Fragen an Konstantin

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Mittwoch 6. November 2019

Die Wahrheit über Selbstversorgung

Gestern wurde mir ein Film empfohlen, den ich gerne als kontroverse Stellungnahme hier einbette.

Es um die Frage ob man mit Selbstversorgung aus dem Garten sich, bzw. eine Familie ernähren kann.
Der Film ist im Selbstversorgerkanal bei Youtube erschienen und behandelt die Menge an Kalorien, die bei Anbau von vegetarischer Nahrung geerntet werden können. Das interessante Ergebnis, was ich mal vorweg nehme, ist, daß allein die Walnüsse 10% der geernteten Kalorien ausmachten. Von manchem Gemüse müsste man mehr essen, als man essen kann um auf die nötigen Kalorien zu kommen. Sehr kalorienreiche pflanzliche Nahrungsmittel wie Getreide oder Rapsöl kann man schlecht im eigenen Garten anbauen und ernten.

Zitat aus dem Film:

Ernte: 1326 kg
665000 Kalorien
1,82 kg verwertbarer Nahrung pro Person und Tag.
Mehr als man essen kann und trotzdem lange nicht genug um davon leben zu können.
Es fehlen die kalorienreichen Lebensmittel.
Diese lassen sich aber nur schwer selbst produzieren.
Ich habe es versucht 🙂

Hier der Blogeintrag zum Film:
http://www.neulichimgarten.de/blog/dies-und-das/die-wahrheit-ueber-selbstversogung-aus-dem-garten/

Interessant finde ich, daß der Autor Ralf Roesberger den Hinweis auf die Walnüsse gibt, dann aber nicht weiter auf den Anbau von Nüssen eingeht.
Es gibt jedoch weit mehr Nussarten, die interessant sind für die Selbstversorgung:

Kalorien je 100 Gramm:
Walnuss 654
Bucheckern 576
Eicheln 509
Haselnüsse 628
Mandeln 575
Esskastanien 192
Pekannüsse 703
Zedernnüsse 667

Darüber hinaus gibt es noch Butternuss, Herznuss etc.

Bei russischen Zedernbäumen (Pinus sibirica) kann es ein paar Jahrzehnte dauern bis sie überhaupt tragen. Den vollen Ertrag bekommen sie in höherem Alter (160-260 Jahre), dafür können Zedernbäume durchaus 800 Jahre alt werden, wenngleich nach 500 Jahren der Ertrag stark zurück geht.

Pro Baum können 1-5 kg, pro Hektar und Jahr 200 bis 300 kg geerntet werden, in ganz besonders guten Jahren auch 500 bis 2000 kg.

Nehmen wie einmal an, daß 2 kg pro Baum geerntet werden können, dann sind das grob 13000 Kalorien. Das reicht für einen Menschen für eine Woche. Wenn man alle benötigten Kalorien alleine nur von Zedernnüssen ernten wollte, dann bräuchte man dafür also pro zu versorgendem Menschen ca. 50 Bäume. Bei einem Flächenbedarf von ca. 30 m² pro Baum ergibt dies eine Gesamtfläche von 1500 m². Nicht berücksichtigt ist dabei, daß unter den Bäumen noch Gras und Kräuter wachsen können von denen wiederum Nutztiere (z.B. Hühner und Schafe) leben können. Auch ist eine alleinige Zedernnuss-Ernährung sicher nicht sinnvoll.

Ein weiteres erwähnenswertes Lebensmittel ist Honig mit ca. 300 Kalorien pro 100 Gramm, also 3000 pro kg. Den Jahresbedarf an Kalorien kann man von grob 250 kg Honig bekommen, was der Ernte von 5 bis 10 Bienenvölkern entspricht. Man kann übrigens bis zu 1000 kg Honig von einem Hektar ernten kann (z.B. bei blühenden Linden).

Insofern sehe ich die Möglichkeit der Selbstversorgung nicht so kritisch wie im Film, jedoch bitte nicht nur mit Anbau von Gemüse, sondern kombiniert mit Nüssen, Honig, Eiern, Milch, Pilzen etc.

Sonntag 20. Oktober 2019

Wir sind Geschöpfe des Waldes (Vortrag)

Ein neuer Vortrag von Wolf-Dieter Storl:

 

Dazu passend gibt von ihm ein Buch (Klick aufs Bild führt zu amazon):

 

Dazu passend ist auch das Buch ‚ewiger Wald‘ von R.H. Francé (Klick aufs Bild führt zum Waldgartendorf-Shop):

Samstag 19. Oktober 2019

Agroforst im Klimapaket (2)

Vor knapp einem Monat schrieb ich schon mal vom Klimapaket und einem Hinweis auf Bäumen in der Landwirtschaft.
Der damalige Text waren die Eckpunkte, man kann auch sagen, es war der Textentwurf.

Im nun beschlossenen:

Klimaschutzprogramm 2030
der Bundesregierung
zur Umsetzung des
Klimaschutzplans 2050

taucht nun an zwei Stellen direkt das Wort „Agroforstsysteme“ auf:

Seite 128, Punkt: 3.4.7.1 Humuserhalt und -aufbau im Ackerland

Folgende Maßnahmen sollen Humusaufbau und seinen Erhalt
fördern:

Ausbau der Förderung zur Anlage von Gehölzstreifen,
Feldgehölzen, Hecken, Knicks und Alleen, z. B. mit
Obstbäumen, vor allem an Feldrändern, sowie von Agroforstsystemen,

Seite 129, selber Punkt wie oben, der Fazit des Themas:

Fazit
Im Hinblick auf die Erhaltung der Bodenfruchtbarkeit und als Vorsorgemaßnahme gegen den Klimawandel ist die Humuserhaltung und – wo dies möglich und sinnvoll ist – die Steigerung der Humusgehalte zu unterstützen. Gefördert werden sollten vor allem Bildung und Beratung, um die Bodenpflege im Eigeninteresse der Flächenbewirtschafter zu stärken. Dazu gehören auch Innovationsnetzwerke zur Erprobung und Wirkungsabschätzung für Maßnahmen zur Humusanreicherung und zum dauerhafteren Einbau in den Boden.
Als flächenbezogen geförderte Maßnahmen sind Zwischenfruchtanbau, Agroforstsysteme und ökologischer Landbau zu nennen.

Donnerstag 17. Oktober 2019

kann denn Ultraschall gefährlich sein?

Vor Jahren war ich einmal bei einem Hautarzt, weil eine Wunde zögerte auszuheilen. Praktisch umgehend war der Arzt mit seinem Ultraschallgerät an meinen Nieren um zu sehen ob diese gesund sind. Nun, es mag ja medizinisch passend sein, das kranke Nieren zu Schwierigkeiten führen können, auch bei Selbstheilungsvorgängen der Haut. Nur hatte ich gar keine Ultraschalluntersuchung gewünscht und es wurde mir vorab auch nicht erklärt warum das gemacht wurde. Ich hatte und habe nun allerdings keine Sorge, daß mir dabei etwas passiert sei, mich störte eher das Verhalten, was ich als übergriffig empfand.

Anders scheint es zu sein mit Ultraschall bei Ungeborenen. In wenigen Monaten (Ende 2020) wird die Anwendung von Ultraschall bei Schwangeren verboten (Ausnahme sind medizinisch nötige Untersuchungen). Wer schon mal mitbekommen hat, wie lange es dauern kann bis Gesetze verabschiedet sind, kann einschätzen, daß es in Fachkreisen schon sehr lange bekannt ist, daß Ultraschall ungünstig bis störend für Ungeborene ist.

Im zukünftig geltenden Gesetz heißt es ganz knapp:

Bei der Anwendung von Ultraschallgeräten zu nichtmedizinischen Zwecken darf ein Fötus nicht exponiert werden.
§10, NiSV, https://www.buzer.de/10_NiSV.htm

Wie sieht im Gegensatz dazu die aktuell gelebte Realität vieler Schwangerer aus?

Regelmäßige Ultraschalluntersuchungen sind Standard, Man kann sogar bei ebay für sehr wenig Geld Ultraschallgeräte für die Selbstanwendung kaufen um beispielsweise die Herztöne wahrnehmbar zu machen. Bei ebay-Kleinanzeigen fand ich soeben ein Angebot für unter 10 Euro! Mit verführerischen Produktnamen (beispielsweise „AngelSound“ = Engel-Klang) werden Produkte angeboten, mit denen ab dem 4. Schwangerschaftsmonat die Herztöne des Nachwuchses hörbar gemacht werden. Auf der Webseite eines Herstellers steht beispielsweise:

Das Wunder der Schwangerschaft noch intensiver erleben– mit dem beliebten AngelSounds Fetal Doppler entdecken Sie die ersten bewusst wahrnehmbaren Geräusche Ihres Babys. Lauschen Sie dem kleinen, pochenden Herzen und genießen Sie dieses unbeschreibliche Gefühl den Herzschlag Ihres Babys zu hören bevor Sie Ihr ungeborenes Kind spüren können.
Quelle: https://www.angelsounds.de/

Auf einer anderen Webseite wird dieses Gerät getestet und dort findet sich beispielsweise diese Aussage:

Die Suche nach der richtigen Stelle kann zu dem frühen Stadium der Schwangerschaft eine kleine Weile dauern, weil der Embryo noch sehr viel Platz im Uterus hat und sich gut verstecken kann. […] Hat man den Herzschlag aber erst einmal gefunden, ist es ein unbeschreibliches Gefühl, dieses Erlebnis jederzeit auch mit dem Partner, der Familie oder guten Freunden teilen zu können. Man kann die Herztöne alleine über Kopfhörer hören oder aber auch Lautsprecher anschließen. Mit dem mitgelieferten PC-Kabel kann man die Töne auch direkt am PC aufnehmen. Man hört übrigens nicht nur den Herzschlag des kleinen Zwerges, sondern auch, wenn er sich bewegt. Dabei kann es vorkommen, dass er aus dem Hör-Bereich verschwindet und man nochmal neu nach ihm suchen muss.
Quelle: https://www.familie.de/schwangerschaft/angelsounds-im-test-ultraschall-fetal-doppler-512597.html

Die von mir hervorgehobenen Formulierungen:
+ Lauschen Sie
+ eine kleine Weile dauern
+ jederzeit
+ und man nochmal nach ihm suchen muss
regen meiner Wahrnehmung nach an, häufig und über längere Zeit das Gerät anzuwenden. Es klingt so, als ob es einfach nur nett, süß, schön und harmlos ist. Das suggerierte Thema lautet: „Ein Wunder der Technik, die ja so lebensverbessernd ist.“

Gleichzeitig werden Schwangere laufend gefragt, ob es denn ein Junge oder ein Mädchen wird. Und die Fragenden sind ganz verwundert, wenn die werdende Mutter antwortet: ein Baby (weil sie mehr nicht weiß, solange weder Ultraschall gemacht wurde noch die Geburt schon geschehen ist). Es wird quasi davon ausgegangen, daß Schwangere ihren Bauch mit Ultraschall untersuchen lassen.

Doch wie sieht es medizinisch aus?

Es gibt vom Verein Greenbirth e.V. beispielsweise eine Stellungnahme vom Juni 2018 zum Referentenentwurf einer Verordnung zur weiteren Modernisierung des Strahlenschutzrechts. Darin findet man auf Seite 4/5:

Wissenschaftlich nachgewiesene Wirkungen des Ultraschalls
Eine Übersicht der potentiellen unerwünschten Wirkungen von Ultraschall auf den Embryo oder
Feten findet sich bei Linderkamp (2017). Schädigungen können von mechanischen Vibrationen, akustischen
Reizungen und Temperaturanstieg des beschallten Gewebes ausgehen. Das empfindliche Gewebe des
Embryos und Feten kann durch die Vibrationen zerreißen. Ein Temperaturanstieg von 2°C gilt als kritisch
für das Ungeborene (Harris et al. 2016). Dieser Temperaturanstieg wird bei Anwendung von Farb-DopplerSonographie
innerhalb von 1 Minute erreicht (Helmy et al 2015). Direkte Gewebeschädigungen wurden nur
tierexperimentell nachgewiesen. Es gibt aber keinen Grund anzunehmen, dass sie beim ungeborenen Kind
nicht auftreten können.
Folgen von Gewebeschädigungen können Blasenbildungen (Cavitationen), insbesondere im Gehirn
nahe der Schädeldecke, sein. Tierexperimentell wurde gezeigt, dass Ultraschall die sog. Migration der Nervenzellen
im Gehirn hemmt (Ang et al. 2006). Die Wanderung der Nervenzellen ist eine wichtige Voraussetzung
der Gehirnentwicklung. Möglicherweise erklären sich hierdurch auch geringere Hirnzellzahlen im
Hippokampus, dem Zentrum von Gedächtnis und Lernen (Suresh et al 2008). Männliche Mäuse zeigten als
Folge von Ultraschall Verhaltensänderungen, die dem menschlichen Autismus ähneln (McClintic et al.
2014).
Untersuchungen potentiell schädigender Wirkungen von pränatalen Ultraschall-Untersuchungen auf
Kinder erfolgten überwiegend retrospektiv durch Vergleich von Kindern, die unterschiedlich häufig vor der
Geburt Ultraschall ausgesetzt wurden. Eine australische Studie verglich die Geburtsgewichte von Kindern,
die pränatal nur einmal mit 18 Wochen ohne Doppler bzw. die mehrmals mit Ultraschall (18, 24, 28, 34, 38
Wochen) einschl. Doppler-Ultraschall untersucht wurden. Das Körpergewicht der Kinder mit intensiver prä-
nataler US-Diagnostik war bei der Geburt geringer als bei den Kindern mit einmaliger Untersuchung (Newnham
et al. 2004). Eine italienische Studie verglich Kinder, die pränatal 3-mal bzw. 9-mal und öfter Ultraschall-Diagnostik
erhielten. Das Geburtsgewicht der häufig untersuchten Kinder war im Mittel 121,5 g niedriger
(Bellieni et al. 2005). Die Abnahme des Geburtsgewichts durch Ultraschall kann auf eine erhebliche
Störung hinweisen. Hierfür spricht, dass in der australischen Studie die Kinder mit häufiger Ultraschall-Exposition
ein erhöhtes Risiko zu Entwicklungsstörungen aufwiesen (Newnham et al. 2004).
Besondere Beachtung finden Untersuchungen möglicher Zusammenhänge der Entstehung einer Autismus-Spektrum-Störung
mit der pränatalen Ultraschall-Exposition, da die Häufigkeit dieser Entwicklungsstörung
in den letzten Jahrzehnten parallel zur steigenden Ultraschallintensität, der die Kinder vor der
Geburt ausgesetzt werden, zugenommen hat. Eine US-amerikanische Studie zeigte, dass Jungen mit einer
genetischen Veranlagung zu Autismus durch pränatalen Ultraschall ausgeprägtere Autismus-Symptome entwickelten:
Erfolgte eine Ultraschalluntersuchung im 1. Trimenon, waren Störungen des verbalen IQ, des
sozial-affektiven Verhaltens und der Neigung zu repetitivem Verhalten ausgeprägter als bei Kindern ohne
Ultraschall im 1. Trimenon (Webb et al. 2017). Eine kürzlich erschienene Studie des Boston Medical Centers
ergab, dass das Risiko zu Autismus steigt, wenn pränataler Ultraschall im 1. und 2. Trimenon besonders tief
in das ungeborene Kind eindringt (Rosman et al. 2018). Ein Zusammenhang von Ultraschallbelastung (bes.
im 1. Trimenon) und der Entwicklung von Autismus ist nach diesen beiden Studien äußerst wahrscheinlich
geworden (s. Zeitschrift für Geburtshilfe und Neonatologie April 2018: „Pränatalsonografie: Fetale Hirnschäden
nicht auszuschließen“).
Auch wenn weitere Untersuchungen keinen Effekt von pränatalem Ultraschall z.B. auf die Entstehung
von Psychosen, Leukämien, Hirntumoren ergaben, muss betont werden, dass die veröffentlichten Untersuchungen
mit Geräten geringerer Schallintensität durchgeführt wurden als heute üblich. Die tierexperimentellen
Folgen von pränatalem Ultraschall und die Studien, die beim Menschen gravierende Folgen von
pränatalem Ultraschall ergeben haben, müssen in Anbetracht der heute üblichen wesentlich höheren Ultraschall-Intensitäten
zu einer Begrenzung der pränatalen Ultraschallbelastung veranlassen. Pränatale Ultraschall-Diagnostik
muss unbedingt den sog. ALARA-Prinzipien folgen (“as low as reasonably achievable”-
„so gering wie vernünftigerweise erreichbar”). D.h., pränataler Ultraschall darf nur nach gesicherter Indikation,
so selten und so kurz wie möglich und mit der geringsten Strahlenbelastung erfolgen.
Die berechtigte Sorge vor Schädigung des ungeborenen Kindes durch Ultraschall hat insbesondere
in den angelsächsischen Ländern zu entsprechenden Empfehlungen der staatlicher Stellen und Fachgesellschaften
geführt (s.o.). Das Bundesministerium für Umwelt forderte schon vor Jahren begleitende experimentelle
und epidemiologische Studien zu Auswirkungen von pränatalem Ultraschall (Blettner et al. 2003),
selbst bei geringerer Intensität als heute üblich.
Quelle: https://www.bmu.de/fileadmin/Daten_BMU/Download_PDF/Glaeserne_Gesetze/19._Lp/artikelvo_strlsch/Stellungnahmen/artikelvo_strlsch_180530_stn_greenbirth_bf.pdf

Im Januar 2019 gab der Verein Greenbirth e.V. eine Presseerklärung zum Thema heraus:

„Wunsch-Ultraschall“ wegen kindlicher Gesundheitsbelastung ab 2021 gesetzlich untersagt. […]
Alle diese über die medizinisch notwendigen Anwendungen hinausgehenden Schallexpositionen der ungeborenen Kinder sind ab 2021 gesetzlich untersagt und gelten als Ordnungswidrigkeit.
Quelle: https://www.greenbirth.de/images/_PE_Verordnung_Ultraschall_17.1.2019.pdf

Sehr interessant fand ich einen Artikel von der Hebamme Kirsten Proppe:

Ultraschall – die verkannte Gefahr einer fehlgeleiteten Geburtsmedizin

Aus dem Artikel zitiere ich die letzten zwei Spalten:

„Es ist Zeit wieder von vorne anzufangen. Wir sind auf dem falschen Pfad.“
Hierzu braucht es Grösse, die eigenen Fehler zu erkennen und einzugestehen. Genau dies muss die Geburtsmedizin von heute tun. Sie muss sich eingestehen, dass sie sich auf Techniken verlässt, die wenig nützen und viel schaden.
Es sollte immer der Schutz von Mutter und Kind an erster Stelle stehen und nicht das Bedürfnis der Mediziner, den Prozess zu kontrollieren.
Noch nie war die Geburtshilfe so angstbesetzt wie heute.
Dabei ist Angst der größte Feind einer natürlichen Geburt und verhindert, dass wir die wahren Gesetzmässigkeiten einer natürlichen Geburt entdecken. Wer einmal erfahren hat, dass 95% aller Frauen völlig natürlich ohne Eingriffe gebären können, wenn man sie lässt und sie richtig unterstützt, der merkt, dass in unserer Klinikgeburtshilfe etwas faul ist.
„In Deutschland, Österreich und der Schweiz bringen zur Zeit nicht viel mehr als 5% der Frauen ihre Kinder ohne eine der obskuren geburtsmedizinischen Prozeduren zur Welt, obwohl bei gegebenen sozialen und hygienischen Verhältnissen zumindest 95% spontan und autonom gebären könnten und in höchstens 5% geburtsmedizinische Massnahmen vonnöten wären. Was 90% der Frauen als medizinische Erleichterung vorgegaukelt wird, ist nicht nur überflüssig, sondern auch als prekär und schädlich zu betrachten.“ sagt Prof Dr. Rockenschaub.
Wenn wir also wirklich das Beste für unsere Kinder wollen, müssen wir neue Wege gehen, weg von der Geburtsmedizin hin zur natürlichen Hebammen-Geburtshilfe.
Dies geht nur mit Hochachtung und Demut vor der Schöpfung und mit Liebe für das neue Leben und Respekt für all die Frauen, die neues Leben hervorbringen.
Wenn wir uns unsere wunderschöne Erde gut betrachten, so sehen wir, dass die massiven Probleme, die wir heute in Form von Gewalt und Terror oder Zerstörung der Natur haben, das Ergebnis sind einer mangelnden Liebesfähigkeit der Menschen für Mitmensch, Tierwelt und Natur.
Das Überleben unseres Planeten und somit auch das Überleben der Menschheit wird aber entscheidend davon abhängen wie die Menschen ihre Fähigkeit, das Leben zu lieben, zu respektieren und zu schützen, entwickeln werden.
Wie Michel Odent in seinem Buch „Wurzeln der Liebe“ gut beschreibt, entfaltet sich diese menschliche Liebesfähigkeit bereits in einem einzigartigen Zeitfenster während der Schwangerschaft, Geburt und der ersten Lebensmonate.
Das bedeutet, dass uns als Hebammen und GeburtshelferInnen eine weitaus größere Aufgabe zukommt, als wir im Allgemeinen annehmen.
Die moderne Geburtsmedizin konzentriert sich leider fast ausschliesslich darauf, Mutter und Kind medizinisch intensiv zu über wachen, um mögliche Risiken vorzeitig zu erkennen und eingreifen zu können in einen natürlichen Prozess, dessen Gesetzmässigkeiten oft nicht verstanden werden.
Dabei sind viele Probleme hausgemacht als Folge übertriebener Kontrollen und unnötigen Eingreifens, motiviert aus der Angst, es könnte etwas schief gehen.
Besonders der Ultraschall und das CTG, deren Unschädlichkeit nie bewiesen werden konnte, haben die Geburtshilfe stark technisiert und den berührenden Kontakt mitfühlender Hebammen und GynäkologInnen verdrängt, mit fatalen Folgen für Mutter und Kind.
Heute brauchen Kinder stärker als je zuvor das Vertrauen in sich selbst, um wirklich auf diesem Planeten etwas Positives bewirken zu können. Und es liegt auch in unseren Händen, ihnen dieses Vertrauen bei ihrem Eintritt ins Leben zu geben. Dies können wir aber nur, wenn wir unser eigenes Vertrauen in die Gesetze der Natur und die Fähigkeiten von Mutter und Kind stärken. Je sanfter und liebevoller wir unsere Kinder auf der Erde empfangen, um so liebevoller werden sie mit allem Leben umgehen..
Quelle: https://www.greenbirth.de/images/proppe_kirsten_ultraschall_die_verkanntegefahr.pdf

Seit langem berührt mich genau dieses Thema, ich wiederhole aus obigem Zitat:

Das Überleben unseres Planeten und somit auch das Überleben der Menschheit wird aber entscheidend davon abhängen wie die Menschen ihre Fähigkeit, das Leben zu lieben, zu respektieren und zu schützen, entwickeln werden.

Passend dazu fällt mir gerade ein Lied ein:

Alles muss klein beginnen

Alles muss klein beginnen,
lass etwas Zeit verrinnen.
Es muss nur Kraft gewinnen,
und endlich ist es groß.

Schau nur dieses Körnchen, ach man sieht es kaum,
gleicht bald einem Grashalm. Später wird´s ein Baum.
Und nach vielen Jahren, wenn ich Rentner bin,
spendet er mir Schatten, singt die Amsel drin:

Alles muss klein beginnen,
lass etwas Zeit verrinnen.
Es muss nur Kraft gewinnen,
und endlich ist es groß.

Schau die feine Quelle zwischen Moos und Stein,
sammelt sich im Tale, um ein Bach zu sein.
Wird zum Fluß anschwellen, fließt zur Ostsee hin,
braust dort ganz gewaltig, singt das Fischlein drin.

Alles muss klein beginnen,
lass etwas Zeit verrinnen.
Es muss nur Kraft gewinnen,
und endlich ist es groß.

Schau die leichte Flocke, wie sie tanzt und fliegt
bis zu einem Ästchen, das unterm Schnee sich biegt.
Landet da die Flocke und durch ihr Gewicht,
bricht der Ast herunter und der Rabe spricht:

Alles muss klein beginnen,
lass etwas Zeit verrinnen.
Es muss nur Kraft gewinnen,
und endlich ist es groß.

Manchmal denk ich traurig: Ich bin viel zu klein!
Kann ja doch nichts machen! Und dann fällt mir ein:
Erst einmal beginnen. Hab ich das geschafft,
nur nicht mutlos werden, dann wächst auch die Kraft.

Und dann seh ich staunend: Ich bin nicht allein.
Viele Kleine, Schwache stimmen mit mir ein:

Alles muss klein beginnen,
lass etwas Zeit verrinnen.
Es muss nur Kraft gewinnen,
und endlich ist es groß.

Gerhard Schöne, CD 1 (1988) „Du hast es nur noch nicht probiert“, Titel 11

Samstag 12. Oktober 2019

Zome-Kuppeln

Seit Jahren kenne ich geodätische Kuppeln. Bekannt wurden sie insbesondere durch Buckminster Fuller seit grob 80 Jahren.
https://de.wikipedia.org/wiki/Geod%C3%A4tische_Kuppel

Diese Kuppeln brauchen relativ wenig Material und sind sehr stabil.

Neu für mich sind sogenannte ZOME-Kuppeln. Der Kunstbegriff ‚Zome‘ stammt aus der Verbindung vom ‚zonohedron‘ und ‚dome‘.

Bei den Geodätischen Kuppeln sind die Felder dreieckig, bei den Zomes sind sie zumeist viereckig.

In der Schweiz gibt es den Bauingenieur Kai Rosit, der sich schwerpunktmäßig mit Zome-Kuppeln beschäftigt.

Zwei Bilder seiner Webseite:

Hier seine Webseite: http://kugelblick.org/zome/

 

*********

Für den Modellbau eignet sich ganz besonders gut das sogenannte ‚Zometool‘. Ein Stecksystem, das viel mehr ist als Spielzeug. Zometool verbindet auf geniale Weise Mathematik, Wissenschaft, Natur, Kunst, Architektur und Forschung.

https://www.zometooleuropa.de/

Von kleinsten bis großen Strukturen ist vieles möglich. Ich habe es ausprobiert und kann es sehr empfehlen. Hier zwei Bilder für einen ersten Eindruck:

Bildquelle: https://www.zometooleuropa.de/s/cc_images/teaserbox_2456597743.jpg?t=1425390098

Dieses Gebäudemodell hat beispielsweise mehrere Zome-Kuppeln:

Bildquelle: https://www.sciencecompany.com/Assets/ProductImages/nc13027n-lg-B.jpg
Samstag 12. Oktober 2019

Wir Klimalügner

Heute habe ich einen Artikel entdeckt, geschrieben von Sven Böttcher, den ich so interessant finde, daß ich ihn hier wiedergebe. Ich konnte nicht alle Angaben im Artikel überprüfen. Ich stimme auch nicht mit allen Ansichten des Textes überein. Insofern ist der Text unter Vorbehalt einer Nachprüfung zu sehen. Ganz am Ende kündigt der Autor einen Folgeartikel an, gewissermaßen einen Lösungsansatz zu dem dargelegten Problemgefüge. Er schreibt von einer neuen „Erzählung“, von einer neuen „Story“:

Aber es ist nicht getan mit Korrekturen mit der Nagelschere, es bedarf schon etwas größerer Geräte. Beziehungsweise einer neuer Erzählung.

Hier noch als Zitat das Ende der Artikels:

Einen Vorschlag für die Erzählung liefere ich gern zeitnah nach, sofern nicht jemand schneller ist. Ich bin aber sicher, dass die Story längst da ist. Es muss sie nur noch jemand mitreißend erzählen.

Der Autor will den Kapitalismus beerdigen und ein „ernstlich gestörten Grüppchen von höchstens 10 Prozent vertreiben“. Wohin er diese Menschen vertreiben will, schreibt er allerdings nicht. Genauso wenig schreibt er wie denn eine Vertreibung überhaupt eine Lösung bringen kann. Widersprüchlicherweise schreibt der Autor direkt davor von Kooperation und Zusammenhalt. Ich sehe einen Lösungsansatz für die im Text genannten globalen Probleme in Landsitzen für alle Menschen und als Story, als Erzählung, dienen meiner Beobachtung nach die Anastasia-Bücher sehr gut. Mitten im Text scheibt der Autor ein klein wenig vom Leben auf dem Lande:

Wir müssten dann nur zwei Mal im Jahr alle auf die Felder, …
[…] Keine Sorge, niemand will das. Noch nicht.

Und vielleicht ist die Kritik, die die Anastasia-Bücher in der Vergangenheit bekommen hatten, darauf zurück zu führen: „Noch“ wollen die wenigsten der Wahrheit ins Gesicht schauen und raus aufs Land.

Nun, ich wollte diese einleitenden Worte schreiben, um klar zu machen, der Text ist nicht aus meiner Feder und ich sehe einiges anders. Trotzdem ist meines Erachtens der Text wert gelesen zu werden. Er ist im übrigen lizenziert unter CC BY-NC-ND 4.0

Hier noch der Link zum Artikel: https://www.rubikon.news/artikel/wir-klimalugner

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Wir Klimalügner

Die Krone der Schöpfung macht sich abdankend zum Affen und debattiert erbittert Banalitäten, während sie dem eigenen Untergang entgegenrast.

Die aktuelle Situation ist doch viel ernster. Zwar ist die Erde schon fünfmal weitgehend ausgestorben, hat also zwischen 50 und 80 Prozent ihrer Bewohner verloren — und beileibe nicht immer wegen kosmischer Kiesel, vulgo Asteroiden. Erderwärmung und CO2waren zuletzt vor 250 Millionen Jahren Ursache für einen 5-Grad-Temperaturanstieg und das weitgehende Ende der Planetenbesiedlung. Doch im Unterschied zu heute wussten unsere Vorfahren nicht, was sie gegen dieses drohende Ende versuchsweise hätten unternehmen können. Wir wissen es. Aber wir machen es nicht. Deshalb ist unser zeitnahes Aussterben nicht nur ein bisschen tragisch, sondern regelrecht peinlich.

Wer auf den Untergang vor 250 Millionen Jahren wegen steigender Temperaturen hinweist — bedingt auch, aber nicht nur, durch die Erhöhung der Treibhausgaskonzentrationen in der Atmosphäre —, gießt natürlich Wasser auf die Mühlen der „Klimaskeptiker“: Sie folgern daraus mit einem lauten „Ha!“, Erderwärmung sei eben nicht menschgemacht, sondern komme vor, das sei ganz natürlich, folge Zyklen.

Hierauf entspinnen sich dann allerorten wilde und wütende Diskussionen von Stammtischbewohnern wie Fachleuten, ob die derzeitige Erwärmung nun unsere (Mit)-Schuld sei oder eben nicht. Vor lauter Begeisterung über das eigene „Wissen“ fällt den diametral anderswissenden Diskutanten dabei aber das Wesentliche sofort unter den Tisch, denn:

Wenn die Klimaveränderung menschengemacht ist, müssen wir dringend etwas ändern. Wenn sie nicht menschengemacht ist, müssen wir erst recht dringend etwas ändern. Die „Mad-made“-Diskussion ist somit überflüssig. Wir müssen so oder so handeln.

Die Frage ist nicht ob, sondern wie: Müssen wir uns jetzt alle nurvegetarisch ernähren und aufs Fahrrad umsteigen, oder müssen wir zusätzlich die Hälfte unserer Hauptstädte zehn Kilometer ins Landesinnere versetzen, Schwefel in die Stratosphäre jagen, Deiche bauen und uns schwer bewaffnen?

Aber bis zu diesen Fragen kommen wir gar nicht im Gespräch. Wir zanken lieber, bis wir erschöpft sind, unsere CO2-Meinungen gehen vorher wie nachher als Freunde oder Feinde auseinander, erreicht haben wir mit der Diskussion nichts, nicht mal einen Erkenntnisgewinn. So sind wir halt, die Großen, die Schlaumeier, die Erwachsenen: Wir hören uns gern labern. Das eigentliche Problem sowie alle Lösungsansätze bleiben dabei unter dem Teppich, und wir gefallen uns im eitlen Streit über Nichtigkeiten.

Sofern wir das nicht ändern, gehen wir unter — und zwar deutlich vor dem Tag, an dem der Klimawandel die Erde für uns unbewohnbar macht. Vermutlich schaffen wir es weit vor diesem Tag X, uns infolge wegen des in unser aller Köpfe fest verdrahteten Wachstumsdiktats nuklear auszulöschen — denn Wachstum benötigt Ressourcen, Ressourcen sind endlich, und das Endspiel um die verbleibenden Bodenschätze sowie die dazugehörigen Transportwege hat längst begonnen, unter der false flag „Freiheit für Irak/Iran/Syrien/Platz für weitere Landesnamen“.

Nun wäre unsere atomare Auslöschung zwar unterm Strich nur halb so wild — denn unser Planet kommt gut ohne uns klar, und sollte es nur zu einem abermaligen Verlust von 80 Prozent seiner Bewohner kommen, wäre sicher auch die Reduzierung der Menschenlast auf etwa eine Milliarde Köpfe für den Planeten leicht zu verschmerzen. Aber nicht für Sie persönlich, denn Sie können sicher sein, dass Sie nicht zu den überlebenden 20 Prozent gehören werden. Und, nein, auch dann nicht, wenn sie 18 Dosen Ravioli, 2 Kisten regionales Mineralwasser in Glasflaschen und eine Armbrust im Keller stehen haben und somit angeblich bestens vorbereitet sind.

Selbst im günstigen und unwahrscheinlichen anhaltenden Friedensfall ist in spätestens 5 bis 20 Jahren Schluss, endgültig Schluss mit „lösbar“, und dabei ist fast nebensächlich, welches der im Angebot befindlichen Agenda-2050-Horrorszenarien man wählt, von FSK 6 bis FSK 18. Ob 2 Grad, 3, 4 oder gar 8 Grad Erwärmung (bis 2100) und unabhängig davon, ob wir unsere Beteiligung am Temperaturanstieg der vergangenen Jahre anerkennen oder nicht, sind wir in allen Szenarien existenziell gefährdet.

Ganz gleich, ob man das nun „catchy“ aufs CO2 reduziert (als Platzhalter, weil die Komplexität von Klima eben nicht taugt für Demos): Wir sind aufgefordert, unverzüglich zu handeln: heute noch. Das sind wir allerdings schon seit spätestens 1992, oder sogar seit 1972, seit der Club of Rome seine Erkenntnisse veröffentlichte. Seither ist unser Handeln also nicht mehr nur fahrlässig, sondern vorsätzlich art- und lebensgefährdend.

Die Komplexität des Problems überfordert uns, selbstredend. Schon die Rolle des CO2 überfordert uns. Erst recht die Rolle der Wolken, die für 75 Prozent der Erderwärmung zuständig sind (1). Kosmische Strahlung, Sonnenmagnetfeld, Dansgaard-Oeschger, Milankovic-Zyklen? Viel zu komplex.

Wieso blinken schwarze Löcher eigentlich, und „macht“ das was? Hier? Und macht es was, in Sachen Klima, dass im Pazifik ein frankreichgroßes Müllmuseum schwimmt? Hat das vielleicht sogar Einfluss auf Ninos, Ninas und irrationale pazifische Kaltzungen? Und wieso wird die Eisschicht an gewissen Stellen gerade sogar dicker, obwohl Grönland wieder Grünland wird? Und was genau ist eigentlich vor nur 10.000 Jahren passiert, als die Welt wälderweise im Wasser versank? Weiß das jemand? (Spoiler: Nein.)

Aber nicht nur weist das Problem über unseren Erkenntnishorizont weit hinaus, es weist auch über unseren Zeithorizont hinaus, und das deutlich — weit über unsere Lebensspanne und Lebenserfahrung. Aus unserer persönlichen Erfahrung kennen wir ohnehin nur Wetter, nicht Klima. Und wir erfassen nicht annährend die Zusammenhänge, weder die der Klimaentstehung an sich, noch die Zusammenhänge mit unseren paar anderen kleineren Problemen. Diese Zusammenhänge sind allerdings überlebenswichtig.

Im Schweins- oder Rindsgalopp, exemplarisch an nur wenigen Beispielen angedeutet:

Das Absaufen unserer küstennahen Infrastrukturen wegen „Schmelzeis“ — bis zu 2 Meter bis 2100 — sofern wir das Paris-Ziel einhalten werden, was wir nicht tun — ist der älteste Klimahut, infantil prima vermittelbar mittels Knut-Stofftier oder Platzhalter „CO2 ppm“.

Nimmt man die Prognosen zumindest zentimeterweise ernst, drohen der Untergang nicht nur unserer Billig-T-Shirt-Anlage Bangladesch, sondern auch der von beispielsweise 2,4 Millionen amerikanischer Eigenheime im Wert von einer Trillion Dollar, grob geschätzt. Es könnten auch 14 Trillionen sein, man rechnet noch, aber es spielt gar keine so große Rolle — die Reparaturarbeiten sind gut so oder so für‘s BIP, siehe unten.

Was nicht so gut ist, sind die Klimaflüchtlinge. Hier reichen die Schätzungen für den Zeitraum von 2035 bis 2050 von 300 Millionen bis zu 1 Milliarde. Die kommen aber nicht nur wegen etwaiger nasser Füße, sondern erst recht wegen trockener.

Zunehmende Hitzewellen bedeuten neben ein paar toten Russen, 2010 waren es 55.000, unzählige tote Afrikaner und andere fremde Leichen. In Pakistan wurden 2018 die höchsten Temperaturen aller Zeiten gemessen.

Man kann dieses Problems auch nicht Herr werden, indem man die betroffenen Regionen flächendeckend mit Klimaanlagen ausstattet, denn nicht nur verbraucht „Air Condition“ schon heute 10 Prozent der weltweit verfügbaren Energie, der Bedarf wird sich wohl bis 2030 verdreifachen, aber obendrein wird es durch den Betrieb der Anlagen außerhalb der komfortabel ausgerüsteten Gebäude nicht kühler, sondern deutlich wärmer.

Was sich in den eh schon zu heißen Metropolen zu einem echten „Catch 22“ entwickelt. Eben jenen Städten, in die es viele Menschen immer mehr zieht. Obwohl man schon heute dort kaum mehr atmen kann, denn wer das zum Beispiel in Delhi mit seinen 26 Millionen Einwohnern tut, spart sich nicht nur die Ausgaben für täglich 2 Schachteln Zigaretten, sondern hat auch gute Chancen, zu den weltweit täglich 10.000 Feinstaubtoten zu zählen. Dass man dabei in den meisten Metropolen nicht friert, ist vermutlich ein schwacher Trost.

Auf dem Land folgen auf Hitzewellen Dürrewellen. Aus Dürre folgt Hunger, denn pro Grad durchschnittlicher Erwärmung rechnet man mit einem Ertragminus von 10 Prozent. Folge der Dürren sind mithin Ernteausfälle, Folge der Ernteausfälle steigende Preise, Folge der steigenden Preise mehr Verhungernde, die sich das teurer werdende Grundnahrungsmittel Getreide schlicht nicht mehr leisten können.

Nur am Rande sei daran erinnert, dass wir Menschen trotz der paar beklagenswerten Hitzetoten übrigens nicht weniger werden, sondern mehr. Die letzten vorsichtigen Schätzungen für 2050 bewegen sich zwischen 10 und 18 Milliarden (2, 3).

Glaubt irgendjemand, eine Milliarde Klimaflüchtlinge seien ein friedlich lösbares Problem? Einen im Sinn: Frankreich und England waren bei der letzten „Flüchtlingskrise“ mit Müh und Not dazu zu bewegen, ein paar tausend Menschen aufzunehmen, aber den Rest der Milliarde können wir ja notfalls im Münchner Umland unterbringen.

Mahlzeit! Hinterm Tellerrand geht‘s weiter.

An unserem derzeitig alle Bestsellerlisten beherrschenden Lieblingsthema „gesunde Ernährung“ lassen sich nun jenseits der erbittert umstrittenen Frage „vegan oder paleo?“ zumindest begreifbare Teile der Gesamtproblematik erfassbar aufzeigen, denn „Essen“ versteht ja im Prinzip jeder: Bolsonaros frische Amazonas- Entwaldungskampagne wird zwischen 2021 und 2030 zusätzliche CO2-Äquivalente von etwa 13 Gigatonnen (GT) in die Atmosphäre bringen. Der Ausstoß der USA liegt jährlich bei etwa 5 GT, der von China bei 9.

Brasilien ergänzt also uns zuliebe einmalig ein zweites China und eine zweite USA — in Sachen CO2 —, um mehr Fleisch zu produzieren. Mehr Fleisch erfordert mehr Viehfutter, und das besteht vor allem aus Getreide und Sojabohnen. 57 Prozent unserer Getreideernte dienen inzwischen diesem Zweck, vom Soja konsumieren wir nur zu zwei bis sechs Prozent direkt, den Rest auf Umwegen als Fleisch (4). Die Anbaumenge hat sich seit den 1950er Jahren verzehnfacht, auf heute jährlich geerntete 270 Millionen Tonnen.

Für die Futterproduktion nutzen wir fast ein Drittel (5) der gesamten eisfreien Erdoberfläche unseres Planeten — notwendigerweise, schließlich wiegen allein unsere Hausrinder schon heute fast dreimal so viel wie wir rund siebeneinhalb Milliarden Menschen. Unser Hunger nach immer mehr Fleisch — sprich: nach immer mehr Soja und Getreide — hat nun selbstredend zur Folge, dass wir, um die notwendigen Ackerflächen überhaupt noch bereitstellen zu können, immer mehr Wälder roden müssen, die eigentlich als CO2-Fänger dienen sollten und müssen.

In einer Welt, in der bereits 30 Prozent der Treibhausgasemissionen aufs Konto der Nahrungsmittelproduktion gehen, ist das keine besonders smarte Idee — oder deutlicher: ist es eine doppelt und mehrfach blöde Idee. Denn das Roden der Wälder trägt entscheidend zur Erderwärmung bei, sprich: wir fackeln CO2-Fänger ab, um mit gewaltigem Frischwasserverbrauch Methanproduzenten zu mästen — und dann aufzuessen. Da gleichzeitig für die Versorgung der Bewohner dieser Gegenden nichts übrig bleibt, lässt sich wohl abkürzend sagen: Wir essen keine Rinder, wir essen Menschen.

Und das ungebremst. Die globale Fleischproduktion hat sich seit den 1960er Jahren gut vervierfacht, von 78 auf 310 Millionen Tonnen pro Jahr, der durchschnittliche weltweite Fleischkonsum pro Kopf betrug 2012 inzwischen 42,8 Kilogramm, der Schnitt in den Industrieländern liegt bei 76,2 Kilo, in Deutschland bei 88 (6), in den USA bei 120. Bis 2050 wird eine Steigerung der Gesamtmenge von 310 auf 455 Millionen Tonnen erwartet (7).

Die zur Erzeugung dieser Menge erforderlichen Nutztiere werden also 2050 so viel Nahrung verzehren wie vier Milliarden Menschen, nicht zuletzt, weil die Umwandlungsrate von pflanzlichen Kalorien in tierische beim Rind 7:1 beträgt, beim Schwein 3:1, bei Gefügel 2:1.

Die Bilanz fällt bei fairer Betrachtung noch deutlich verheerender aus, denn mit dem „Erzeugen“ und Schlachten ist es nicht getan, schließlich muss das Fleisch nach der „Gewinnung“ aufwendig verarbeitet und vor allem aufwendig transportiert werden, weshalb man den zusätzlichen Kalorienumwandlungsfaktor „x 5“ einbauen sollte.

„Nur ein Fünftel der für unsere Ernährung aufgewandten Energiemenge wird auf der Farm verbraucht; der Rest geht beim Verarbeiten und Umhertransportieren der Nahrungsmittel drauf“(Michael Pollan).

So gefährden wir also durch die vollendet unökonomische Umwandlung von Pflanzen und Wasser in Fleisch das Überleben unseres weltweiten Gesamt-„Stammes“ — aber da der verhungernde Rest unseres Stammes außer Sichtweite wohnt, ist uns das tatsächlich weitgehend wurscht.

In Sachen CO2 kann man dieses allumfassende idiotische Drama allerdings getrost links neben dem Teller liegen lassen (sorry, Greta), denn der „Treibhaus-Effekt“ unseres oben beschriebenen Treibens beschränkt sich ja nicht nur auf die CO2-Produktion. Wo karge Rinderlandschaften entstehen, ist kein Platz für Bäume.

Bäume fangen CO2, Rinder atmen CO2 aus. Und furzen en passant ausdauernd Methan, ein weitaus wirksameres Treibhausgas als CO2. Und verbrauchen neben Pflanzen auch unheimlich viel Wasser: 18.000 Liter pro Kilo Rindfleisch „auf dem Teller“. Womit wir via Hitze, Dürre, Wälderabfackeln, Leuteverhungernlassen und Gemüse in Steaks oder Tankfüllungen verwandeln am Tellerrand angekommen wären, also beim Wasserglas. „Gefühlt“ eher nebensächlich, da wir hierzulande mehr als genug Wasser haben und mittels unserer dämlichen Spartasten mehr Umweltschaden als -nutzen bewirken.

Global betrachtet aber ist Wasser missionskritisch. Nicht nur wegen der 18.000-Liter-Steaks. Auf die natürlich wir verzichten müssten und sollten. Aber ebenso natürlich können wir nicht von unseren chinesischen Brüdern und Schwestern verlangen, dass die ebenfalls verzichten. Nach 50 Jahren täglich Wurst mit Gesicht unsererseits wäre das schlicht grotesk. Ebenso wie unsere unausgesprochen in allen Diskussionen mitschwingende Idee, Chinesen und Inder brauchten ja wohl keinen eigenen sparsamen Erstwagen, nachdem wir seit 1945 bereits pro Kopf eine ganze Fahrzeugflotte an Kleinwagen und SUVs gegen Schrottprämien ums Eck gefahren haben.

Und, doch, tatsächlich erfordert auch die Produktion von Autos Wasser. Sowie Stahl. Am Rande bemerkt, es lässt sich auf diesem Planeten schlicht nicht mehr genug Stahl herstellen für die gewünschten paar Milliarden weiterer Autos. Aber die Inder könnten natürlich umsteigen auf … Plastik. Und E-Motoren. Also Batterien. Der Abbau einer lächerlichen Tonne Lithium erfordert etwa 2 Millionen Liter Wasser.

Von Peter Gleick stammt der schön unschöne Satz: „Wenn der Klimawandel ein Hai ist, sind die Wasserresourcen seine Zähne.“ 1 Prozent des weltweit verfügbaren Wassers ist „blaues Gold“ — also trinkbar und zugänglich. Wir geben uns größte Mühe, unsere Vorräte zu reduzieren. Die UN gehen davon aus, dass 2050 1 Milliarde Menschen nur eingeschränkten Zugang zu Frischwasser haben werden. Zunehmende Dürren sind hierbei nicht „eingepreist“, ebenso wenig die nicht unwahrscheinliche Zunahme der Weltbevölkerung auf mehr als 10 Milliarden.

Vor diesem Hintergrund wird das Drama fast nebensächlich, dass auch die 99 Prozent nicht trinkbaren Wassers auf unserem blauen Planeten ein Problem darstellen, weil die sich erwärmenden Meere als CO2-Senken allmählich unbrauchbar werden. Und dass inzwischen jeder einzelne Meeresbewohner zumindest teilweise aus Nanoplastik besteht, können wir ebenfalls vernachlässigen. Bis 2050 wird eine Verdreifachung der weltweit produzierten Plastikmenge erwartet: Zu dem Zeitpunkt wird das Gesamtgewicht des Plastiks in den Meeren höher sein als das seiner Bewohner.

Was, sagten Sie, ist unser Problem? CO2?

Keine Lösungen?

Nichts von dem, was wir in Sachen Klima und CO2 so aufregt besprechen, bei Steak oder Sojaburger und Designersprudel, berührt auch nur die Nähe unseres Problems. Wie könnte es auch, wenn man strikt über das Falsche spricht — also um den inzwischen schon ziemlich heißen Brei herumredet.

Unsere gesammelten Einfälle sind feige, weltfremd und idiotisch — weil sie die Ursache des Problems verkennen, die Probleme mit unseren Lösungsansätzen verkennen und das Wesen des Menschen verkennen. Schlechtere Voraussetzungen für einen Problemlösungsansatz sind schwerlich denkbar.

Das Ganze lässt sich mit dem sattsam bekannten Bonmot auf den Punkt bringen: „Insanity is repeating the same mistakes and expecting different results.“ Unsere Ideen und Maßnahmen sind entsprechend sinnfrei und vergrößern das Problem, statt es zu verkleinern. Denn tatsächlich gilt noch immer Bill Clintons „It‘s the economy, stupid!“, allerdings anders als damals in Bush seniors Richtung:

Unsere Idee vom Wirtschaften an sich, unsere Vorstellung von Wachstum, ist grundfalsch.

Aber diese Idee ist förmlich fest verdrahtet in unseren Gehirnen und Herzen, in unserer DNA, nachdem wir lebenslang nichts anderes kannten und nie denken konnten: „There is no alternative“(Maggie), „Ohne Wachstum ist alles nichts“ (Angie), „Is wohl so“ (Alle).

So beherrscht das BIP-Denken (8) sogar unsere am besten gemeinten Konzepte. Ja, wir wollen Energie einsparen — also tun wir das, wachsend, mit immer höherem Energieverbrauch. Wir machen alles neu. Wir bauen neue Dämmungen für alte Häuser.

Wir bauen neue Häuser. Energiesparend. Einen im Sinn: wäre die Zementindustrie ein Land, wäre sie der drittgrößte CO2-Verursacher der Welt. Wir bauen neue Glühbirnen. Wir bauen neue e-Autos und e-Fahrräder. Wir bauen eine neue Währung, das ist doch bestimmt auch irgendwie öko, dann muss man ja nicht mal mehr mit dem Fahrrad zur Bank. Die Produktion von Bitcoinsbenötigt inzwischen jährlich soviel Energie wie ganz Dänemark. Oder 1 Million Transatlantikflüge. Wir bauen Batterien. Das sind die „Game Changer“, so Wirtschaftsminister Peter Altmaier, das ist der Schlüssel für die Bewältigung der Klimakrise: Lithium, siehe oben, 2 Millionen Liter Wasser pro Tonne.

Unser Energieverbrauch steigt bei all dem. Stetig. Global wie national.

Antrieb jeder unserer Ideen und Bewegungen ist Wachstumsdenken, überstrahlt vom BIP als heiliger Kennziffer. In einer Welt mit endlichen Ressourcen kann man aber schlechterdings nichts doppelt ausgeben, und hier ist nicht die Rede von erfundenem Geld.

Es gibt auf diesem Planeten nicht nur nicht genug Stahl für 7 Milliarden Autos, geschweige denn Zweitwagen. Es gibt nicht genug Flächen und nicht genug Kali-Dünger für die Ernährung aller Menschen mit Steaks und Hühnerkeulen. Es gibt nicht genügend Wasser, nicht genügend seltene Erden. Es gibt nicht genügend Rohstoffe für die Stromversorgung der ganzen Welt aus Windturbinen und Desertec-Wüstensolarfeldern so groß wie Deutschland.

Und bei all dem, bei all unseren Versuchen, endlich, mit höchstem Energieaufwand, unsere Energieversorgung „sauber“ zu machen, CO2-frei und nachhaltig, wird obendrein das Allerwichtigste nie ausgesprochen: Denn wir haben nicht nur ein Energiegewinnungsproblem, nicht nur ein CO2-Problem, nicht nur ein Erwärmungsproblem.

Man stelle sich doch nur vor, es gelänge uns tatsächlich, morgen oder in zehn Jahren, qua unerhört genialer Perpetuum-Flettner-Rotor-Solar-Druckluft-Speichertechnologie, den ganzen Planeten erneuerbar zu elektrifizieren. Was wäre denn dadurch gewonnen? Nichts, wie die kurzsichtige Naivität der e-Mobil-Fahrer exemplarisch belegt: „Ich fahre klimaneutral, Zeit für ein Zweitmobil und häufigere Ausflüge.“

Gälte also für Energie das erneuerbar-paradiesische Motto „kost‘ ja nix“, hätte das vor allem eine Folge, und zwar so vorhersagbar wie das Amen in der Kirche: der unsere Existenzgrundlage vernichtende Raubbau an Ressourcen und Natur ginge nur NOCH wesentlich schneller und gründlicher vonstatten als jetzt schon.

Wir kommen da einfach nicht hin. Wir wollen nicht „grün“, wir wollen „grünes Wachstum“. Wir wollen was ändern, aber wachsend. Wir sind BIP-kontaminiert von Geburt an. Wir atmen Wachstum. Wir können einfach nicht ohne.

Es heißt nicht umsonst „Lösung“.

„Davon zu träumen, wie alles anders sein könnte, ist ein Zeichen von gedanklicher Feigheit. Es funktioniert als Fetisch, der uns davon abhält, unsere missliche Lage in ihrer ganzen Ausweglosigkeit zu erkennen“ (Slavoj Zizek).

Sicher: Wir möchten ja durchaus, dass sich etwas ändert, mehr oder weniger. Wache Menschen etwas mehr, Schlafende etwas weniger. Aber für uns alle gilt noch: Wir wollen Veränderung nur, solange wir selbst nicht so viel ändern müssen. Die kleinen weißen Sklaven in unseren Wänden, die Steckdosen, bleiben jedenfalls im Dauerbetrieb, sogar mein neuer Fenstersauger ist grün und spart Energie, meine jedenfalls.

Wir wollen und werden oft oder wenigstens manchmal Fahrrad fahren, ja, ist neu, mit E-Antrieb, und nächstes Jahr kommt das nächste Modell. Aber die 20 Sorten Wurst mit Gesicht oder die 23 Tofu-Variationen sollen schon bleiben, Wurst- und Tofuwählbarkeit gehört ja zu unserer Freiheit.

Das Weltklima retten, ja, gern, aber nicht Fernflugreisen per se verbieten, ob zum All-Inclusive in der DomRep oder zum Yoga-Schweigen in Sri Lanka, denn Bewegung gehört ja zu unserer Freiheit. Grünen-Wähler unternehmen mehr Flugreisen als die Wähler aller anderen Parteien.

Vielleicht sind wir bereit, unseren jährlichen Pro-Kopf-Fleischverbrauch von durchschnittlich 77 Kilo auf 71 Kilo zu reduzieren. Vielleicht verzichten wir sogar auf unser Zweit-E-Mobil oder den Cityroller, aber nur, wenn die anderen auch mitmachen, die ganzen Inder und Chinesen. Also, die sollten dann auch nicht mal auf ihrem Erstbrathähnchen bestehen. Oder einem ersten Auto.

Das ist ganz ungeheuer verlogen. Der öffentliche Streit über CO2und die potentiellen Folgen einer einschränkenden Politik für den Wirtschaftsstandort Deutschland ebenso wie der auf Demos skandierte, so ungeheuer unkonkrete Wunsch, das Klima zu retten, ebenso wie die Debatte über Außengrenzen, Kontingente und im Mittelmeer ertrinkende Flüchtlinge.

Natürlich könnten wir das Thema wenigstens ernst nehmen und vorangehen. Spielen wir das einmal gedanklich durch. Es ist nicht kompliziert. Aber es ist nicht getan mit Korrekturen mit der Nagelschere, es bedarf schon etwas größerer Geräte. Beziehungsweise einer neuer Erzählung. Dann mal los:

Wir beerdigen mit sofortiger Wirkung den real existierenden Kapitalismus, das BIP- und das Wachstumsdenken. Wir schaffen sämtliche Bullshit-Jobs ab, danach haben 60 Prozent von uns keine Arbeit und kein Einkommen mehr.

Die Straßen sind dann morgens schön leer. Wir recyceln alles und gehen generell zur Verschenkkultur über. Wir bauen kaum mehr etwas neu, wir reparieren. Unsere klimaschädliche Industrie ist damit erledigt, unsere Industriejobs auch, auf den Exportüberschuss verzichten wir.

60 Prozent unseres Stromverbrauchs fallen damit weg, denn so viel benötigte eben noch die Industrie. Die für die privaten Haushalte erforderlichen 40 Prozent erzeugen wir schon heute regenerativ, mit dem Ende unserer Industrie werden wir schlagartig zum wirklich grünen und emissionsfreien Land. Und statt eines aus BIP-Denken geborenen Bedingungslosen Grundeinkommens gönnen wir uns eine echte Gratiskultur, jedenfalls im Wesentlichen.

Strom, Wasser, Wohnen, Essen, Daseinsfürsorge und etwas Kultur sind — selbstredend — für jeden hier lebenden Menschen frei. Und wir haben auch noch Platz für 20 oder 30 Millionen neue Mitbewohner. Natürlich geht das. Wir sind doch hier nicht in Burkina Faso. Wir haben alles. Wir haben längst genug Straßen, Wohnungen, Wasserwerke, Krankenhäuser für 80 bis 100 Millionen Menschen, und 98 Prozent der für diese Menschen erforderlichen Lebensmittel erzeugen wir schon heute hier, auf unserem eigenen Boden.

Wir müssten dann nur zwei Mal im Jahr alle auf die Felder, solange unsere Maschinen den Spargel noch nicht selbst unfallfrei ausbuddeln können. Und wir wären raus aus der großen Wachstumsfamilie. Bananen und Papayas fielen weg. Flugreisen fielen weg, neue iPhones fielen weg, neue Autos fielen weg, Wurst mit Gesicht sowieso. Stattdessen teilen wir. Untereinander und mit dem Rest der Welt. Wo es übrigens noch sehr viel zu tun gibt für uns. Zu helfen. Zu bauen. Zu heilen. Zu verschenken.

Wir könnten in keiner Hinsicht mehr mithalten und mitmachen im globalen Wettrennen, der technologische Fortschritt fände fortan weitgehend ohne uns statt. Aber es wäre richtig. Und unsere Klügsten würden natürlich trotzdem bleiben und trotz ihrer Rückenschmerzen vom Erdbeerpflücken den Mondfähren der Amerikaner und Inder hinterherschauen und denken „Gut für die Erde, dass wir da nicht mehr mitmachen!“.

Lachen vom Band. Keine Sorge, niemand will das. Noch nicht. Bisher will das nicht mal jemand durchdenken oder zu Ende. Außer vielleicht 2 oder 3 Prozent von uns, aber wir sind ja auch vollkommen verrückt. Zu dieser besonderen Form der Verrücktheit gehört dann aber eben auch, sich nichts vorzumachen. Wir, als Kollektiv, werden nichts ändern. Weil wir es nicht wollen.

Die Konsequenzen, die sich daraus ergeben, sind klar, und es liegt nun bei jeder/jedem selbst, sich dazu zu stellen und entsprechend zu handeln. Wir, als Kollektiv, werden auf nichts verzichten. Wir werden nichts grundsätzlich ändern. Wir werden einstweilen so weitermachen wie bisher. Unter großzügiger Verwendung von nach Gusto zu wählenden knalligen Sätzen aus unserer beliebten Mottokiste, von „Es ist noch immer gut gegangen“ bis „Nach mir die Sintflut“.

Es wäre indes als Zwischenschritt erfrischend, wenn wir wenigstens das offen kommunizieren würden, denn ehrliche Schurken sind doch so viel sympathischer als verlogene Feiglinge. Und überdies ergäbe unser Eingeständnis plötzlich sehr viel Sinn, es wäre vieles so be(un)ruhigend logisch. Womit wir, bei allem Bemühen, aufzuklären, bei allem hilfreichen Nichtfliegen und Fahrradfahren, wieder am obigen Punkt dieses Beitrags sind.

Deiche können wir 2 Prozent nicht selbst bauen. Die Welt im Alleingang retten auch nicht. Und da der Besitz von Waffen glücklicherweise untersagt ist, bleiben 6 Kisten regionales Mineralwasser, immer ein paar Dosen Ravioli unterm Kiel sowie ein Notstromaggregat in der Garage. Wer‘s hat, darf wenigstens hoffen, auch demnächst, mit Blick auf die Arche, weiterhin seinen Mitmenschen anbieten zu können: „Jetzt lasst uns doch endlich mal was Schlaues machen.“

So viel Zeit muss und wird hoffentlich noch sein, bei allem „Vor uns die Sintflut“. Denn über eines sollten wir uns doch klar sein, bei allem scheinbar aus diesen Zeilen sprechenden Pessimismus: Es ist im Grunde sehr einfach.

Wir haben uns einen Bären aufbinden lassen. Einen kapitalen Ego-Bären. Tatsächlich aber sind wir nicht nur im Grunde, sondern tatsächlich Altruisten und Teamworker. Wir sind verrückt nach Kooperation — eben weil nur sie uns hierher gebracht hat, als Gruppe, mitten durch Hyänenrudel und Schneestürme, bis zur Mikrowelle und zum iPhone. Wir sind groß nicht nur in der Erkenntnis unserer eigenen Nichtigkeit. Wir sind groß im Zusammenspiel, im Zusammenhalt.

Bedauerlicherweise werden wir derzeit von Phantasielosen und Psychopathen angeführt. Aber es sollte uns doch Hoffnung geben, dass es sich bei diesem ernstlich gestörten Grüppchen nur um höchstens 10 Prozent von uns handelt.

Nur diese 10 Prozent stehen zwischen uns und der Zukunft, und das einzige, was wir benötigen, um sie zu vertreiben, ist eine neue Erzählung. Der Rest ergibt sich dann von selbst.

Einen Vorschlag für die Erzählung liefere ich gern zeitnah nach, sofern nicht jemand schneller ist (9). Ich bin aber sicher, dass die Story längst da ist. Es muss sie nur noch jemand mitreißend erzählen.

 

Quellen und Anmerkungen:

(1) Mortensen: Das Geheimnis der Wolken, Arte 2008.
(2) Stephen Emmott: 10 Milliarden, Suhrkamp 2014.
(3) Ein interessanter Nebeneffekt der Erwärmung sind Seuchen (keine Masern): Was liegt eigentlich im Permafrost? Anthrax aus tiefgefrorenen Rentieren hatten wir ja jüngst schon, aber was nützen unsere Impfungen eigentlich gegen die Pest? Oder gibt es auch für die Spezies Mensch ein wegen winziger Temperaturerhöhungen urplötzlich den Mega Death auslösendes Bakterium wie 2015 für die Saiga-Antilopen? Es muss für uns nicht Pasteurella multocida sein, an Bakterien herrscht ja global wie regional kein Mangel. Trotz Sagrotan.
(4) Vgl. Valentin Thurn/Stefan Kreuzberger: Harte Kost, 2014. Die Zahlen gehen gelegentlich ein bisschen auseinander, aber das macht den Kohl ja nicht fett. „In Europa dienen bereits 57 Prozent der Getreideernte als Tiernahrung“ (S. 38). Beim Soja gilt: „Nur zwei Prozent werden direkt für den menschlichen Verzehr angebaut, 98 dienen als Futtermittel“ (S. 38). „2012 wurden auf der Welt 2,2 Milliarden Tonnen Getreide geerntet, davon wurden nur 47 Prozent direkt für die menschliche Ernährung verwendet, 34 Prozent gingen ins Tierfutter, der Rest wurde zu Treibstoff oder Industrieprodukten verarbeitet“ (S. 113). Dass die verfütterte Sojamenge inzwischen zu mindestens 60 Prozent gentechnisch verändert ist (vgl. Erwin Wagenhofer/Max Annas, We Feed the World, 2003, S. 48), sei hier nur am Rande erwähnt.
(5) „Weideland und für den Futtermittelanbau genutztes Ackerland machen fast 80 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche aus. Rund 3,4 Milliarden Hektar Land sind Weideflächen, und 0,5 Milliarden Hektar entfallen auf Futtermittel. Von der eisfreien Erdoberfläche werden 26 Prozent für die Viehwirtschaft genutzt.“ (FAO, The State of Food and Agriculture. Livestock in the Balance, 2009; www.fao.org/docrep/012/i0680e/i0680e.pdf). Der jüngste UN-Report kommt gar zu dem Ergebnis, dass 38 Prozent unserer Landnutzung auf das Konto der „Produktion von Tierprodukten“ gehen www.unep.org/resourcepanel/Portals/24102/PDFs/PriorityProductsAndMaterials_Report.pdf).
(6) Von 1961 bis 2012 ist der Fleischverbrauch pro Kopf in Deutschland von 23 auf 66 kg gestiegen, das heißt 88 kg Schlachtgewicht pro Kopf. „2014 stieg die Fleischproduktion in Deutschland auf einen Rekordwert von 8,2 Millionen Tonnen — ein Plus von 1,3 Prozent im Vergleich zu 2013. Zuwächse verbuchte mit 1,5 Millionen Tonnen erzeugtem Fleisch vor allem der Geflügelsektor. Seit 1994 hat sich die Geflügelproduktion fast verdreifacht. 2014 wurden 58,7 Millionen Schweine, 3,5 Millionen Rinder und 728 Millionen Tiere Geflügel geschlachtet.“ (www.weltagrarbericht.de/fileadmin/files/weltagrarbericht/Weltagrarbericht/Fleisch.pdf) Die hierzulande beobachtete leichte Abnahme des Verbrauchs in allerjüngster Zeit wegen vegetarischer und veganer Moden dürfte dank der „Paläo-Diät” spätestens 2016 wieder vom Tisch sein.
(7) http://www.weltagrarbericht.de/themen-des-weltagrarberichts/fleisch-und-futtermittel.html.
(8) Ruhe in Frieden, Bruttoinlandsprodukt.
(9) Startliste „Story“: Erstens: David C. Korten: Change the Story, Change the Future, BK 2015; Zweitens: Yuval Harari: 21 Lessons for the 21st Century, Penguin 2018; Drittens: George Monbiot/Ted Talk 2018: https://www.youtube.com/watch?v=xDKth-qS8Jk.

Samstag 5. Oktober 2019

Sind die Anastasia-Bücher ein spiritueller Spiegel?

Die aus Russland kommenden Anastasia-Bücher waren als eine Art Phänomen zu erleben gewesen: Sie wurden von unterschiedlichen Menschen unterschiedlich wahrgenommen, teilweise sogar widersprüchlich. Mir selbst passierte mehrfach, was andere Leser auch beschrieben: Bei der wiederholten Lektüre erschien es, als sei der Text geändert gewesen. Teilweise ging dies so weit, das man meinte, ganze Kapitel seien vorher nicht im Buch gewesen! Dies war einerseits undenkbar, weil das Papier und die darauf gedruckten Buchstaben sich wohl nicht geändert gekonnt hatten, jedoch war das Erleben der empfundenen Änderung so stark und so häufig von anderen Lesern bestätigt gewesen, das es einen anderen Grund gegeben haben musste.

Ergänzend kam hinzu, daß mehrere Journalisten Beiträge über die Anastasia-Bücher veröffentlicht hatten, die milde formuliert „einseitig“ oder „tendenziös“ waren, auf jeden Fall komplett unpassend zu dem, wie ich diese Bücher wahrgenommen hatte. Etwas deutlicher formuliert wurde in den Beiträgen der Journalisten den Anastasia-Büchern und deren Lesern „rechtes“ Gedankengut bis hin zu Rassismus, Antisemitismus und anderen Schrecklichkeiten unterstellt. Lange Zeit konnte ich dieses Verhalten der Journalisten nicht verstehen. Ich vermutete Dummheit oder Böswilligkeit oder ganz simpel die egoistische Suche nach einer neuen Sau, die durchs globale Dorf gejagt, ihnen selbst etwas Umsatz bringen möge, egal ob dabei andere Menschen via Rufmord oder übler Nachrede auf der Strecke blieben.

Nun keimte eine gänzlich andere Sicht der Lage in mir auf:

Sind die Anastasia-Bücher vielleicht eine Art Spiegel?
Ein Spiegel der Seele?
Ein spiritueller Spiegel?
Ist das Lesen dieser Bücher ein Weg zur Selbsterkenntnis?

War es einfach nur so gewesen, daß man beim Lesen das eigene Innere wahrgenommen hatte?
Und durch eigene persönliche Entwicklungen war nach gewisser Zeit beim wiederholten Lesen ein verändertes Spiegelbild zu erleben gewesen?

Mag der reale Text auch faktisch gleich gewesen sein, so ist man immer subjektiv beim Lesen, beim Wahrnehmen. Besondere Betrachtung sollte hier auf den sogenannten Bestätigungsfehler gelegt werden (Die Neigung, Informationen so auszuwählen, zu ermitteln und zu interpretieren, dass diese die eigenen Erwartungen erfüllen. engl: Confirmation Bias).

So las ich aus den Büchern immer Anregungen zum Gärtnern heraus, Anregungen für die Liebe und das Herz, Anregungen für glückliches Miteinander und Anregungen für eine Zukunftsperspektive für alle Menschen auf diesem wunderbaren Planeten.

Alles in allem bestätigte dies meine Erwartungen an mich und an das Sein.
So konnte ich wohl beim Lesen der Anastasia-Bücher genau das Spiegelbild meines Inneren erkennen.

Doch dann erlebte ich Menschen, die die Anastasia-Bücher anders lasen als ich. Dies verwunderte mich sehr. Diese Menschen wirkten jedoch auch ohne diese Bücher auf mich erstaunlich. Sie wirkten dogmatisch. Sie meinten beispielsweise, daß in den Anastasia-Büchern strenge Vorgaben stehen würden, das man sich vegetarisch zu ernähren hätte. Sie zitierten aus den Büchern:

Zum ersten Fleischesser wurde der unvollkommene Mensch, den das Gefühl der Liebe verlassen hatte. Als ob er seinen Verstand verloren hätte oder von einer schrecklichen Krankheit getroffen wurde, begann dieser plötzlich Fleisch zu essen. Diese Krankheit hat sich bis heute fortgesetzt. (Band 8.2, Seite 60)

Fleischesser unter den Anastasia-Lesern bezogen sich im Widerspruch dazu auf ein anderes Zitat:

„Als ich an den zahlreichen Imbissstuben und Schaschlickständen vorbeiging, verlockten mich all die köstlichen Düfte, und ich kämpfte mit dem Wunsch, diese Leckereien zu probieren. Ich hatte zwar Geld in meiner Tasche, wollte aber sparsam damit umgehen. Da geschah etwas Unglaubliches: Ich hörte leise, aber deutlich die Stimme Anastasias.
«Kauf dir etwas zu essen, Wladimir. Kauf dir, was immer du willst. Du brauchst jetzt am Essen nicht so zu sparen.» Ich ging noch ein paar Schritte an den geöffneten Imbissstuben vorbei, da hörte ich wieder die gleiche Stimme: «Warum bleibst du nicht? Bitte iss etwas!»“
(Band 2, Seite 148)

Und ich selbst, als Freigeist, hatte besondere Resonanz zu diesem Zitat:

„Sieh mal, deine Fragen, was, wann und wie man essen sollte, kann niemand so gut beantworten wie der Organismus des einzelnen Menschen. […] Ein Mensch sollte in dem Moment Nahrung zu sich nehmen, wenn es ihm sein Körper empfiehlt; einen anderen Ratgeber darf es nicht geben. […] Etwas Ähnliches gilt für deine Frage, was man essen soll: nämlich das, was man gerade zur Hand hat. Der Organismus wählt selbst das Richtige.“ (Band 1, Seite 94)

 

Was „stimmt“ nun?
Was ist die Aussage der Bücher zur Ernährung?

Vielleicht waren diese Fragen falsch gestellt, vielleicht gibt es nicht „die“ Aussage.
Wenn die Anastasia-Bücher als Spiegel der Seele aller Menschen geschaffen wurden, dann müssen sie eine Bandbreite an Aussagen enthalten, in denen sich jeder wiederfinden kann.

Ganz speziell wurde es bei politischen Themen in den Anastasia-Büchern. Ich selbst wollte mich eigentlich seit jeher aus der Politik heraus halten und am liebsten nur Gärtnern. In dem Themenfeld Politik fand ich schon so oft Lüge, Angst, Betrug, Mißgunst, Täuschung und Manipulation und fühlte mich deshalb dort nicht wohl. Wären Politiker nur unter sich geblieben, hätten Worthülsen gedroschen, sich gegenseitig kritisiert, Alkohol getrunken und Kokain konsumiert, dann hätte ich es als Selbsthilfegruppe in einem Therapiezentrum betrachtet. Da die Politiker jedoch einwirkten auf das Leben der kleinen Leute, zum Beispiel in dem sie harmlose Glühbirnen verboten oder Kriege angezettelt hatten, war die Lage etwas anders gewesen.

Als Mensch mit einem Sehnen nach Freiheit und Gesundheit erschien es mir seit ein paar Jahren immer unpassender sich gar nicht zur Politik zu äußern. Andererseits dachte ich immer wieder an die schlimme deutsche Vergangenheit und wie zur Zeit der Nazis abweichende Meinungen verfolgt und oft auch mit dem Tode bestraft wurden. Diejenigen, die seinerzeit den Mut hatten Widerstand gegen das Unrecht zu leisten wurden zumindest später für ihren Einsatz gewürdigt und geehrt.

Auch wenn es manche Menschen nicht hören wollten: Die Mechanik der sozialen und wirtschaftlichen Ausgrenzung Andersdenkender ist altbekannt. Gerade in Deutschland hatten wir das schon mal, so grob vor 80 Jahren. Welch ein Grauen hätte verhindert werden gekonnt, wenn seinerzeit genügend Menschen sich zu Wort gemeldet hätten? Ein paar Jahre später (so grob von 1933 bis 1945) war es sehr gefährlich gewesen seinen Mund zu öffnen. Heute, im Jahr 2019, ist es noch möglich gewesen den Mund zu öffnen und Meinungen kund zu tun, die der vorgegebenen Meinung der Massenmedien nicht entsprachen. So nutzte ich diese Chance vielfach (Beispiel). Doch wie lange noch mag dies gehen?

Zurück zu den Anastasia-Büchern:

Bezüglich den politischen Themen in den Anastasia-Büchern gehe ich nun nur auf das Thema Juden ein. In diversen Beiträgen von Journalisten wurde beispielsweise folgendes zitiert:

“Die Juden haben die Presse verschiedener Länder unter ihre Kontrolle gebracht”; “das Fernsehen ist von Grund auf jüdisch”; “der Geldfluss in der Welt wird zum größten Teil von Juden kontrolliert.” (Band 8.1, Seite 138)

Die Journalisten benutzten dieses (aus dem Zusammenhang gerissene) Zitat um eine angebliche antisemitische Einstellung des Autors und der Leser zu beweisen. In Betrachtung des oben genannten Bestätigungsfehlers ist jedoch klar, daß dieses Zitat genau so gewählt wurde um vorhandene Ansichten zu bestätigen.

Auf exakt der selben Seite, Band 8.1, Seite 138, nur ein paar Absätze weiter oben, findet sich ein Zitat, daß perfekt passt um von einem Juden zitiert zu werden, wenn er beweisen wollte, daß die gesamte Buchreihe pro-jüdisch sei:

In Israel gibt es einen Klub, der aus Lesern der Bücher über die Sibirierin Anastasia besteht. Die Israelis verfassen in russischer Sprache und in Iwrith Lieder über die Helden der Buchserie Die klingenden Zedern Russlands. Ich bekomme allmählich den Eindruck, dass an der Spitze der Bewegung zur Verwirklichung von Anastasias Ideen Juden stehen werden, die andere Völker in diesem Bemühen anführen. (Band 8.1, Seite 138)

Wenn jemand weder antisemitisch noch pro-jüdisch eingestellt war und eher nach sachlich neutralen Lösungen für eine gemeinsame Zukunft suchte, fand er beispielsweise dieses Zitat:

Übergriffe auf Juden finden seit Jahrtausenden statt, und ich bin in meinen Berichten immer bemüht, ausschließlich historische Fakten ohne eine subjektive Bewertung zu verwenden. Ich verfolge dabei nur ein Ziel – die Vermeidung des nächsten, in verschiedenen Ländern gleichzeitig geplanten großflächigen Übergriffs auf die Juden. Der nächste Pogrom kann wesentlich größere Ausmaße annehmen als der letzte Übergriff auf die Juden durch das nationalsozialistische Deutschland. Doch der nächste Angriff ist vorprogrammiert. Es gibt nur eine Rettung – ein ausreichendes Maß an Verständnis der Ursachen von früheren Pogromen und die rechtzeitige Einleitung von vorbeugenden Maßnahmen. (Band 7, Seite 103)

 

Vordergründig widersprüchliche Textstellen kann man praktisch zu allen Themen finden!

Zurück zum Begriff „Spiegel“:

Angenommen, die Anastasia-Bücher sind ein Spiegel, ein spiritueller Spiegel, der dem Leser das zu Erkennen gibt, was den Leser selbst kennzeichnet, dann würde folgendes stattfinden:

+ ein Gärtner würde vom Gärtnern lesen
+ ein Vegetarier würde von Kräutern und Gemüse lesen
+ ein Fleischesser würde von Schaschlick lesen
+ ein Jude würde von Juden als Führer anderer Völker lesen
+ ein Antisemit würde antisemitische Worte finden
+ ein Rassist würde rassistische Worte finden
+ ein Rechter würde rechte Worte finden
+ ein Linker würde linke Worte finden
+ ein Freigeist würde Freiheit finden
usw.

So weit so nett. Aber ganz so einfach ist es mit Spiegeln nicht!

Es gab ja auch Leute, z.B. Journalisten, die antisemitische oder rassistische Worte gefunden gewollt hatten.
Waren diese Leute selber antisemitisch oder rassistisch?
Müsste doch sein, wenn die Bücher ein Spiegel sind!

An dieser Stelle kam der Gedanke, nicht jeder kenne sich aus mit verdrängten Anteilen des Seins, dem sogenannten Schatten. Daher ein paar Worte extra dazu:

Wenn im eigenen Sein rassistische Gedanken toben, man dies nicht wahrhaben will, weil man es verneint und als unzulässig wertet, und es deshalb verdrängt, dann wird der ‚innere Rassist‘ zum eigenen Schatten, abgeschoben ins Unterbewusstsein. Und wenn dann jemand im Außen irgendetwas tut, was einem nicht gefällt (z.B. sich nicht von Rassismus distanzieren will weil jener damit eh nichts zu tun hat), dann projiziert man leicht den eigenen Schatten (z.B. Rassismus) auf den Gegenüber, selbst wenn jener in keinster Weise rassistisch war und ist. Der zu unrecht als Rassist verleumdete hat mit Argumenten keine Chance, denn es ist ja tatsächlich ein Rassist im Raum. Jedoch nicht der Verleumdete ist ein Rassist sondern der Verleumder selber hat einen inneren Rassisten in sich drin als Schatten. Der Verleumdete kann beitragen diesen inneren Schatten des Gegenübers ans Licht zu holen, kann beitragen, daß die Projektion aufhört. Ob derjenige dann „über seinen Schatten springt“ oder den Schatten erlöst liegt schlussendlich an dem Verleumder selber. Förderlich ist auf jeden Fall, wenn der zu unrecht Verleumdete in seinem Herzen, in der Liebe zentriert bliebt und nicht in eigene Schattenprojektionen verfällt.

Bei Wikipedia fand ich dazu einen längeren Text:
https://de.wikipedia.org/wiki/Schatten_(Archetyp)#Schattenprojektion_und_Projektionsr%C3%BCcknahme

Aktuell gab es übrigens ein Beispiel mit einem Bioladen und einer Hirsemühle in der vermutlich beide Seiten mit Schatten und Projektion zu tun hatten.

Von daher war es meine Vermutung, daß jeder Journalist, der negativ, rassistisch, antisemitisch, antidemokratisch etc. über die Anastasia-Bücher schrieb, selber in sich negativ, rassistisch, antisemitisch, antidemokratisch etc. eingestellt war. Über die Anastasia-Bücher kam nun sein Schatten an Licht. Gut für die Therapie, wenn er es denn so wahrnehmen und erlösen gewollt hatte.

Wäre es fortan vielleicht passend, sobald wieder irgendjemand aufgebracht daher kommt mit den Worten, das die Anastasia-Bücher ja dieses und jenes ‚böse‘ seien, daß man einfach fragt:

Was spürtest Du beim Betrachten des Spiegels?
Welche Anteile von Dir selbst wolltest Du bisher nicht annehmen?
Was brauchst Du um diese Anteile in Zukunft liebevoll annehmen zu können?“

 

Bezugsquelle für die „Spiegel“-Bücher:
https://www.waldgartendorf.de/shop/anastasia/
Achtung: Nur geeignet für jene, die Kraft und Mut haben in den Spiegel der Seele zu schauen!

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Dieser Blogpost wurde überwiegend in der Vergangenheitsform geschrieben für gewaltfreie, friedliche Formulierung um die Zukunft frei zu lassen für ihre eigene Entwicklung. Anregung dazu kam von der Webseite www.wogopologie.com

Freitag 4. Oktober 2019

Interview mit Planet Erde

Per email wurde ich aufmerksam gemacht auf einen Cartoon aus dem Jahre 2016 von „Josh“.
Webseite des Künstlers: http://cartoonsbyjosh.co.uk/
Sein Motto lautet: „Saving the planet, one cartoon at a time“

Der Cartoon von 2016 hat den Titel: „Told you so – Josh 372“

Hier ist das englische Original:

Hier die deutsche Übersetzung:

 

Nur lachen und weiterklicken ist nicht mein Ding. Deshalb gehe ich etwas tiefer:

Sicherlich kann ein Cartoon die Realität nicht exakt abbilden, das ist vermutlich auch nicht beabsichtigt.
Zumindest das Größenverhältnis des Reporters und des Planeten ist nicht passend.

Darüberhinaus gibt es mehr, was man anmerken kann.

So frage ich meine Leser: Was in dem Cartoon kann der Wahrheit entsprechen und was nicht?

 

Dienstag 24. September 2019

Luxus Möbel aus dem Garten

Im Juni war ich zu Besuch in der neu entstehenden Möbelgärtnerei in Nordhessen:
http://www.konstantin-kirsch.de/2019/06/besuch-in-der-moebelgaertnerei.html

Heute fand ich zufällig einen Film-Beitrag über wachsende Möbel aus England:

ntv – Luxus Möbel aus dem Garten:
https://www.n-tv.de/mediathek/videos/wirtschaft/Hier-wachsen-Stuehle-fuer-14-000-Euro-article21291935.html

Bei youtube gibt es weitere Film über diesen englischen Künstler:
https://www.youtube.com/results?search_query=Gavin+Munro

Dienstag 24. September 2019

Agroforst im Klimapaket

Im aktuellen ‚Klimapaket‘, komplett gesprochen: ‚Eckpunkte für das Klimaschutzprogramm 2030‘, habe ich einen Hinweis auf Agroforst gefunden.

Seite 13, Punkt 34, im zweiten Absatz steht: „Forststreifen auf landwirtschaftlichen Flächen“:

i. Humuserhalt und Humusaufbau im Ackerland ( 34)
Wir müssen das Kohlenstoffspeicherpotenzial der Böden verstärkt aktivieren. Maßnahmen zur Kohlenstoffanreicherung sollen u.a. in der Ackerbaustrategie berücksichtigt werden, die aktuell erarbeitet wird. Der Ausbau des ökologischen Landbaus trägt ebenfalls zur Kohlenstoffanreicherung bei.
Forststreifen auf landwirtschaftlichen Flächen verbessern die Bodenqualität und reduzieren die CO2- und Schadstoffbelastung. Deshalb unterstützt die Bundesregierung die Anpflanzung von Hecken, Knicks und Alleen zum Beispiel mit Obstbäumen vor allem an den Feldrändern.

Quelle: https://www.bundesfinanzministerium.de/Content/DE/Standardartikel/Themen/Schlaglichter/Klimaschutz/2019-09-20-Eckpunkte-Klimaschutz-Download.pdf?__blob=publicationFile&v=2

Es steht am Ende zwar „vor allem an den Feldrändern“ und es steht im Punkt für Ackerland.
Im Punkt 35, Erhalt von Dauergrünland, fehlt leider der Hinweis auf Forststreifen wobei Wald-Weide-Systeme am aller besten Humus aufbauen. Außerdem bedeutet „Forststreifen“ noch lange nicht „Grundnahrungsmittel-Baumart-Streifen“. Es wird zwar im letzten Satz von Obstbäumen geschrieben, aber beispielsweise können Esskastanien oder Walnüsse Grundnahrungsmittel produzieren und sind daher weit mehr als nur Obst.

Mit dem Begriff „Agroforst“ bin ich nicht 100% glücklich, weil unter „Forst“ zu leicht nur Baumarten verstanden werden, die nur für Holzertrag geeignet sind. Nutzholz und Brennholz sind sicherlich von Wert, jedoch gibt es auch den Aspekt der Lebensmittelversorgung. Außerdem denke ich bei dem Begriff „Agro“ eher an Agroindustrie, also an sehr große Unternehmen und weniger an Kleinbauern, Gärtner und Selbstversorger.

Besser gefällt mir der Begriff ‚Baumfeldwirtschaft‘, der vom Diplomforstwirt Philipp Gerhardt geprägt wurde.
Auf seiner Seite findet man viele Anregungen zur Nutzung von Bäumen auf Feldern:
http://baumfeldwirtschaft.de/

Besonders interessant finde ich seine Ausführungen zum Keyline-System:
http://baumfeldwirtschaft.de/keyline-design/

und zur Klimawandelanpassung:
http://baumfeldwirtschaft.de/klimawandelanpassung/

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Nachtrag 19.10.2019
http://www.konstantin-kirsch.de/2019/10/agroforst-im-klimapaket-2.html