hat, als darauf zu antworten. Manche seiner Argumente wären sogar plausibel, ginge es darum, eine wissenschaftliche Arbeit zu verfassen. Aber der Professor lebt im Elfenbeinturm. Man kann nicht im Verlauf einer Pandemie, bei der wenige Tage über viele Menschenleben entscheiden, Wochen dauernde statistische Erhebungen einfordern.

Der Mann versteht nicht, worauf es ankommt. […] Bhakdi verlangt, dass Maßnahmen erst ergriffen werden, wenn die Gefährlichkeit des Virus gesichert sei. Was für ein Unsinn. Man muss vorsorgen, solange die Ungefährlichkeit nicht gesichert ist.

High Noon für Irrationalität

Man fragt sich eigentlich, warum die Feuerwehr noch ausrückt in Deutschland, so ganz ohne Datenbasis. Weiß man denn genau, ob das Gebäude überhaupt brennbar ist? Ob da Menschen drin sind, vielleicht sogar unter 80 Jahren? Ob der Rauch wirklich so giftig ist? Halten nicht die Menschen schon seit Jahrhunderten ein Lagerfeuer ganz gut aus? Dies ist leider die Art von Überlegungen, die im Moment auf den alternativen Nachrichtenportalen kursieren.

Am tiefsten in der faktenfreien Blase verhaftet ist das Magazin Rubikon, in dem man zum Thema Corona wirklich alles findet – vom Geschwafel über einen neuen Faschismus durch Corona bis hin zu menschenverachtenden Phantasien, die Alten könne man ja sterben lassen. Die Nachdenkseiten sind im Vergleich dazu eine Oase.

KenFM, ebenfalls von mir geschätzt, schreibt, Corona könne es nicht mit der Spanischen Grippe von 1918 aufnehmen. Schön, aber soll es das? Die illegalen Kriege des Westens im Irak, Afghanistan, Syrien, Libyen, Jemen usw., gegen die sich Jebsen in den letzten Jahren verdienstvoll positioniert hatte, konnten es auch nicht mit den Toten des Ersten Weltkriegs aufnehmen, aber was ist das für ein Argument?

Die alternative Blase

Ich erkläre mir das Phänomen so, dass sich diese Medien in einer ähnlichen Echokammer befinden, wie die von ihnen zu recht kritisierten Mainstreammedien.

In diesen Fällen [9/11, MH17, Syrien, Skripals, …] gab es jedoch regelmäßig geostrategische Interessen und plausible Motive im Hintergrund. Aber die Vorstellung, dass der US-Deep State plötzlich zusammen mit Trump, Putin, Xi Jinping, Modi und den Europäern eine „Corona-Hysterie“ inszeniert, um einen gemeinsamen geheimen Plan umzusetzen, ist doch ein bisschen paranoid.

Es ist nur schade, wenn sie sich in der jetzigen Ausnahmesituation durch ihr Weltbild, alles Böse komme von oben, weiter disqualifizieren. Denn wenn man eines Tages die Lehren aus Corona zieht – etwa die elementare Daseinsvorsorge dem System der kurzfristigen Profite zu entziehen, werden Stimmen gebraucht werden, die der neoliberalen Ideologie Paroli bieten. Dann könnte diesen Medien der Unsinn, den sie heute erzählen, auf die Füße fallen.

Jede Menge Leute sendeten mir in den vergangenen Tagen Emails um mich von Ihrem Weltbild überzeugen zu wollen. Mir scheint, das diese Leute zu viel Glauben an eben jene alternativen Medien aufgebaut hatten und nun weitere Gläubige finden wollen.

Sicher, eine Krise ist auch eine Chance. Alte Muster weichen auf, Neues kann so leichter geschehen. Es ist eine Zeit, in der man mit relativ wenig Aufwand viel beitragen kann für die zukünftige Entwicklung der Menschheit. Dumm nur, daß so viel dummes herum geschickt wird. Vor ein paar Tagen rief mich eine Bekannte nach längerer Pause mal wieder an und fragte ob ich denn immer noch ohne Whatsup und telegram bin. Ja, bin ich. Ich bin auch nicht bei facebook und habe weder Handy noch Smartphone (und will es auch nicht). Sie beschrieb mir, daß in den „sozialen“ Medien regelrechte Informationskriege laufen würden bezüglich Corona, bzgl. Verschwörungen und so weiter. Sie meinte, es sei grausam. Wenn ich mir vorstelle, daß ich nur einen Teil davon mitbekomme, weil ich ja nur indirekt ein paar Infobrocken davon mitbekomme, dann verstehe ich noch weniger, warum Menschen diesen „sozialen“ Datenmüll nicht einfach abschalten.

Ein krasses aktuelles Beispiel mag ich noch teilen:

Ein Leser meines Blogs beschwerte sich über Zitate von Frank McCormack und dem von ihm geschriebenen Handbuchs zur Corona Krise. Er beschwerte sich über angeblich hasserfüllte Formulierungen und meinte, das sei das „Allerletzte“. Natürlich hatte er keine fachlichen Argumente sondern verwies in einem seiner mehreren Schreiben auf die Quelle RKI (Robert Koch Institut) und behauptete, daß das RKI mitgeteilt hätte, daß der große Sturm an Neuinfektionen schon vorbei war als die Regierung den Shutdown beschlossen hätte. Der Email lagen zwei Bilder bei. Eins davon stammt von dieser Seite: https://t.me/oliverjanich/24629

Sicherungskopie des gefälschten Bildes: 

Mit diesem Bild will wohl Oliver Janich darstellen, daß seit dem 27.3. die Infektions-Reproduktionszahl schon unter 1 ist und der Lockdown seit 27.3. nichts gebracht hätte und das Problem sich eh schon gelöst hatte…

Nun, ich kenne Oliver Janich nicht persönlich und seine wenigen Youtube-Filme, die ich sah, fand ich noch nie ansprechend. Es mag ja sein, daß er eine nette und freundliche Zukunft will und daß ihn Lügen und Verschwörungen nerven. Ok, mag sein. Ich kenne seine Beweggründe nicht. Aber ein Bild vom RKI so derart zu verfälschen ist für mich Betrug oder zumindest bösartige Fälschung.

Ich will weder das RKI schönreden, noch behaupten, daß ich alles, was die Regierung macht, gut heiße. Nein, ich bin durchaus ein deutlicher Kritiker der Politik. Aber mit Lügen gegen angebliche Lügen anzustinken, das taugt doch nichts!

Zurück zum Bild: Es hat eine interessante Fußnote:

Die gestrichelten vertikalen Linien kennzeichnen den Start der in Tab. 1 (S. 15) genannten Maßnahmen am 9. März, 16. März und 23. März 2020

Nun, wenn man nur das umgemalte Janich-Bild hat, dann bringt einem diese Unterzeile nichts. Man muss das Original kenne. Das findet sich hier: https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Archiv/2020/Ausgaben/17_20_SARS-CoV2_vorab.pdf?__blob=publicationFile

Dort findet man die Seite 14  (auf Seite 5 der Datei) und dort die Abbildung 4.

Der Verweis in der Fußnote führt zu Seite 15 (Seite 6 der Datei), Tab 1
Und was findet sich dort? Ich zitiere:

Start der Maßnahme / Maßnahme
9. März / Absage großer Veranstaltungen in verschiedenen Bundesländern (bei über 1.000 Teilnehmer)
16. März / Bund-Länder-Vereinbarung zu Leitlinien gegen die Ausbreitung des Coronavirus
23. März / Bundesweit umfangreiches Kontaktverbot

Und damit ist klar, das das Abflachen der Kurve der Effekt EBENDIESES Lockdowns ist , der lange VOR dem von Oliver Janich angegebenen 27. März begonnen hat.
(Bei mir persönlich sogar schon Mitte/Ende Februar weil ich da schon ahnte, was auf uns alle zukommt. Ich ahnte jedoch nicht die wahnhafte Penetranz der Verharmloser)

Und der Oliver Janich will es so darstellen, als ob die Kurve sich abflacht vor einer Maßnahme?
Kann er nicht verstehen, daß er durch solchen Mist sich unglaubwürdig macht?

Dies nur als ein Beispiel.

Dann gibt es noch einen anderen Schreiber, den ich lange Zeit geschätzt hatte. Er wollte mir nun mehrfach sehr penetrant klar machen, daß es Viren eh nicht gibt und auch Infektionen nicht möglich seien. Alles sei Psyche und zu erklären über die 5 biologischen Naturgesetze. Zu diesen „Naturgesetzen“ hatte ich schon mal was geschrieben:
http://www.konstantin-kirsch.de/2020/03/es-ist-irrelevant-ob-viren-existieren-oder-nicht.html

Aber jegliche Infektion zu leugnen finde ich schon arg krass. Übers Telefon kann man sich jede Menge Schocks holen, aber davon hat meines Wissens nach noch keiner eine Infektionskrankheit bekommen. In direkten Begegnungen allerdings schon. Also, könnten wir bitte die Realität achten?

Passend zu der Lage auch ein paar schöne Zitate von Hadmut Danisch:

Eines möchte ich dabei auch mal klarstellen:

Ich lasse mir von diesem Staat meine Meinung nicht diktieren.

Genau das würde ich – insbesondere im informationstheoretischen Sinne – aber tun, wenn ich zwangsweise die Gegenmeinung zum Verkündeten einnähme. Dann nämlich würde mir der Staat meine Meinung vorgeben. Dann würde das, was morgens im Radio in den Nachrichten kommt, meine Meinung für den Tag festnageln.

Und ich lasse mir meine Meinung nicht diktieren. Weder folge ich irgendwelchen „mutigen Fachleuten” (zumal in meinen Augen mutig eher das Gegenteil von klug ist), noch irgendwelcher Staatsvorgabe. Zumal ich oft genug beschreiben habe, dass das Argument, dass irgendeine Autorität irgendwas sagt, bei Geisteswissenschaftlern, aber nicht bei mir zieht.

Also erstens mal bin ich vielleicht Rebell, aber nicht blind und nicht blöd. Ich bin nicht aus Prinzip gegen alles, was vom Staat kommt, weil es vom Staat kommt. Dann wäre ich bei den Linken oder den Rechten oder den Reichsbürgern oder irgendsowas.

Ich bin auch keineswegs gegen den Staat. Das ist ein Irrtum und ein Trugschluss. Im Prinzip bin ich für den Staat.

Ich bin gegen das Dumme, das Korrupte, das Verlogene.

Und das mag auf manchen den Eindruck erwecken, ich sei gegen den Staat, weil dieser Staat derzeit meistens dumm, korrupt und verlogen ist. Die Korrelation meines Rebellentums mit dem Staat als Gegner begründet aber keine Kausalität. Ich kämpfe nicht gegen diesen Staat, sondern gegen das Dumme, das Korrupte, das Verlogene an diesem Staat. Also nur fast alles. Aber nicht alles.

Das heißt auch, dass die Prüfung schwieriger ist.

Gegen etwas zu sein, weil es vom Staat kommt, ist leicht, weil die Prüfung darauf ziemlich einfach ist.

Gegen etwas zu sein, weil es dumm, korrupt oder verlogen ist, kann deutlich länger dauern, weil es nicht immer so einfach und leicht zu belegen und erkennen ist.

Zitate aus: https://www.danisch.de/blog/2020/04/12/ein-systemling/

Der Blog von Hadmut Danisch ist eine der ganz wenigen alternativen Medien, die auch in der aktuellen Lage nicht versagen. Man muß ihn nicht mögen, auch ich stehe lange nicht hinter allen seinen Wahrnehmungen und Aussagen. Aber das muss auch nicht sein. Er macht sich aktuell auf jeden Fall nicht zum Depp.

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