Konstantin Kirsch

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Montag 30. November 2015

Speicherofen der Sonderklasse: Tigchel aus den Niederlanden

Seit wieviel Jahren heize ich mit Holz? Schlecht zu sagen, mindestens jedoch 25 Jahre. Wie lange heizt die Menschheit mit Holz? Schlecht zu sagen, aber sicher tausende an Jahren. Dieses Bedürfnis nach Wärme, nach Sonnenwärme im Winter, ist archaisch alt. Praktisch jeder ist fasziniert vom Feuer und genießt die gemütliche Wärme eines Ofens.

Wieso schreibe ich jetzt einen Blogeintrag für einen ganz speziellen Ofen? Nun, als ich von dieser niederländischen Ofenbauart vor einer Woche ein Flugblatt studierte spürte ich sofort: Hier ist (fast) alles anders (und besser!) als gewohnt!

So sieht das Tigchel-Meisterstück aus:

IMG_8847

Es gibt hunderte, wenn nicht sogar tausende an verschiedenen Kaminöfen zu kaufen. Praktisch jeder Baumarkt hat eine große Auswahl. Üblicherweise werden in diesen Öfen Holzbriketts verbrannt oder Hartholz-Scheitholz (zB Buche). Man muss jede Stunde etwas nachlegen, und verbraucht im Lauf des Winters richtig viel Holz… und damit auch Geld. So kann ein vermeintlich günstiger Ofen die Wärme (und damit das Geld) zum Kamin raus blasen…

Wie ist es nun beim Tigchel-Ofen?

Es wird auf einmal richtig viel Holz in die Brennkammer gegeben (je nach Modell bis zu 12 kg!).
Dabei werden die Holzscheite senkrecht gestellt und mit ganz wenig Anmachholz von oben angezündet!
Die Brennkammer ist recht hoch, seitlich sind Luftdüsen angebracht.
Oben endet die Brennkammer mit einer Doppel-Wirbelkammer.
Die Verbrennungstemperatur in der Brennkammer erreicht sehr hohe Temperaturen (laut Prospekt bis 1200°C).
Dadurch wird praktisch alle im Holz gespeicherte Energie freigesetzt.
Vorrangig wird billiges Weichholz verbrannt weil ein schnelles heißes Feuer gewünscht wird.
Durch die Effizienz von 85 bis 95% verbraucht man weit weniger Holz als mit anderen Öfen.
Die Heißluft fließt im vorderen Bereich des Ofens nach oben, dann seitlich nach unten, unter der Brennkammer kommen beide Seitenzüge wieder zusammen und dann geht es an der Rückwand wieder nach oben zum Schornstein.
Durch die vielen Schamotte Steine wird die Wärme gespeichert und langsam abgegeben.
Das Feuer brennt nur 1 bis 2 Stunden.
Je nach Modell und Raumgröße/Dämmung/Aussentemperatur dauert die Entladung der Wärme 8 bis 16 Stunden!
Es gibt vier Größen mit Raumheizvermögen 40 bis 115 m² sowie eine anbaubare Ofenbank.
Minimale Auswahl am Design: 15 verschiedenen Farben, verschiedene Ofentüren und Anschluss Ofenrohr oben/hinten, sonst nichts. Es zählt die optimierte Funktion und nicht der neueste Modeschrei an Design.
Tigchel-Speicheröfen sind Wärme-Öfen und keine Dauer-ins-Feuer-Guck-Öfen.
Statt heißen Stahloberflächen mit Aufwirbelung von verbranntem Staub produziert der Tigchel Speicherofen fast nur Strahlungswärme.
Der Tigchel-Speicherofen wird als Bausatz geliefert und kann selber zusammengefügt werden!
Es wird nichts gemörtelt und gemauert, alle Fugen (Nut und Feder) haben werkseitig angebrachte Dichtstreifen.
Durch diese Bauweise gibt es keine thermischen Spannungsrisse.
Man muss nicht warten bis Lehm/Schamotte nach dem Bau eines Kachelofens trocken ist.
Und: man kann den Ofen einfach wieder zerlegen und beispielsweise beim einem Umzug mitnehmen.
Sollte (wider Erwarten) mal ein Schamotte Stein in der Brennkammer einen Riss bekommen kann man den Ofen teilzerlegen, den kaputten Stein austauschen mit einem einzeln nachbestellten Ersatzstein. (dies geht bei gemauertem Ofen  nicht).
Weil er keine beeinträchtigenden Risse bekommen kann ist sogar eine Montage auf weniger stabilem Untergrund möglich (Holzbalkendecke / Schiffsdeck etc.) was bei gemauertem Grundofen nicht so ohne weiteres oder gar nicht  geht.

Die Brennkammer (Blick nach oben); gut sichtbar die Luftdüsen und die Wirbelkammer an der Decke:

IMG_8837Im Feuer-Betrieb:

IMG_8842
Sobald die Abgastemperatur 110°C erreicht hat wurde die Anheizklappe geschlossen so dass die seitlich liegenden Fallzüge in ihre Funktion kamen. Danach sank die Abgastemperatur auf erstaunlich niedrige 80°C!

IMG_8844
Aus mehreren Gründen finde ich diese Öfen besonders passend für die Menschen, die auf einem Familienlandsitz wohnen bzw. wohnen wollen:

Sehr sparsam im Holzverbrauch (spart Geld und spielt so den gehobenen Anschaffungspreis in ein paar Jahren wieder rein)
Optimal mit dünnem Weichholz, Fichte, Tanne, Weide, Pappel… es können auch trockene Äste sein, also mit dem Material was auf einem Landsitz immer nachwächst und beispielsweise aus der Heckenpflege gewonnen werden kann.
Bei den zwei großen Modellen geht eine maximale Scheitholzlänge von 60cm in den Ofen (weniger Sägeaufwand!).
Einmal heizen am Tag und durchgehend warme Stube (nur an ganz kalten Tagen 2x heizen). Dadurch mehr Zeit für den Garten.
Für alle, die noch keinen Landsitz haben: Man kann ihn in einer Mietswohnung aufstellen (sofern Schornstein passend und Decke stabil genug (Gewicht), bei einem Wechsel der Wohnung (zB durch Wechsel des Arbeitsplatzes) und später beim Umzug auf den Landsitz mitnehmen.

Weitere Beratung für diese herausragenden Speicheröfen gibt es bei Jan Bos: http://flammeundfeuer.com/tigchel.htm
(Jan ist im übrigen auch ein begeisterter Freund der Anastasia Bücher!)

****************

Wir bieten im Februar 2 Seminare zum Thema:

19.-21.Febr.  Seminar: Flamme und Feuer in Herd und Heim

26.-28.Febr.  Seminar: Wohlige Wärme für Haus und Hof

7 comments to Speicherofen der Sonderklasse: Tigchel aus den Niederlanden

  • Roland

    Interessante Sache … herzlichen Dank für den Hinweis, ich war auf der Webseite, hab mir auch das (coole) Aufbauvideo angeschaut, hab aber nirgendwo Preise gefunden (hab aber auch wenig Zeit gehabt). Darf ich fragen, was du für das Schmuckstück zwecks Energieausgleich an Werten getauscht hast?

  • Hallo Roland,
    selber habe ich leider noch keinen dieser Speicheröfen.
    🙁
    Der abgebildete perlweiße Ofen steht im Großraum Bremen-Hannover. Ich hatte die Ehre ihn besuchen zu können und mich daran zu wärmen.

    Wir planen über unseren Verein im Februar zwei Seminare anzubieten, in denen jeweils ein Tigchel Ofen aufgebaut wird. Dabei kann man sie dann hautnah erleben.
    🙂
    Noch stehen nicht alle Details für die Seminare fest, daher hier im Kommentar nur die Vorabinfo. Wir zielen auf die WE 19.-21. Febr. sowie 26.-28. Febr.

    Diese Speicheröfen kosten aktuell zwischen ca. 6.000 und ca. 10.000 Euro. Die in den Niederlanden gern gekaufte Farbe „mausgrau“ ist ein paar hundert Euro günstiger als andere Farben. Eine Ofenbank kostet grob 1.000 Euro extra. Ein optionales Backfach schlächt auch mit ca. 1000 Euro zu Buche, wobei ich es nicht empfehle, weil dann Speichermasse für das tägliche Heizen fehlt. Nur wer wirklich täglich den Backofen braucht, also jedes Mal beim Heizen, für den mag das ok sein. Ich würde bei Interesse am Backofen lieber einen Holz befeuerten Küchenherd neben dran stellen als einen Back-Einsatz im Tigchelofen zu kaufen. Wenn man den Ofen aufbauen lässt kostet dies ca. 500 bis 800 Euro extra. Diese Öfen liegen somit im Preis weit höher als Kaminöfen im Baumarkt, aber wir wollen auch keinen „Sportwagen“ mit einem „Dreirad“ vergleichen… Vergleichbar in der Effizienz und Speicherfähigkeit sind handwerklich gut gebaute Grundöfen, die allerdings erst im Preisbereich ab 20.000 Euro zu bekommen sind. Diese teuren Öfen sind fest mit dem Haus verbaut und können nicht mit umziehen. Handwerklich gemauerte Öfen müssen auf festem Boden (zB Betondecke) gebaut werden. Der Tigchel-Speicherofen kann (mit Sicherheits-Wärmeschutzplatte) auch auf Holzbalkendecken aufgestellt werden. Wenn diese Balkendecken sich bewegen, bewegen sich evtl. die Fugen des Ofens, aber dort sind Dichtbänder drin, also alles ok. Es gibt sogar Tigchel-Öfen, die in Schiffen eingebaut wurden!
    siehe: http://www.tigchelkachels.nl/previews/2009/8/20/media_42_14809_w1200_fit.jpg
    und: http://www.tigchelkachels.nl/previews/2015/8/6/media_42_265716_w1200_fit.jpg
    Man erkennt die Stahlbänder, die die Öfen an den Schiffen befestigen.

    Der Tigchel Speicherofen verbraucht grob gesagt nur die Hälfte an Brennholz im Vergleich zu Billig-Öfen. Dadurch spart er im Lauf der Jahre sehr viel Geld (oder Arbeit im Wald) ein.
    Es gibt auch noch eine Möglichkeit mit dem Ofen Geld zu verdienen:
    Sobald dieser Speicherofen bekannter geworden ist, dürfte es viele Kunden geben, die den Aufbau gerne machen lassen wollen, wenngleich es ein Selbstmach-Bausatz ist. Dann ist Jan Bos sicher dankbar wenn es weitere Hankwerker gibt, die er vermitteln kann, wenn ein Aufbau gewünscht ist.
    Hast Du diese Seite schon gesehen?
    http://www.tigchelkachels.nl/tigchelkachels/zelfbouw
    runter scrollen, dann Bilder ansehen. Dort kann man sehen, wie der Bausatz geliefert wird.
    Viele Grüße
    Konstantin

  • Roland

    Hallo Konstantin,
    Danke für die zusätzlichen Infos, im Moment brauch ich keinen, werd’s aber auf jeden Fall im Auge behalten. Der Preis ist gut, für so ein Gerät, darf aber wegen mir auch gern noch etwas runtergehen, wenn sich mal mehr Leute dafür interessieren.
    Grüße, Roland

  • sehr cool deine blogs!!!! gibts den tigchel auch wassergeführt? wenn ja gibts irgendwo daten dazu?? find mich auf der page da nicht zurecht…
    lg aus wien ch

  • Hallo Christian,
    auf alten englischen Webseiten zum Tigchel kann man noch Hinweise finden, dass es diesen Ofen mal mit einem Wassereinsatz gab. Jedoch gibt es das nicht mehr weil es nicht gut harmoniert hat. Der Tigchel soll Wärme speichern und diese möglichst gleichmäßig abgeben. Für Wassererwärmung sind Öfen besser, die schnell und gezielt dann Wasser erwärmen, wenn es gebraucht wird. Es gibt viele Möglichkeiten, vom Badeofen bis zum wasserführenden Heizungsherd. Ein weiterer Grund warum ich beim Tigchel auf einen Wassereinsatz verzichten würde, selbst wenn es ihn geben würde: Ich mag heizen können auch bei Stromausfall. Und bei Wassereinsatz braucht man eine Pumpe um die Wärme abzuführen, sonst kann es eine Wasserdampfexplosion geben. Von daher: Lieber zwei separate Feuerstellen kombinieren als alles mit einem Ofen machen wollen.
    Viele Grüße
    Konstantin

  • Tom

    Hallo Konstantin,

    kann man den Ofen einfach so erwerben, oder muss man ein Wochenendseminar besuchen? (böse gefragt: ist das ein Produkt wie jedes andere oder gibts das nur mit Weltanschauung dazu? es fällt auf, dass dieses Ofenkonzept sehr stark „eingeführt“ wird, d.h. die Vorrede dazu ist meist sehr aufwändig, z.B. Dein Beitrag im gelben Forum)
    Gibt es eine Freigabe nach BImSchV? Wie kann die sichergestellt werden, wenn sich jeder den Ofen selbst aufbaut? Und schließlich: gibt es bereits „normale“ Ofenstudios, Ausstellungsräume etc. wo man sich das Ding ankucken kann?
    Viele Grüße und vielen Dank
    Tom

  • Hallo Tom,
    mit Holz sparsam und angenehm zu heizen kann durchaus als Weltanschauung gesehen werden. In diesem Sinne gibt es jeglichen Ofen, auch Baumarkt-Öfen, nur mit Weltanschauung, und zwar mit der Weltanschauung: „mit Holz heizen“.

    Kein Produkt, egal welches, ist wie „jedes andere“. Wenn Du meinst ich würde ein Ofenkonzept „einführen“, dann ist das eine interessante Wortwahl. Den Tigchel-Ofen gibt es seit 30 Jahren. Also eine „Einführung“ ist für mich was anderes.

    Jeglicher Ofen muss sachgerecht aufgestellt werden von jemandem der dies kann und richtig macht. Die Frage nach Ofenstudios kann ich nicht beantworten weil ich kein Händler des Ofens bin. Frag doch den Handelsvertreter Jan Bos: http://flammeundfeuer.com/impressum.htm

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