Konstantin Kirsch

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Montag 16. Oktober 2017

Ökobau mit Plastiksäcken?

Als ich vor 7 Jahren hier im Blog zum ersten Mal über die Earthbag-Bauweise schrieb, gab es viel positives Echo. Jetzt habe ich über ein konkretes Projekt, den Bau einer Mauer geschrieben, und bekam Kommentare sowie private emails mit deutlicher Meinungsmitteilung, dass Plastik doch nicht passend sei für ökologische Bauweisen.

Was hat sich in diesen Jahren geändert? Hat der Film „Plastic Planet“ weite Kreise gezogen?

Oder gibt es immer weniger Praktiker, Macher, Menschen der Tat?
(Ich bekam nämlich keine gelebten Beispiele, wie es vergleichbar ohne Plastik gehen könnte.)

Möglicherweise ist das Thema „Plastik“, oder auch „Plaste-Fantaste“ genannt, der einzige Stolperstein im Geist, der weggeräumt gehört um die Earthbag-Building-Bauweise in Deutschland salonfähig zu machen.

Daher gehe ich die Sache mal pragmatisch und sachlich an:

Plastik, bzw. Kunststoff kann durchaus eine schwere gesundheitliche Belastung für Mensch, Tier und Natur darstellen.
Man muss allerdings unterscheiden um welchen Kunststoff es sich handelt. Bei der Herstellung werden einzelne Moleküle (genannt Monomere) verkettet zu großen Strukturen (genannt Polymere). Bei dieser Herstellung bleiben praktisch immer Reste der ursprünglichen Stoffe im fertigen Kunststoff enthalten.

Als Beispiel eines bedenklichen Kunststoffes nenne ich Polystyrol. Dies ist ein weit verbreiteter Kunststoff, vom Joghurtbecher bis hin zur Dämmung (z.B. Handelsname: Styropor). Polystyrol wird durch die Polymerisation von Styrol gewonnen. Dieser Rohstoff Styrol ist im fertigen Produkt in kleinen Mengen enthalten. Weil Styrol leichtflüchtig ist, gast es aus dem Kunststoff aus (Geruch nach „neu“). Da Styrol gesundheitlich mindestens reizend, wenn nicht gar schädigend ist, ist auch Polystyrol bedenklich.

Anders hingegen sind Kunststoffe zu werten, die aus ungiftigen Monomeren hergestellt werden, z.B. PE und PP.

Polyethylen (PE) wird durch die Polymerisation von Ethen gewonnen.
Ethen ist ein Pflanzenhormon und wird beispielsweise von reifenden Äpfeln natürlicherweise freigesetzt.

Polypropylen (PP) wird durch die Polymerisation von Propen gewonnen.
Propen ist ein brennbares Gas und nur minimal anders als Ethen. Es enhält keine giftigen Benzolringe oder Chlor (wie PS oder PVC).

Sowohl PE als auch PP kann man als ungiftige Kunststoffe werten.
Sicher ist es schlimm, wenn Tiere Plastikteile verschlucken und verenden, sofern das Plastik den Bauch verstopft. Genauso tödlich kann aber auch ein Baum sein, der im Sturm umfällt und dabei ein Tier trifft.

Ich finde man kann und sollte unterscheiden: Bestehen Kunststoffe aus giftigen Substanzen? Geben sie giftige Substanzen ab?
Oder sind sie mehr oder weniger einfach nur da (Fachbegriff „inert“)?

„Als chemisch inert (lateinisch für „untätig, unbeteiligt, träge“) bezeichnet man Substanzen, die unter den jeweilig gegebenen Bedingungen mit potentiellen Reaktionspartnern nicht oder nur in verschwindend geringem Maße reagieren.“
Zitat aus https://de.wikipedia.org/wiki/Inerte_Substanz

Bei der Earthbag-Building-Bauweise werden Gewebesäcke aus PP genutzt.

Polypropylen (PP) ist geruchlos und hautverträglich, für Anwendungen im Lebensmittelbereich und der Pharmazie ist es geeignet, es ist physiologisch unbedenklich und biologisch inert.
Zitat aus: https://de.wikipedia.org/wiki/Polypropylen#Chemische_Eigenschaften

Da die Säcke nicht aus einem Stück Plastik bestehen (wie eine Plastiktüte), sondern ein Gewebe sind, sind sie auch atmungsaktiv, besser gesagt gas- und dampfdurchlässig.

PP ist äußerst kostengünstig in Herstellung und Entsorgung. Darüber hinaus kann es zu 100% recycelt werden und zerfällt unter längerer UV-Sonneneinstrahlung. PP zersetzt sich nicht bei Kontakt mit Wasser und vielen chemischen Substanzen. PP wird nicht von Insekten oder Pilzen befallen. PP ist relativ zum Eigengewicht extremst stabil und gleichzeitig flexibel. PP ändert sich sich nicht in Länge und Festigkeit bei Kontakt mit Wasser. PP enthält keine Herbizide und Pestizide. PP-Säcke sind weltweit in Massen genutzt und daher auch gebraucht kostengünstig oder kostenlos erhältlich.

Der Erfinder der Earthbag-Bauweise Nader Khalili, Architekt aus dem Iran, hat sich gleich zu Beginn für PP entschieden. Seine Arbeiten an dieser Bauweise starteten grob 1990. Ein paar Jahre später hat er ein Patent darauf angemeldet.

Nader Khalili hatte zu Beginn mit gebrauchten Reis- und Kaffeesäcken experimentiert, da diese weltweit verfügbar sind. Leider musste er schnell erkennen, dass praktisch alle üblichen Säcke aus Naturfasern (Baumwolle, Hanf, Sisal etc.) mit giftigen Stoffen behandelt sind, damit sie nicht umgehend verrotten. Nutzt man diese Säcke zum Hausbau können giftige Stoffe durch die Wand in den Innenraum diffundieren und die Bewohner schädigen. Sollte man Säcke aus Naturfasern bekommen, die nicht behandelt sind, muss sehr genau darauf geachtet werden, dass sie gut und dauerhaft trocken waren und sind, sonst können Schimmelpilze sich einnisten und Sporen in die Raumluft abgeben, die wiederum schädlich sein können.

*********

Ein anderer Aspekt ökologischen Bauens: Der Energieaufwand der Herstellung der Baustoffe.
Auch genannt: Graue Energie / Primärenergie / Energiekennzahl etc.

Als konkretes Beispiel nehme ich die soeben gebaute Earthbag-Mauer, in ihrem Zustand 16.10.2017:

+ Kalkschotter (aus 3 km Entfernung, nicht gebrochen, sondern nur ausgegraben und gesiebt / Preis ca. 30 Euro)
+ Stahl (ebay-Kleinanzeigen-Stacheldraht und Nägel / Preis ca. 5 Euro)
+ 118 Stück PP-Säcke (ebay gebrauchte ehemalige Meersalzsäcke / Preis ca. 10 Euro)
+ plus 10 Sack Zementputz (Schätzwert, weil aktuell noch nicht aufgebracht / Preis ca. 30 Euro)
Kostensumme: 75 Euro

Wenngleich Stacheldraht und Säcke gebraucht waren, so rechne ich doch die üblichen Energiekennzahlen zusammen. Beim regionalen Kalkschotter rechne ich den Energiewert von Sand, denn der Kalkschotter wurde nicht gebrochen sondern nur gesiebt.

5000 kg Kalkschotter x 0,014 Mj/kg = 70 MJ
3 kg Stahl x 30 MJ/kg = 9 MJ
4,5 kg PP  x 68 MJ /kg = 306 MJ
250 kg Zementputz  x 1,5 MJ/kg = 375 MJ
Summe: 760 MJ

Angenommen wir hätten stattdessen eine Mauer aus Stahlbeton herstellen lassen (Selbstbau geht nicht so leicht). Dann hätten wir ca. 250 Euro für den Beton zahlen müssen, zuzüglich Kosten für Schalungsbau und Armierung und wären geschätzt auf mindestens 500 Euro gekommen. Die aufgewendete Primärenergie rechnet es sich in diesem Fall grob wie folgt:

5000 kg Stahlbeton (0,8 Vol.-% Stahl) x 1,14 MJ/kg = 5700 MJ

Sollte eines Tages eine Beton-Mauer weg sollen, dann kann man sie wohl nur mit schwerem Gerät und roher Gewalt zerkleinern.
Eine Sackwand kann leicht selbst entfernt werden: Mit dem Vorschlaghammer den Putz abschlagen, dann von oben nach unten Sack für Sack entfernen, öffnen, den Schotter entnehmen (z.B. für Wegebau nutzen), Lage für Lage den Stacheldraht aufwickeln. Die Säcke kann man wiederverwenden, den Stacheldraht vielleicht auch. Wenn nicht, dann kommt er zum Schrott.

Wie man an den Zahlen sieht, liegt der Primärenergiewert bei der Sackbauweise extrem niedriger, fast bei nur 10%.
Sollte man für ein Lehmhaus den Erdaushub von vor Ort nehmen und Lehmputz statt Zement nutzen können (z.B. bei Dachüberstand machbar), dann kann man den Primärenergiewert der Sackbauweise grob nochmal halbieren.

Die Energiedaten habe ich aus dieser Liste entnommen:
http://www.bmgeng.ch/downloads/produktion/Energiekennzahlen.pdf

Sollte jemand bessere Zahlen haben, kann gerne eine korrigierte Rechnung präsentiert werden.

Neben den Zahlen eine andere Sicht: Emotional kann ich jeden verstehen, der Plastik nicht mag. Meine Priorität geht diesbezüglich in die Richtung Stück für Stück unnötige Plastikverpackung zu reduzieren. Ich finde es absurd so ein besonderes Produkt nur für ein paar Stunden oder Tage zu nutzen und dann wegzuwerfen. Im Bauwesen, bei Errichtung lang haltbarer Strukturen, sehe ich es anders: Hier kann die sorgsam ausgewählte Nutzung von Kunststoff in einigen Fällen passend sein.

Sonntag 15. Oktober 2017

Stützmauer aus gefüllten Säcken (earthbag-Bauweise)

Das Grundstück des Waldgärtnerhauses im Ort Bauhaus grenzt an eine Hoffläche des Nachbarhauses. Der Höhenunterschied beträgt ungefähr einen Meter. Die alte Betonmauer am oberen Rand der Hoffläche war teilweise unterhöhlt, in der davor liegenden Erdböschung fanden sich Reste von uralten umgefallenen Trockensteinmauern.

Aus diesen Steinen wurde im Sommer mit etwas Abstand eine neue Trockensteinmauer gebaut. Allerdings war von Anfang an klar, dass die Anzahl der Steine nicht für den kompletten Stützbedarf reichen wird.

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Insbesondere der hintere Bereich des Geländeversatzes braucht eine zusätzliche Abstützung. Wir haben uns entschieden dort eine Stützmauer aus gefüllten Säcken zu bauen.

Zunächst wurde die Unterhöhlung der alten Mauerkrone mit Beton verstopft:

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Im Rahmen eines Workcamps haben wir geschaufelt um den zukünftigen Sackwand-Bereich freizulegen:

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Am Abend des zweiten Workcamp-Tages lagen schon die ersten Säcke:

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Am dritten Tag kamen wir zügig voran. Zwischen die Sackreihen legten wir Stacheldrahl:

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Die Säcke bestehen aus sehr stabilem PP-Bändchengewebe. Gefüllt haben wir sie mit Kalkschotter 0-16 mm aus einem nahe gelegenen Steinbruch. Verschlossen werden die Säcke mit einer speziellen Falttechnik, kombiniert mit einem verzinkten Nagel.

Am Ende des dritten Tages haben wir im hinteren Bereich schon drei Reihen an Säcken:

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Man kann mit dieser Earthbag-Building-Bauweise sehr kreativ gestalten. Je nach Situation kann man gerade und runde Formen anlegen. In unserem Fall haben wir aus gefüllten Säcken einen Stützpfeiler in die Wand geformt.

Gestern haben wir mehr in die Länge gebaut und einen weiteren Stützpfeiler angefangen:

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Jede Sackreihe liegt etwas versetzt in Richtung Wand. Dadurch entsteht eine Stützwirkung und die Sackmauer kann nicht umkippen. Die Fuge zur Böschung wird laufend mit Kalkschotter verfüllt und gut gestampft. Dadurch gibt es einen kraftschlüssigen Übergang zur Böschung. Sobald die Wand fertig ist werden die Säcke verputzt, beispielsweise mit einem Zementputz. Dies muss zeitnah geschehen, denn die PP-Säcke sind nur kurze Zeit UV-fest. Das heißt, bei längerer Sonneneinstrahlung würden sie sich auflösen.

Jede Sackreihe wird vor dem Verlegen des Stacheldrahtes stark verdichtet mit Erdstampfern:

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Von links nach rechts:
Ein ein Deutschland üblicher Erdstampfer 20 x 20 cm (Klick zu amazon)
Ein in den USA üblicher Erdstampfer 10 x 10 Zoll (Klick zu amazon)
Ein selbstgebauter Erdstampfer 15 x 15 cm
Ein selbstgebauter Erdstampfer 30 x 30 cm

Die selbstgebauten Stampfer haben sich besonders gut bewährt:

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Der Stiel ist ein Feldhackenstiel 135 cm x 3,5 cm Durchmesser. Er steckt in einem Präzisionsrohr aus Stahl mit Innendurchmesser 35 mm, fixiert mit einer durchgehenden Edelstahlschraube M8 und selbstsichernden Mutter. Die Bodenplatte und die Dreiecke bestehen aus 10 mm dickem Stahl wobei die Bodenplatte an den Rändern sehr stark gerundet ist. Dies ist wichtig, damit das Gewebe der Säcke beim Stampfen intakt bleibt. Der größere Stampfer wird genommen um gleichmäßigere Flächen zu erzielen. Der kleinere Stampfer ist gut geeignet um punktueller stärker zu verdichten.

Empfohlene Earthbag-Literatur:

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Emergency Sandbag Shelter and Eco-Village: Manual-How to Build Your Own with Superadobe/Earthbag; Autor: Nader Khalili

Earthbag Building: The Tools, Tricks and Techniques: The Tool, Tricks and Techniques; Autoren: Kaki Hunter und Donald Kiffmeyer

Building With Earth: A Guide to Flexible-Form Earthbag Construction; Autorin: Paulina Wojciechowska
(Titelbild bei Amazon abweichend von dem gelieferten Exemplar)

Earthbag Architecture: Building Your Dream with Bags; Autor: Kelly Hart

Earthbag Building Guide; Autor: Owen Geiger
(Beim Autor kann nur die PDF bestellt werden. Diese habe ich bei epubli in Auflage 1 Stück für Eigenbedarf drucken lassen. Ist zwar recht teuer, aber ich mag real anfassbare Bücher lieber als rein elektronische Dateien)

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In dem erstgenannten Buch „Emergency Sandbag Shelter“ gibt es eine mehrseitige Trainingsanleitung für den Bau einer Notunterkunft. Diese Anleitung darf frei weiter gegeben und auch übersetzt werden. Ein paar Ausgaben in verschiedenen Sprachen konnte ich finden. Hier sind die PDF-Dateien:

Englisch
Deutsch
Spanisch
Arabisch

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Kommentare von Workcamp-Teilnehmern:

Von mir gibt es fünf Sterne. Die Bauweise ist individuell gestaltbar, je nach dem was man bauen will. Viel Spielraum für Ideen.
Max D.

Gemeinschaftsstiftend, multidimensional gedacht, wie immer, wenn ich bei Konstantin bin. Die Bauweise: unendlich individualisierbar, extrem stabil, krisensicher, kostengünstig, ermöglicht ausserordentlich organische Bauformen. Alle Daumen hoch.
Christoph K.

Ich nehme mehr mit als nur den Workshop. Das Umfeld zu erleben, Einblicke in Konstantin Ideen und Experimente zu bekommen ist sehr inspirierend.
Marco S.

Das Workcamp teilt sich perfekt zwischen Theorie und Praxis. Die Teilnehmerzahl hat sich ständig verändert, einige blieben nur einen Tag, andere 5 Tage. Auch die Kinder durften helfen und fühlten sich vollwertig. Für uns war es eine sehr wichtige Woche um dem Familienlandsitz in den Gedanken genauer manifestieren zu können. Danke Konstantin. Du bist so wertvoll für uns alle ♡.
Sabrina D. (bei FB: Anastasia Raum der Liebe / Nähere Infos folgen  😀)

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Wer mitbauen will: Das Workcamp geht weiter:
http://www.waldgartendorf.de/seminare-veranstaltungen.html#earthbag

Freitag 13. Oktober 2017

Was hat es mit dem Phänomen Anastasia auf sich?

Anfang Dezember startet die große Online-Konferenz „Goodbye-Matrix“. Darin gebe ich ein Interview über die Anastasia-Bücher.

Über diese Webseite kann man sich anmelden und an der Konferenz teilnehmen:

http://goodbyematrix.com/was-hat-es-mit-dem-phaenomen-anastasia-auf-sich/

Montag 25. September 2017

Der Handabdruck – positive Nachhaltigkeitswirkung

Seit Jahren kenne und nutze ich den Begriff „ökologischer Fußabdruck“.

Unter dem ökologischen Fußabdruck wird die Fläche auf der Erde verstanden, die notwendig ist, um den Lebensstil und Lebensstandard eines Menschen (unter den heutigen Produktionsbedingungen) dauerhaft zu ermöglichen.

Zitat von: http://de.wikipedia.org/wiki/Ökologischer_Fußabdruck

Dieses Thema ist brauchbar um die schädigende Wirkung von menschlichem Verhalten zu bewerten und eine Verringerung des Schadens anzustreben.

Im Unterschied dazu wäre eine Würdigung von wünschenswertem Verhalten doch noch besser als nur die Verringerung des Schadens. Ein erster Schritt wäre die Bezeichnung: Positiver Fußabdruck.

Es geht aber noch besser: Mit dem Begriff „Der Handabdruck“ wird ein neuer Fachbegriff eingeführt, der ein komplementäres Maß positiver Nachhaltigkeitswirkung werden soll.

Ich zitiere aus der Webseite: http://www.handabdruck.org

Der Handabdruck ist ein innovativer und ganzheitlicher Ansatz, welcher es ermöglicht, ökologische, ökonomische und soziale Nachhaltigkeitswirkungen von Produkten bewertbar, messbar und kommunizierbar zu machen. Der bestehende Ansatz des Fußabdrucks ist auf negative ökologische Auswirkungen von Individuen, Organisationen oder Ländern fokussiert. Der Handabdruck soll demgegenüber den gesellschaftlichen Mehrwert bzw. positive Nachhaltigkeitswirkungen von Produkten erfassen, messen und bewerten sowie die soziale und ökonomische Dimension in die Betrachtung einbeziehen. Während der weit verbreitete Fußabdruck also metaphorisch eingesetzt wird, um eine negative Belastung darzustellen, symbolisiert der Handabdruck das positive, gestalterische Management und das gezielte Steuern hin zu einer nachhaltigen Entwicklung.

 

Freitag 15. September 2017

Vortrag und Buchvorstellung „Das Neue Dorf“

Dieser Vortrag, bzw. dieses Buch, betrifft im engeren Sinn die Permakultur, also die nachhaltige Kulturentwicklung.

Genauer betrachtet betrifft es jedoch praktisch jeden.

Wenn alle Menschen in die Städte ziehen, stirbt das Land – und daraufhin auch die Stadt – denn die Stadt ist abhängig vom Land.

Wenn wir jedoch neue Dörfer entstehen lassen, dann hat Land UND Stadt eine Chance.

Den Autor und Referenten Prof. Dr.-Ing. Ralf Otterpohl kenne ich seit vielen Jahren und freue mich über die entstandene, gegenseitig bereichernde Freundschaft.

Er hat sich intensiv mit Abwasserreinigung, Komposttoiletten und Humus beschäftigt. Seit einiger Zeit interessiert ihn immer mehr der Zusammenhang zwischen Siedlungsformen und der Wechselwirkung auf Humus und Wasser. So kam er auf die Vision des neuen Dorfes.

Jetzt ist sein neues Buch frisch von der Druckerei gekommen!

Das Neue Dorf
Vielfalt leben, lokal produzieren, mit Natur und Nachbarn kooperieren
Autor: Ralf Otterpohl
Verlag: oekom
Taschenbuch, 180 Seiten
20 Euro

Bei uns im Shop erhältlich:
http://www.waldgartendorf.de/shop/artikeldetails/product/das-neue-dorf.html

In den vergangenen Tagen habe ich das Buch durchgelesen und bin sehr erstaunt. So viele Ideen und Hinweise auf weltweit vorhandene Projekte ist einfach nur beeindruckend. Es ist ein richtungsweisendes Mutmach-Buch!

Ganz besonders freue ich mich, dass wir Ralf gewinnen konnten bei uns einen Vortrag zu halten über die Vision „Das neue Dorf“. Dabei wird er selbstverständlich auch das neu erschienene Buch vorstellen.

Am kommenden Sonntag, den 17. September 2017, ist es so weit.
Zeit: 18 Uhr.
Ort: Waldgärtnerhaus, Schulstraße 1, 36214 Nentershausen
Eintritt: 10 Euro

Mehr Details zum Vortrag und Buch:
http://www.waldgartendorf.de/seminare-veranstaltungen.html#dasneuedorf

Montag 4. September 2017

Ernährung für ein nachhaltiges Leben: Gundry-Style

Das Buch „The Plant Paradox“ von Dr. Steven Gundry gibt Antworten auf viele offene Fragen zur gesunden Ernährung:

Vor ein paar Tagen hatte ich im Blog-Post „Warnung vor Soja“ einen Hinweis auf dieses Buch gegeben.

Soeben habe ich eine ausführliche Seite zum Thema Gundry-Style geschrieben. Ich sehe in diesem Ernährungsstil sehr viel Potential für Gesundheit, Permakultur und das leben in Waldgartendörfern:

http://www.konstantin-kirsch.de/gundry-style

Der Link dazu findet sich auch ganz oben links, im Hauptmenue des Blogs.

Nun lade ich alle Interessierten ein, die Kommentarfunktion zu nutzen für Fragen, Erfahrungen und Austausch.

Sonntag 3. September 2017

Prophezeihungen

Vor ein paar Tagen bekam ich eine besorgte eMail einer guten Freundin:

Hallo Konstantin,
kennst du Alois Irlmaier, ich bin geschockt, […]

Meine spontane Antwort war:

Liebe xxxxx,

den Alois Irrt-sich-maier habe ich noch nicht getroffen, aber von ihm
gelesen habe ich schon ein wenig.
Interessiert mich aber nur wenig seit den Anastasia Büchern.
Es gibt ja auch den Nostradamist – äh muss.

Wir Menschen sind fähig ins Schöpferbewusstsein zu gelangen und dann
spielen diese Prophezeihungen keine Rolle mehr weil diese nur eine
Möglichkeit bzw. Tendenz aufzeigten, oder eine Aussicht waren, WENN alle
so weiter machen wie bisher. Sobald aber nur ein Mensch sein Leben anders
lebt als damals geplant, er also kreativ schöpferisch tätig ist, dann geht
alles in eine andere Richtung.

Was hat Dich denn an Alois geschockt?
[…]

Darauf ihre erneute Antwort:

http://www.viversum.de/online-magazin/alois-irlmaier-prophezeiungen

ich bin beruhigt, werde aber trotzdem den Katastropenschutzplan mit
meinem Mann bearbeiten… ihn hat das jetzt auch irgendwie angestachelt.

*Die Vorzeichen des Dritten Weltkriegs schildert Irlmaier folgendermaßen:*

– Wohlstand wie nie da gewesen
– Glaubensabfall und Verfall der Sitten
– Eine große Anzahl Fremder strömt ins Land
– Wertverlust des Geldes
– Revolutionen im Land

[…]

Vermutlich haben viele Leser meines Blogs schon vor Irlmaier und seinen seherischen Fähigkeiten und seinen Prophezeihungen gehört oder gelesen. Leicht kann man bei solchen „Voraussagen“ in Angst, Aussichtlosigkeit, Starre, Verzweiflung usw. verfallen. Wenn man jedoch bedenkt, dass es vielfältige Möglichkeiten der verzerrten Wahrnehmung gibt, dann sieht die Sache etwas anders aus. Hier eine Liste bei Wikipedia, die aufzeigt, dass es sehr viel Auswahl gibt, die wahre Realität verzerrt wahrzunehmen: https://de.wikipedia.org/wiki/Kategorie:Kognitive_Verzerrung

Ich nehme jetzt nur mal einen heraus: „Bestätigungsfehler“
Zitat: … die Neigung, Informationen so auszuwählen, zu ermitteln und zu interpretieren, dass diese die eigenen Erwartungen erfüllen.

Zurück zu den angeblichen Vorzeichen eines Dritten Weltkrieges (siehe oben).
Wenn man liest: „Wohlstand wie nie dagewesen“, dann kann man das interpretieren, dass dies aktuell der Fall sei. Auch bei „Glaubensabfall und Verfall der Sitten“ sowie bei „Eine große Anzahl Fremder strömt ins Land“, kann man dies als Jetzt-Zeit interpretieren. Von einem drohenden Geldverfall dürften einige auch schon gehört haben usw.

Wenn man jedoch anders an die Sache heran geht, kann man es auch anders interpretieren:
Es kann noch weit mehr Wohlstand geben wie jetzt (ich kenne viele, die nicht wirklich viel Wohlstand haben).
Es glauben immer noch sehr viele an Geld, an Technik, an Staat, an Sicherheit, an Wissenschaft, an …
Auch „Sitte“ verfällt aktuell nicht unbedingt sondern wandelt sich. Viele fühlen es z.B. als Unsitte, wenn sie erfahren, dass ich kein Handy habe. Sitte hat viel mit Gewohnheiten zu tun.
Und dann zu dem Punkt der „vielen Fremden“, die ins Land strömen. Nun, wie fremd sind denn die Flüchtlinge? Und sind es wirklich „viele“? Beides ist relativ. Menschen aus südlichen Ländern, von Syrien bis Afrika, sind keine Ausserirdischen Sie sind Menschen und damit uns Deutschen sehr verwandt. Insbesondere gilt dies, da angeblich die Wiege der Menschheit in Afrika gelegen haben soll. Meiner Vermutung nach würden dunkelhäutige Afrikaner, wenn sie nur lange genug in lichtarmen Regionen wie Deutschland leben würden (damit meine ich einige hunderte Generationen lang) auch hellhäutig werden, weil dies eine natürliche Anpassung an veränderte Umgebungsparameter ist. Ich vermute allerdings auch, dass die meisten angekommen Flüchtlinge schnell merken, dass sie hier nicht wirklich glücklich werden und zügig wieder in ihre Heimatregion zurückkehren – spätestens wenn der Punkt „Wertverlust des Geldes“ eingetreten sein sollte.

Und mit „Revolutionen“ kann man auch ganz unterschiedliches interpretieren. Manche sehen darin Gewalt auf den Strassen, manche den Sturz einer Regierung, ich sehe darin aber z.B. auch die Zerstörung von Wäldern durch Windräder.

Laut Definition von wikipedia steht Revolution für:

ein grundlegender und nachhaltiger struktureller Wandel eines oder mehrerer Systeme, der meist abrupt oder in relativ kurzer Zeit erfolgt.

Ich sehe, dass der Menschheit etwas viel heftigeres ins Haus steht als eine Revolution, die sich auf eine Änderung von Strukturen bezieht: Es bahnt sich an, dass das Herz bedeutender wird als äußere Strukturen.

Diesbezüglich habe ich einen passenden Text gefunden im Buch „Unendliche Liebe“ von Glenda Green (Seite 250 f.):

Eine große Veränderung im Herzen kann – vor allem, wenn sie von vielen erfahren wird – alle vorherigen Prophezeihungen verändern. Vor zweitausend Jahren, als ich [Jesus] auf der Erde wandelte, waren die Bedingungen so, dass es innerhalb der nächsten fünfhundert Jahre eine riesige Umwälzung hätte geben können. Doch es geschah nicht.
[…]
Und zwei- bis fünfhundert Jahre später hätte es eine weitere erdgeschichtliche Katastrophe geben können, und sie geschah wieder nicht. Solange die Herzen sich ändern, müssen auch die äußeren Vorhersagen ständig angepasst werden.
[…]
In diesen Zeiten bereiten die von den Prophezeihungen erwarteten Umwälzungen vielen Menschen Sorge.
[…]
Die Strukturen, die das Leben der Menschen heutzutage beherrschen, sind alle in einem Zustand der Getrenntheit und Unbewusstheit erschaffen worden. Ihr kraftvolles Momentum trägt kontinuierliche Unterdrückung in sich. Das so Erschaffene muss die Seele des Menschen unterdrücken und versklaven, um zu überleben. Wenn die Zeit der Erfüllung des Menschen kommt, wird alles zusammenstürzen, was entgegen dem Wohl der Menschen überleben will.
[…]
Es hängt zum großen Teil von der individuellen Entscheidung ab, wie die Ereignisse erfahren werden.

Wer mehr lesen will, dem lege ich das Buch ans Herz:

Dienstag 29. August 2017

Pooktre kommt nach Europa!

heute erreichte mich eine ganz überraschende Nachricht:
Peter Cook and Becky Northey, die Gründer von Pooktre, wandern aus.
Sie ziehen um von Australien nach Europa, genau gesagt nach Portugal!!

Mit ihnen kommt wohl das größtmögliche Wissen um Baum-Kreativ-Kunst nach Europa. Die Bilder auf ihrer Webseite sind mehr als erstaunlich:

Ganz besonders gelungen ist dieser Stuhl:

www.pooktre.com

Hier die heute angekommene email:

*********
Ok it’s official we are emigrating to Portugal. It’s been a while in the planning. We will be traveling to Europe in mid September. Pooktre will be starting new projects and teaching hands on how to shape trees successfully. We have so many plans it hard to know where to begin. In short we aim to help people learn more about tree lore and our proven pooktre process of shaping trees.
In Europe we plan on lecturing, organizing workshops and living art infrastructure projects, Once we are settled we want to create an open garden and exhibit our art throughout Europe.

We would be interested to hear from anyone who would like help us with achieving our goals.
*********

Ich bin immer noch sprachlos. Selbstverständlich sind Peter und Cook herzlich eingeladen mich zu besuchen. Dies habe ich umgehend per email nach Australien geantwortet. Ich hoffe sehr, dass es klappt. Gerne will ich zu so einem Treffen einladen, damit alle Interessierten Peter und Becky direkt kennenlernen können.

Freitag 25. August 2017

Von Russland in die Welt

Für die zweite Auflage des Anastasia-Indexes ist es angedacht ein Zusatzkapitel aufzunehmen. Der Anlass für diesen Schritt kam durch Kritik an den Büchern in Kombination mit mehreren Gesprächen, wie man mit der Kritik sinnvoll umgehen kann.

Vom Verlag habe ich die Rückmeldung erhalten, dass ich den Text vorab hier veröffentlichen darf:

Lieber Konstantin,

Danke, dass Du fragst. Die Copyright-Situation ist hier ganz klar: Du hast diesen Text verfasst und darfst daher als Urheber damit machen, was immer Du möchtest. Sicherlich darfst Du ihn also auf Deiner eigenen Website veröffentlichen. Ich würde dies sogar begrüßen, denn auf diese Weise können Leser/innen bereits dazu Stellung nehmen und Dir eventuell Hinweise geben, wie Du den Text noch optimieren kannst. Dies ist ja der große Vorteil von elektronisch publizierten Texten: Sie können jederzeit ohne großen Aufwand verändert werden.

Wenn ein Text aber erst einmal in einem Buch abgedruckt ist, kann man dies nicht mehr rückgängig machen. Man kann ja nicht alle Bücher wieder einsammeln. Daher ist es wünschenswert, dass Du diesen Text zunächst durch die Besucher Deiner Website „prüfen“ lässt und dann anhand ihrer Reaktion erkennen kannst, wie er ankommt.

Irgendwann wird sich uns die Frage stellen, ob wir den Text in die zweite Auflage des Indexbuches aufnehmen, und dann werden wir gemeinsam entscheiden. Das wird aber wie gesagt noch ein paar Wochen dauern. Und dann wird die Copyright-Situation so sein, dass Du den Text dem Govinda-Verlag für die Veröffentlichung im Buch zur Verfügung stellst, ihn aber trotzdem weiter auf Deinen eigenen Plattformen publizieren kannst. Man nennt das in der Fachsprache „nicht-exklusives Nutzungsrecht“.

Mit herzlichem Gruß

 

So lade ich alle Interessierten ein, den Text zu prüfen und Anregungen als Kommentare zu verfassen.
Die Angaben zu den einzelnen Büchern beziehen sich auch die aktuellen Ausgaben der Anastasia-Buchreihe.

 

Von Russland in die Welt

Die Anastasia-Bücher stammen vom russischen Autor Waldimir Megre und wurden ursprünglich für seine Landsleute und deren Gegebenheiten geschrieben. Die Buchreihe wird auch ‚Klingende Zedern Russlands‘ genannt. Die meisten der enthaltenen Erzählungen handeln daher auch in Russland. Es gibt jedoch eine bemerkenswerte Kurzgeschichte, die in Mitteleuropa stattgefunden haben dürfte: Die letzte Schlacht der Römer gegen die Kelten (Band 2: 74). An anderer Stelle wird auf Dolmen in verschiedenen Ländern inkl. Deutschland hingewiesen (Band 2: 225). Außerdem gibt es eine Geschichte, in der ein Deutscher eine Russin mit der wedischen Liebeserklärung anspricht: „Mit dir, die wünderschöne Göttin, dürfte ich den ewigen Raum der Liebe schaffen.“ Dieser Satz ist übrigens in den russischen Büchern exakt so in deutscher Sprache geschrieben. In der Übersetzung wurde der Satz leicht korrigiert (Band 8.2: 225).

Für das umfassende Verständnis der Anastasia-Bücher ist es beachtenswert, dass die russische Sprache sehr bildhaft ist. Eine noch so genaue Übersetzung kann sich, bezüglich der entstehenden Bilder, vom Original sehr unterscheiden. Insbesondere bei Doppeldeutigkeiten, die in Worten beinhaltet sein können, ist eine exakte Übersetzung oft unmöglich. Auch sind Begriffe wie ‚Heimat‘, ‚Familie‘, ‚Volk‘, ‚Ahnen‘, ‚Nation‘ in Russland gebräuchlich und in Deutschland vorbelastet bzw. mit anderen Assoziationen verknüpft.

Beispielsweise beinhaltet das Wort семья [semˈja], übersetzt: ‚Familie‘, im Russischen durch die zwei Wortbestandteile auch die Bedeutung: ’sieben Ichs‘. In Kombination mit der Empfehlung von einem Hektar pro Familie kann man die Anregung herauslesen, dass eine durchschnittliche Bewohnerzahl von sieben Menschen pro Hektar anzustreben sei. Übrigens ist diese Bevölkerungsdichte geeignet für eine äußerst flächensparende Siedlungsform, wohl diejenige mit der Möglichkeit des geringsten ökologischen Fußabdrucks überhaupt. Eine Stadt beansprucht extrem viel Fläche außerhalb der Stadt, insgesamt weit mehr, als wenn die Menschen in dezentralen Familienlandsitz-Siedlungen leben würden (Band 5: 122).

Bei entsprechender Landgestaltung, Landschaftspflege und Lebensstil auf dem Hektar ist übrigens noch mehr möglich: Über die Reduzierung negativer Wirkungen hinaus kann eine positive Nachhaltigkeitswirkung auf Mensch, Natur und Umwelt erreicht werden. Das bedeutet, der Mensch kann sich wandeln vom Umweltschädling zum Umweltnützling (zur Unterscheidung zum ökologischen Fussabdruck wird eine positive Nachhaltigkeitswirkung ‚Handabdruck‘ genannt).

Das zweite Beispiel ist der in der Buchserie häufig genannte Begriff родовое поместье [rodoˈwoje poˈmestje]. Diese Wortkombination trägt auch die Bedeutung der gemeinsamen Herkunft der Familienmitglieder in sich, was der deutsche Begriff ‚Familienlandsitz‘ nicht gleichwertig wiedergibt (Band 10: 121f.). Begriffe wie ‚Familienstammlandsitz‘ oder ‚Ahnengrund‘ wurden von Lesern als womöglich bessere Übersetzung diskutiert, jedoch ist das Wort ‚Familienlandsitz‘ allgemein gebräuchlich, weil es so in den deutschen Büchern steht.

Das Interesse an den Anastasia-Büchern steigt auch im deutschsprachigen Raum laufend. Viele Menschen sehnen sich hierzulande nach globalem Frieden, nach Änderungen in ihrem Leben, nach einer lebensfreundlichen Perspektive, nach einem Ausstieg aus dem Hamsterrad und einem Einstieg ins Leben mit der Schöpfung (Band 6: 234). Sie wollen mit Hand und Herz ein Stück Land hegen, pflegen und zum Erblühen bringen. Regionale, kulturelle und religiöse Herkunft ist dabei nebensächlich. Es geht vielmehr um das gemeinsame Ziel, die Entwicklung einer lebensfreundlichen Kultur auf dem gesamten Planeten inklusive dem Schaffen eines individuellen Lebensraums, den man mit Freude betrachten kann, und den man eines Tages guten Gewissens an die Nachwelt weitergibt. „Und alles ist so unglaublich einfach: Die Menschen müssen nur ihren Hektar Land bekommen.“ (Band 5: 19)

Gleichzeitig mit dem größer gewordenen Bekanntheitsgrad ist auch Kritik aufgetaucht. Insbesondere gilt dies für Medien und (kirchliche) Institutionen, denen die Inhalte der Anastasia-Bücher gelegentlich suspekt oder gar gefährlich (für ihr Weltbild?) erschienen. Auffallend ist, dass in den Büchern schon von diesem Widerstand geschrieben steht:

Gegen die Ideen, die in der Buchreihe ‚Klingende Zedern Russlands‘ dargelegt sind, läuft eine zielgerichtete, deutliche Kampagne mit dem Ziel, ihre Verbreitung in der Gesellschaft zu verhindern.“ (Band 6: 242)

Beschimpfungen, Diffamierungen und Schmutzkampagnen gehen oft einher mit Beleidigung, übler Nachrede oder Verleumdung. Statt reflexartig zurückzuschlagen, kann man solche Provokationen auch als Test betrachten, ob man selbst unter Stress, in sich zentriert, souverän und selbstbewusst bleibt.

Für Herz und Seele, für die innere Gesundheit, ist es wohl das Wichtigste, auf das Angebot der Konfrontation nicht einzugehen, Aspekte des vermeintlichen Gegners auch im eigenen Innern zu finden und diese Menschen liebevoll zu segnen. Danach hat man freie Wahl beim nach Außen sichtbaren Verhalten: Von Strafanzeige über Gedicht und Lieder (Band 6: 180) bis hin zum Ignorieren gibt es unzählige Möglichkeiten.

Auf jeden Fall hat es einen Wert, die eigenen Gefühle jederzeit wahrzunehmen:

Es hat sich jetzt eine Situation gebildet, in der Menschen verleumdet werden, die Gottes Schöpfung zu berühren wünschen. Solche Menschen gibt es heute in größerer Anzahl und sie können nachempfinden, wie einstmals ihre Urahnen verleumdet wurden. Denen, die heute verleumdet werden, flößen diese ihre Urahnen neue Kraft und frischen Mut ein. Wie Schutzengel behüten jene fernen Ahnen ihre heutigen Nachkommen.“ (Band 8.1: 177)

Die Kritiker verhalten sich genau so, wie in den Büchern beschrieben. Der Widerstand gegen die Bücher wird den Erfolg der Buchreihe eher unterstützen als behindern (Band 6: 244). Gleichzeitig kann Kritik die Qualität der Landsitzprojekte fördern, indem die Vorhaben umfassender durchdacht werden (Band 7: 59).

Was bieten die Kritiker eigentlich als Lösungsidee für die globalen Herausforderungen? Sind sie realitätsfremd und sehen die Probleme gar nicht? Glauben die Kritiker womöglich, dass ‚weiter wie bisher‘ wirklich eine Besserung einläutet? Wo ist deren Konzept für geringen ökologischen Fußabdruck, für positive Nachhaltigkeitswirkung, für Humusaufbau, für gesunde Luft, für sauberes Wasser, für glückliche Kinder? Gibt es einen Ansatz, der mehr bewirkt als nur Symptomkur und Fassadenretusche? Haben die Kritiker einen Plan über einen Zeithorizont von mindestens sieben Generationen?

Interessant ist in diesem Zusammenhang auch der sogenannte Dunning-Kruger-Effekt: „Wenn jemand inkompetent ist, dann kann er nicht wissen, dass er inkompetent ist. Die Fähigkeiten, die man braucht, um eine richtige Lösung zu finden, sind genau jene Fähigkeiten, die man braucht, um eine Lösung als richtig zu erkennen.“ (Justin Kruger und David Dunning, wikipedia)

Ist es daher erstaunlich, dass nicht jeder sofort erkennt, welch weitreichender Lösungsansatz die Schaffung von Familienlandsitzen ist?

In gehobener Gesprächskultur ist es neben der Selbstverständlichkeit des Ausreden-Lassens auch üblich, dass Kritik nur geübt wird, wenn ein eigener, besserer Vorschlag eingebracht wird. Wie würde eine Welt sich anfühlen, in der alle Volks- und Medienvertreter dies beherzigen würden?

Vermutlich wurden die Anastasia-Bücher von den Kritikern als politisch nicht gewünscht gewertet, weil sie weder anti-russisch noch anti-deutsch noch anti-irgendwas sind. Die Bücher sind nämlich überhaupt nicht ‚anti-‚, sondern ‚pro-‚: pro-Leben, pro-Liebe, pro-Glück! Die Bücher zielen auf das liebevolle, schöpferische, kreative, gemeinsame Schaffen und nicht auf Zerstörung, Spaltung und Trennung. Die Antwort auf die Herausforderungen der Welt liegt in der Einung der Gegensätze (Band 2: 56; Band 3: 180; Band 6: 163; Band 7: 123; Band 10: 207). Können diese Bücher daher überhaupt als wertvoll wahrgenommen werden in den Augen derer, die dauernd nach Trennung suchen und Zerstörung anstiften (Band 4: 55-57)?

Kurzzitate der Buchreihe wurden in einer TV-Sendung sogar verwendet, um Mitteilungen der Buchserie ins Gegenteil zu verkehren. Beispielsweise wurden Textstellen zum Thema Juden missbraucht als vermeintlicher Beweis, dass in den Büchern Kritik an Juden geübt oder darin gar Antisemitisches stehen würde.

Die Zitate, im Kontext betrachtet, lassen die eigentliche Botschaft erkennen: Es geht um die Lösung der Konflikte und Aufarbeitung der Anfeindungen, denen Juden seit langen Zeiten ausgesetzt waren (Band 8.1: 138). Ein grundsätzlicher Lösungsansatz lautet: Gemeinsames oder nachbarschaftliches Gärtnern kann zum Verständnis von Menschen unterschiedlicher regionaler und religiöser Herkunft beitragen.

Neben Wortverdrehungen ist eine bekannte Diffamierungsmethode das Anprangern vom Verhalten einzelner Menschen, die eventuell nur ganz am Rande mit der Familienlandsitz-Bewegung zu tun hatten, jedenfalls nie repräsentativ oder gar stellvertretend für zehntausende von Buchlesern stehen können.

Was mit Rufschädigung beginnt – egal welcher Art und egal von wem und gegen wen – kann sich bis zum Fanatismus steigern. In so einer Lage mag es weise sein, zum Wohle aller Beteiligten, wenn das alte Spiel von Teilen und Herrschen gewandelt wird in gegenseitiges Verständnis, Respekt und idealerweise in Kooperation.

Eine wichtige Aufgabe ist es, dass (religiösen) Fanatikern geholfen wird, eine natürliche Weltanschauung wiederzufinden (Band 7: 130).

Beispielsweise sollte die Vorstellung, durch Selbstmord-Attentate in ein jenseitiges Paradies zu gelangen, abgelöst werden durch diesen neuen Gedanken: „Unser Vater und unser Paradies sind nicht irgendwo, sondern hier bei uns auf Erden zu finden.“ (Band 7: 125ff.)

Auch Sehnsucht nach einem autoritären Führer, nach Elitebewusstsein, nach einer zentralen Organisation oder nach rigorosen Gruppenregeln, hätte eher etwas mit Fanatismus und Sekten zu tun, als mit dem Inhalt der Anastasia-Bücher. So bemerkt beispielsweise Anastasias Großvater: „Wenn wir nicht endlich selbst zu denken anfangen, werden wir weiterhin jeglichen Unsinn für Lebensweisheit halten.“ (Band 8.2: 28)

Selbst Besessenheit für eine Wir-müssen-aufs-Land-Ideologie, wäre schon schädlicher Fanatismus. Anastasia bemerkt diesbezüglich: Wer um sich herum Schmutz geschaffen hat, wird auch Schmutz an einen anderen Ort tragen. Er sollte zuerst den Ort säubern, den er verunreinigt hat; dadurch wird er selbst rein werden“ (Band 3: 182f.). Darunter kann verstanden werden, sich verdrängten Gefühlen, Emotionen, Verletzungen oder Traumata anzunehmen.

Hat man den Mut zu sogenannter Schattenarbeit ist man auf dem Weg intensiver Persönlichkeitsentwicklung. Dazu gehört beispielsweise auch, das eigene Herz zu öffnen. Als Anastasia dies zum ersten Mal anspricht, versteht Wladimir gar nicht, was sie damit meint (Band 3: 126). So kann es auch Lesern gehen, dass sie angeregt werden, den Weg des Herzens zu gehen, ohne vorher genau zu wissen, was aus ihrem Unterbewusstsein alles an die Oberfläche kommen wird. Neben Schmerz, Angst und Wut kann beispielsweise auch Größenwahn und Narzissmus auftauchen. Mit dem Spüren der verdrängten Gefühle nähert man sich seinem inneren Gleichgewicht, man wird ein ausgeglichener Mensch (Band 6: 138).

Einhergehend mit der inneren Entwicklung kann der Einzelne einen passenden Weg zum eigenen Landsitz finden.

Neben politischen und religiösen Meinungen gibt es einen weiteren Bereich des Daseins, in dem Dogmen und Fanatismus weit verbreitet sind: die Ernährung.

Anastasia sagt dazu: „Man sollte es mit dem Essen halten wie mit dem Atmen …“ (Band 1: 45). Die Eichhörnchen helfen ihr, indem sie Nüsse und Pilze sammeln (Band 1: 51). Sie ernährt sich überwiegend saisonal-frisch-wild-roh-pflanzlich-regional (Band 1: 95). Gleichzeitig wird dieses Vorbild nicht zum starren Dogma erhoben. Es gibt beispielsweise eine Situation, in der Anastasia einen Gasherd bedient, um Wladimir mit einem Frühstück, wie er es gewohnt ist, zu erfreuen (Band 5: 226f.). Sie weicht hierbei interessanterweise nicht von ihren Prinzipien ab, wie es fälschlicherweise verstanden werden könnte, denn die Liebe ist die Grundlage von allem (Band 4: 181). Dazu gehört die liebevolle Wertschätzung von Gewohnheiten und Signalen des eigenen Körpers (Band 1: 94; Band 2: 148; Band 8.1: 23; Band 10: 50). Anastasia gibt auch eine genaue Anleitung für die Umstellung der eigenen Ernährung (Band 8.2: 55f.). Längerfristig wird den Lesern die Nahrung aus dem eigenen Garten empfohlen, aus dem selbst geschaffenen Raum der Liebe (Band 6: 132).

Die Leser der Buchreihe kommen aus unterschiedlichsten Bevölkerungsgruppen: Vom Top-Manager bis zum Arbeitslosen, von jung bis alt, ist alles dabei. Die Beobachtung zeigt, dass die Lektüre der Anastasia-Bücher eine harmonisierende Wirkung auf außergewöhnliche oder gar extreme Ansichten haben kann (Band 7: 131). Besonders intensiv wirkt die Vorbereitung auf das Landsitzleben mit Hilfe des Modellbaus (Band 10: 186-206). Die Leser interessieren sich mehr und mehr für Natur, Wald und Garten. Die eigenen Gedanken werden beobachtet und als kreative Schöpfungskraft wertgeschätzt (Band 8.2: 206). Die Leser beginnen zu handeln, streben nach gesundem und glücklichem Leben sowie danach, mit sich selbst, ihren Verwandten und Nachbarn ins Reine zu kommen.

Insofern können die Anastasia-Bücher als förderlich für Genesung und Gesundheit gesehen werden (Band 1: 174). Jene, die extreme Ansichten in sich tragen, sind vielleicht genau diejenigen, denen diese Bücher besonders gut tun.

Ist man konfrontiert mit negativ eingestellten Zeitgenossen, so kann eine erhöhte eigene Gedankengeschwindigkeit günstig sein (Band 7: 76). Wer selber gut und schnell denken kann, immunisiert sich selbst von innen heraus gegen extreme Ansichten, Okkultismus und Dogmen.

Als tägliche Übung empfiehlt sich Dankbarkeit und Vergebung. Damit kann man positive Emotionen stärken und negative entkräften. Anastasia betet in diesem Sinne zu Gott. Statt mit dem bekannten Vaterunser Gott um etwas zu bitten, ist ihr Gebet insbesondere getragen von Dankbarkeit (Band 4: 64f.).

Neben der grundlegenden Vision gibt es in den Büchern auch Kritik (Band 7: 54f.; Band 8.2: 92; Band 10: 215) sowie konkrete Empfehlungen bezüglich politischen Entscheidungen: Alle Politiker sollten in Familienlandsitz-Siedlungen leben. Nur so können sie frische und gesunde Nahrung erhalten, ihre Gedankengeschwindigkeit erhöhen sowie einen persönlichen Bezug zu Land und Volk erleben. Darauf basierend werden weisere Gesetze geschaffen, die den Menschen und dem Leben allgemein besser dienen (Band 7: 246). Familienlandsitze sowie die darauf erzeugten Produkte sollen laut mehreren Angaben in der Buchreihe übrigens von der Steuer befreit sein (Band 5: 43, 47, 50f.; Band 8.1: 145). Darüberhinaus soll, nach Aussage der Bücher, das Land für Familienlandsitze kostenlos vergeben werden und es sei die Pflicht der Gesellschaft, jenen die für Landkauf schon Geld ausgegeben hatten, ihr Geld zurückzugeben (Band 8.1: 155).

Das Streben der Menschheit nach glücklichem und gesundem Leben entspringt dem Sehnen nach paradiesischen Gefühlen (Band 4: 78). Es wäre wohl eine sehr beschränkte Sicht, wenn dieses tief im Innern liegende Bedürfnis nur bei Anastasia-Lesern wahrgenommen würde. Manch einer hat noch nie etwas von den Büchern gehört und lebt die darin beschriebenen Ideale gleichwohl aus eigenem Antrieb. Die große Vielfalt der Menschen, die gemeinsam mit der Schöpfung schaffen wollen, vereint sich in einer gemeinsamen Richtung: Es geht um nichts Geringeres als um die Liebe, um die Bestimmung der Menschheit (Band 3: 55; Band 4: 66; Band 10: 129f.).

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Montag 21. August 2017

Elektromobilität bedeutet Energieverschwendung der Extraklasse

Vor ein paar Tagen erlebte ich im Gespräch mit einer Bekannten, etwas erstaunliches: Wenngleich ich sie als sehr bewusst und kritisch einschätze, so war sich doch Feuer und Flamme für ihre geplante Anschaffung eines Elektroautos.

Die staatliche Werbung scheint bei ihr gewirkt zu haben. Fakten zum realen Energieverbrauch zählten bei vielen nicht mehr, den Märchen wurde geglaubt.

Soeben habe ich einen Artikel entdeckt, der die Sachlage nüchtern darstellt:

https://www.eike-klima-energie.eu/2017/08/20/gefaehrliche-ladung-die-e-auto-sind-energieverschwender-die-batterien-giftige-umweltsuender-erster-klasse/

Sicher gibt es Ausnahmen: Wenn jemand sein (Benzin-) Auto stehen lässt und alles nur noch mit dem E-Bike fährt, kann sicher eine Einsparung erzielt werden. Wenn aber gleiche Leistung gefragt wird, gleiches Gewicht transportiert werden soll, z.B. am Auto noch eine Tonne Material im Anhänger bewegt werden soll, dann erst kann man vergleichen. Und wenn man in Zukunft statt einem Auto gleich zwei braucht (ein E-Auto + ein Benzinauto für Lasten), dann wird die Gegenüberstellung in dem verlinkten Artikel noch deutlicher.

Vor Jahren machte ich mit Sorgen über „Peak-Oil“. Mittlerweile beobachte ich mit größerer Besorgnis: „Peak Brain“.