Vor einem Monat wurde ein Gespräch mit Prof. Gerald Hüther online gestellt, das ich jedoch erst vor kurzem gesehen habe.
Auch wenn in dem Film auf eine Veranstaltung hingewiesen wird, die nun schon vorbei ist, so bette ich das Gespräch dennoch hier im Blog ein, denn der Film ist meines Erachtens so wertvoll, daß man ihn zeitlos immer wieder wahrnehmen kann:
Link zum Video: https://www.youtube.com/watch?v=eVU1Zsa7f-M
Eine kleine Kritik will ich anmerken: Bei 1h:14min sagt Herr Hüther, daß das man in Zukunft das Speichern von Wissen im Gehirn nicht mehr brauchen würde weil das digitale Geräte besser könnten. Er meint, wir bräuchten mehr Freude am Denken. Der Freude am Denken mag ich zustimmen, nur wenn wir kein Wissen in uns gespeichert haben, dann können wir auch nicht gut denken. Außerdem machen wir uns komplett von Hightech und Strom abhängig wenn wir alles Wissen von digitalen Geräten abrufen müssten. Bei Stromausfall hätten wir dann auch einen Blackout im Hirn!
Ganz besonders krass wird es beim Fach Geschichte: Da wäre man ohne eigenes Wissen heillos ausgeliefert sobald neue Machthaber mal eben die Geschichte umschreiben. Das passierte bisher immer wieder durch das Drucken neuer Bücher, aber solange es noch Antiquariate gibt in denen man alte Bücher in physischer Form erstehen kann, kann man selber lesen, was früher gedruckt wurde (sofern man noch lesen kann). Die Umschreibung von Geschichte(n) hat ja mittlerweile schon Kinderbücher erreicht, wie beispielsweise Pipi Langstrumpf sowie Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer, weil die Original Geschichten von irgendwem als „diskriminierend“ empfunden würden. Siehe dazu diesen taz-Artikel: https://taz.de/Diskriminierende-Sprache-im-Kinderbuch/!5994195/
Wenn jedoch alles Wissen, alle Geschichte und alle Geschichten nur noch digital gespeichert wären, und jederzeit auf Abruf verfügbar sind und keiner sich mehr die Mühe im eigenen Hirn macht, sich Wissen zu merken, dann könnten neue Machthaber alles mögliche in kürzester Zeit umschreiben und sogar Zugriff auf frühere Textvarianten verweigern.
Dennoch stimme ich Herrn Hüther zu, daß das Pauken von Wissen, wie es bisher in Schulen gemacht wurde deutlich reformiert gehört. Viel wertvoller als gepauktes Wissen ist Erfahrungswissen. Wenn man beispielsweise statt der Geschichte, die ein Geschichtslehrer einem auftischt, selber los zieht um in Antiquariaten nach alten Büchern zu suchen um diese dann zu lesen, wenn man selber Ausgrabungsstätten besucht und mit Archäologen spricht, wenn man selber in Altenheime geht und mit hundertjährigen ins Gespräch kommt, dann speichert man auch Wissen aber eben nicht das vorgekaute, vorselektierte, vorverdaute Wissen, das einem in der Schule vorgesetzt wird.